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Aktion zum IDAHOBIT
München: Stadtratsmitglied hält Rede in Drag
Zum IDAHOBIT macht der Kommunalpolitiker Thomas Lechner dem nach einer dragkritischen Aussage in der Community umstrittenen SPD-Oberbürgermeister ein Angebot.

Thomas Lechners Rede wurde live von der Stadt München übertragen – er versicherte sich vorher ironisch beim OB, dass er damit keine Kinder gefährdet (Bild: Screenshot / Stadt München)
- 17. Mai 2023, 11:13h 3 Min.
Der parteilose Kommunalpolitiker Thomas Lechner hat am Mittwochvormittag in Anwesenheit von Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) eine Rede im Münchner Stadtrat in Drag gehalten. Das Mitglied der Fraktion Die Linke/Die Partei trug eine große blonde Perücke, viel Schminke und eine elegante Handtasche ("Das ist natürlich kein Krokodil").
Dabei ging der bzw. die 61-Jährige auf die teils aggressiv geführte Debatte um eine Drag-Vorlesung für Kinder in einer Münchner Stadtbibliothek ein. Anlass für diesen Auftritt war zwar der weltweit am 17. Mai begangene Internationale Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transfeindlichkeit (IDAHOBIT). Allerdings ging es im Stadtparlament gerade um einen Tagesordnungspunkt zum Thema Inklusion und Abbau von Barrieren in der Landeshauptstadt.
Ironische Warnung vor "frühsexuellen Revolution" in München
Lechner begann seine Rede ironisch: "Ich bin ein bisserl unsicher. Herr Oberbürgermeister, Sie müssen mir unter Umständen helfen beim jetzigen Tagesordnungspunkt, ob wir nicht unter Umständen den Livestream ausschalten sollten, wenn Jugendliche und junge Menschen das hier aushalten müssen", so Lechner, während er auf sein Outfit zeigte. "Das wird ja vermutlich zu einer frühsexuellen Revolution in der Stadt führen und das wollen wir doch bestimmt nicht, oder? Ist das okay, den Livestream laufen zu lassen?" Daraufhin erklang von hinten ein "Okay". Er sprach eine knappe Viertelstunde zum Thema Barriereabbau – und kritisierte eine Vorlage von SPD und Grünen/Rosa Liste.
Am Ende der Rede kam Lechner noch einmal auf sein Outfit zurück: "Die Welt wäre so viel besser, wenn die Menschen zur Abwechslung mal ein bisschen nett zueinander wären", sagte er ernst. "Ehrliche Frage an alle, die mir jetzt zugehört oder mich angestarrt haben: Welche Gehirnhälfte war mehr beansprucht? Die geistige, also das Mitdenken, oder die Optik? Das müssen Sie mir jetzt nicht beantworten, ich finde es nur gut darüber nachzudenken, denn es ist ein wunderbares Beispiel, an dem man sieht, wie toll und wirksam Drag-Culture ist, weil sie einem auch den Spiegel vorhält, welcher Teil angesprochen wird – ob einen Inhalte interessieren oder ob man auf Äußerlichkeiten geht."
/ GrueneRathaus_M | Auch eine Konkurrenzfraktion ist von Lechners Auftritt begeistertKlares Statement von Thomas Lechner heute in der Vollversammlung. Wir finden: großartig #Stadtrat_Live pic.twitter.com/lpC8avErg0
Grün-Rosa Fraktion München (@GrueneRathaus_M) May 17, 2023
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Darauf folgte ein Seitenhieb auf CSU-Vizefraktionschef Hans Theiss, der die geplante Drag-Vorlesung als einer der ersten in die Nähe von Sexualisierung gerückt hatte: "Ich hoffe, dass Sie sich dafür schämen, was Sie da angezettelt haben", so Lechner.
Lechner kritisiert "schwierige Aussagen" des OBs – und macht ein Angebot
Danach wandte sich Lechner an OB Reiter, der vor wenigen Tagen zu der Lesung erklärt hatte, dass er seine Enkelkinder "dieser Art von Programm" nicht aussetzen wolle (queer.de berichtete): "Herr Oberbürgermeister, ich fände es grandios und toll, wenn Sie Ihre Enkelkinder an die Hand nehmen würden und zur Lesung in der Stadtbibliothek gehen würden. Ich biete Ihnen an, diesen ganzen Aufwand noch mal zu betreiben, und als Begleitung mitzukommen", sagte Lechner. "Sie können es als Drohung wahrnehmen, ich kann aber auch Hilfestellung sein." Eine solche Geste des Sozialdemokraten wäre eine Entschuldigung für seine "schwierigen Aussagen". Diese werde bestimmt von der gesamten Community akzeptiert.
Reiter ging daraufhin nicht auf das Angebot ein, erklärte aber amüsiert: "Ich hoffe, ich habe jetzt mindestens fünf Gut-Punkte bei Ihnen, Herr Lechner, weil ich das Thema Tagesordnung und Wortmeldungen nicht ganz so ernst genommen habe, wie ich es normalerweise tue. In diesem Fall habe ich eine Ausnahme gemacht, weil wir eigentlich nur zu Tagesordnungspunkten sprechen, aber ich wollte es nicht auf die Spitze treiben."

Dieter Reiter zeigte sich amüsiert (Bild: Screenshot / Stadt München)
Thomas Lechner ist seit Jahrzehnten selbst in der Münchner Community aktiv – unter anderem als DJ, Initiator des CSD-Rathaus-Clubbings, Veranstalter der queeren Indie-Electro-Alternative-Party "Candy Club" und Gründer der Agentur Queerbeat. Er trat auch bei der Münchner OB-Wahl 2020 an und konnte immerhin mit 7.200 Stimmen und 1,3 Prozent den siebten Platz belegen. (dk)
/ schwarzblondTolle Rede zum Thema Barrierefreiheit und Inklusion für *alle* in der Münchner Stadtverwaltung von @ThomasLechner10 in der heutigen Stadtratssitzung.
Laura Sophie Dornheim (@schwarzblond) May 17, 2023
Happy #IDAHOBIT everyone. pic.twitter.com/q1Cg5Wyt7J
Links zum Thema:
» Video der Rede auf der Homepage der Stadt München (ab 49:30)
» Homepage Thomas Lechner










