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- 29. März 2006 3 Min.
US-Wissenschaftler setzen große Hoffnungen auf ein Medikament, das HIV-Infektionen beim Menschen verhindern soll.
Von Dennis Klein
25 Jahre ist es nun her, seit die ersten Aids-Fälle die Welt wachrüttelten. Bis Mitte der 90er Jahre war die Krankheit immer tödlich. Seitdem hat die so genannte Kombinationstherapie die HIV-Infektion beherrschbar gemacht - wenn auch nicht heilbar. Jetzt haben US-Wissenschaftler eine Medikamentkombination vorgestellt, die eine HIV-Infektion verhindern soll. "Das ist der erste Stoff in der HIV-Forschung, der wirklich erfolgversprechend ist", freut sich Thomas Folks, Chef der US-Behörde für gesundheitliche Aufklärung.
Bei den Medikamenten handelt es sich um Tenofovir (Handelsname Viread) und Emtricitabine (Emtriva). Zusammen werden die Medikamente als Truvada von der kalifornischen Firma Gilead Sciences vertrieben. Der Konzern hat bereits für Aufsehen gesorgt, weil er das Anti-Vogelgrippe-Medikament Tamiflu herstellt.
Bei Tierversuchen hatten die Gilead-Sciences-Forscher Truvada bereits erfolgreich getestet. So wurden sechs nicht infizierten Berberaffen die Medikamente verabreicht. Dann haben Wissenschaftler eine Mischung aus menschlichen und unter Affen verbreiteten HI-Viren rektal verabreicht, um den Übertragungsweg beim Analsex zu imitieren. Nach 14 Wochen waren die Tiere immer noch HIV-negativ. Selbst nachdem die Medikamente abgesetzt wurden, blieben alle Tiere auch vier Monate später noch gesund. Wissenschaftler hatten zuvor bereits mit Tenofovir experimentiert - allerdings hat das Mittel alleine nur einen teilweisen Schutz gewährt.
Truvada, das HIV-Patienten bereits seit letztem Jahr zur Verfügung steht, wirkt anders als Impfstoffe, die das Immunsystem aktivieren. Statt dessen verhindert das Mittel, dass sich das Virus vermehrt. Es wirkt dabei ähnlich wie vorbeugende Medikamente gegen Malaria.
Es gibt Berichte aus den USA, dass HIV-Negative bereits jetzt das Medikament von Freunden erhalten, um ungeschützt Sex haben zu können. Medienberichten zufolge verschreiben Ärzte das Medikament an schwule Männer, die angeben, nur Bareback-Sex zu haben. Im Rückgang des Kondom-Gebrauchs sehen Experten auch die Hauptgefahr im voreiligen Jubel über das neue Medikament. Denn immerhin ist es noch nicht sicher, dass Truvada beim Menschen einen gleich hohen Schutz vor einer HIV-Infektion bietet wie Safer Sex - von den teils heftigen Nebenwirkungen der Pillen einmal abgesehen. Außerdem ist es möglich, dass sich ein Virus entwickelt und ausbreitet, der gegen das Mittel resistent ist. "Mich haben Leute gefragt: Promotet ihr mit dem neuen Medikament nicht ungeschützten Geschlechtsverkehr?", merkt Lynn Paxton gegenüber AP an. Sie begleitet für die Behörde für gesundheitliche Aufklärung die Forschung.
Ein weiteres Hindernis für einen flächendeckenden Einsatz von Truvada ist auch der Preis. So gibt Gilead Sciences das Medikament an arme Länder zum Selbstkostenpreis von 87 US-Cent (72 Euro-Cent) für eine Tagesdosis ab. Kondome kosten dagegen nur wenige Cent. Der US-Großhandelspreis für eine Jahresdosis beträgt 650 Dollar (540 Euro).
Die Wissenschaftler wollen nun herausfinden, ob Truvada bei Menschen so gut wirkt wie bei Affen. Dazu startet Gilead Sciences groß angelegte Tests in der ganzen Welt, die noch in diesem Jahr erste Ergebnisse liefern sollen. Für Lynn Paxton ist Truvada der größte Hoffnungsschimmer im Kampf gegen HIV: "In Gegenden, in denen es eine hohe HIV-Rate gibt, ist selbst ein nicht-hunderprozentiges Produkt ein Segen".
29. März 2006
Links zum Thema:
» Truvada














