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Streamingtipp

Fürs Abi lernen oder schon wieder vor der Kamera vögeln?

Jetzt in der Mediathek: In der sechsteiligen Instant-Serie "WatchMe – Sex sells" widmet sich das ZDF Bezahl-Pornodiensten wie "OnlyFans". Im Mittelpunkt stehen eine Körperaktivistin, eine alleinerziehende Mutter sowie ein schwules Paar.


Josh (Simon Mantei, l.) möchte seine neue Idee umsetzen. Tim (Michelangelo Fortuzzi, r.) müsste eigentlich fürs Abi lernen

Schon vor dem Vorspann geht es gleich ziemlich heftig zur Sache. Josh (Simon Mantei) und Tim (Michelangelo Fortuzzi) haben Sex auf dem Teppich. Mit einer aufgebauten Videokamera nimmt das schwule Paar die Fick-Szene auf und hofft auf zahlungsbereites Publikum. Potenzprobleme lassen die Szene freilich schneller scheitern als gedacht.

Um ein Scheitern solch freizügiger Szenen für die ZDF-Serie "WatchMe" zu vermeiden, wurde vom öffentlich-rechtlichen Sender eigenes ein Intimacy Coach engagiert. Der recht neue Beruf im Filmgeschäft entstand im Zuge der "MeToo-Bewegung und soll Schauspieler*innen das Gefühl von vertrauensvoller Atmosphäre sowie einen möglichst sicheren Arbeitsplatz gewährleisten, bei dem die Grenzen der Darstellung vorab bis ins Detail besprochen und verbindlich festgelegt werden.

Ein Dreier mit ungeahnten Konsequenzen

"Das Drehen wird angenehmer, weil jeder weiß, was genau gemacht wird", erzählt Michelangelo Fortuzzi im Interview mit queer.de von seinen Erfahrungen. Der 22-jährige Berliner spielt den Abiturienten Tim, der sich lieber um die kommenden Prüfungen kümmern möchte als Sex mit seinem Freund vor der Kamera auf dem fiktiven Portal "WatchMe" zu haben. Doch Josh möchte unbedingt die Abo-Zahlen steigern, dazu braucht es ständig frischen Content. "Du musst auch mal deinen Beitrag leisten", fordert er von seinem lustlosen Partner. Das neue Rollenspiel verläuft dann allerdings etwas anders als von Josh geplant. Auch bei dem von ihm eingefädelten Dreier mit Lockenkopf Maurice vor laufender Kamera entwickelt Tim recht unerwartet ein ganz neues Selbstbewusstsein. Beim Plaudern danach, jetzt ohne Kamera und ohne den älteren Josh, finden die beiden Jungs sich schnell sympathisch.


Josh (Simon Mantei, r.) will unbedingt erfolgreich auf WatchMe sein. Tim (Michelangelo Fortuzzi, l.) ist bereit, seinen Beitrag dazu zu leisten (Bild: ZDF / Jonas Römmig)

Der zweite Erzählstrang der Serie gehört der feministische Plus-Size-Aktivistin Malaika (Maddy Frost), die mit ihrem Auftritt bei "WatchMe" für eine Abkehr gängiger Schönheitsideale wirbt und sich gegen Slutshaming, das Hetzen gegen sexbewusste Menschen, wendet. Ganz so einfach ist der Aufstand gegen den Mainstream dann aber doch nicht. Als dritte Figur im Serienbund will die alleinerziehende Mutter Toni (Anna Werner Friedmann) ihre Geldprobleme mit Auftritten bei "WatchMe" lösen, sehr zum Verdruss ihrer Bekannten.

Serien-Schnellschuss mit Sex-Einlage

Das Konzept der Instant-Serie erlebte während der Pandemie einen Boom: Schnelles Drehen, kleines Team, wenig Schauplätze. Auf Proben wird ebenso weitgehend verzichtet wie auf ausgefeilte Drehbücher. So kann zügig auf aktuelle Themen reagiert werden, ohne den üblichen Apparat bleibt die Produktion günstig. Die chronische Krux an diesem schnellen Format sind die Figuren, denen kaum Zeit zur Entwicklung bleibt. So schrumpfen sie nicht selten zu Stereotypen, die sich mit holprigen Dialogen begnügen müssen. Der Daily-Soap-Effekt wird immerhin durch frische Themen und freche Inszenierung ausgeglichen. Wie Michelangelo Fortuzzi aus diesem wenigen Stoff eine bewegende Figur mit Empathie-Potenzial zaubert, ist allemal famos. Nicht umsonst gehört der charismatische Berliner zu den eindrucksvollsten Darstellern seiner Generation, gilt manchen seit der Serie "Druck" als der "River Phoenix von Moabit".

Eine Prise mehr Lässigkeit à la "Druck" und etwas weniger Didaktik hätte "WatchMe" gewiss kaum geschadet. Als Anreger für Diskussionen über "OnlyFans" und Co. taugt die kurzweilige Serie aber auf jeden Fall. Dank freizügiger Szenen und FSK 16 dürfte allerlei Aufmerksam generiert sein – der nicht umsonst heißt es im vollständigen Titel. "WatchMe – Sex sells".

Die sechsteilige neoriginal-Instant-Serie ist ab Freitag, den 12. Mai 2023 in der ZDF-Mediathek abrufbar (Anmeldung mit Alterscheck erforderlich). Ab Samstag, den 3. Juni um 23.50 Uhr ist sie bei ZDFneo zu sehen. Das vollständige Interview mit Michelangelo Fortuzzi folgt.

-w-

#1 StaffelbergblickAnonym
  • 13.05.2023, 22:50h
  • so ich habe mir die sämtlichen Folgen reingezogen. Der Ton ist ausbaufähig. Ich hatte mir auf dem Notebook die Lautsprecher voll aufgedreht ... teilweise schwer zu verstehen.
    Insgesamt finde ich die Idee schon sehr interessant. Allerdings sind dabei auch einzelne unlogische Entwicklungen. Insbesondere wenn der "Abiturient" Geld vom Account klaut (denn er hebt ohne Wissen ab und braucht dazu den Zugang seines "Freundes"), und dieses wird im Nachgang nie thematisiert. Es ist richtig, dass insbesondere "Tim" dabei eine klare Entwicklungslinie zeigt.
    Das Thema Genitalbeschneidung wird mir dabei zu nebensächlich behandelt. Die Oma der Aktivistin weist kurz mit einem Satz darauf hin, und die Enkelin reagiert mit "Das mache ich für mich". Das hätte ich mir an dieser Stelle ausbaufähiger vorstellen können.
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#2 ThipsAnonym
  • 16.05.2023, 19:12h
  • Ist die Serie wegen dem Bildungsauftrag so deprimierend?
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#3 SarkastEhemaliges Profil
  • 19.05.2023, 04:18h
  • Antwort auf #2 von Thips
  • Ist halt eine echt schlechte Serie.
    Deutschen Serien fehlt halt oft das Leichte und Unverkrampfte, dafür sind sie gerne betroffen, moralinsauer und belehrend.
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