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Kultserie

Vor 25 Jahren ging "Sex and the City" an den Start

"Sex and the City" revolutionierte vor einem Vierteljahrhundert das Fernsehen – auch für sexuelle Minderheiten.


Die Protagonistinnen Carrie (Sarah Jessica Parker, 2.v.l.), Samanta (Kim Cattrall, 2.v.r.), Charlotte (Kristin Davis, Mitte) und Miranda (Cynthia Nixon, rechts) gemeinsam mit dem besten schwulen Freund Stanford (Willie Garson, † 2021) (Bild: HBO)

Am 6. Juni 1998 lief die erste Folge von "Sex and the City" im amerikanischen Pay-TV-Sender HBO. Die Fernsehlandschaft sollte sich dadurch nachhaltig verändern: Zum ersten Mal gab es eine Serie über erwachsene Frauen, die offen über Sex redeten – und auch Homosexualität wurde relativ unverkrampft dargestellt. Bisher hatten Serien aus den frei empfangbaren US-Kanälen dominiert, die zwar bei Gewaltdarstellungen relativ wenige Restriktionen hatten, dafür aber beim Thema Sex und lockere Sprache einem langen Zensurkatalog ausgesetzt waren (und noch immer sind).

Insgesamt brachte es "Sex and the City" bis 2004 auf 94 Episoden. Deutschland kam übrigens mit dreijähriger Verzögerung in den Genuss der New Yorker Sex-Ladys: Auf ProSieben startete die Serie im September 2001 – mit einer für Fans der Originalserie sehr schwer zu akzeptierenden Synchronisation.

Nach dem Ende von "Sex and the City" im Fernsehen kamen zwei – eher wenig geliebte – Kinofilme in den Jahren 2008 und 2010. Im Jahr 2013 folgte das inzwischen weitgehend vergessene Prequel "Carrie Diaries", das nach 26 Folgen und zwei Staffeln eingestellt wurde. Letztes Jahr kam es dann zum großen Reboot: Mit "And Just Like That…" wird die Geschichte der Haupt- und vieler Nebenfiguren weitererzählt.

Serie "hat sich radikal angefühlt"

Viele Schwule erinnern sich noch an ihren ersten Kontakt mit Carrie (Sarah Jessica Parker), Samanta (Kim Cattrall), Charlotte (Kristin Davis) und Miranda (Cynthia Nixon). "Meine früheste Erinnerung an 'Sex and the City' ist, als ich von der Uni nach Hause kam, durch die Kanäle geschaltet habe und ein oder zwei Folgen gesehen habe", erinnerte sich "Bros"-Star Billy Eichner kürzlich im Magazin "People". "Es ging um Stanford, der in Unterwäsche in eine Schwulenbar gegangen ist. Man hat damals noch nicht in vielen Sendungen Szenen aus Schwulenbars gesehen, geschweige denn von Jungs in Unterwäsche in einer 'Underwear Night'. Die Tatsache, dass Stanford in Schwulenbars gegangen ist, hat sich radikal angefühlt und hat mich in die Serie hineingezogen."

"Sex and the City" half HBO und dem Pay-TV, sich zu etablieren. Zwar hatte der Sender bereits zuvor Erwachsenenserien wie "Tales From The Crypt" ("Geschichten aus der Gruft") produziert, allerdings machten erst die auf Candance Bushnells Buch basierende Serie um Carrie Bradshaw sowie die ein halbes Jahr später gestartete Mafia-Serie "The Sopranos" (1999-2007) den Sender hoffähig und eine weniger verkrampfte Erzählweise möglich. Dadurch wurden erst queere Kultreihen wie die US-Adaption von "Queer as Folk" (2000-2005) und "The L Word – Wenn Frauen Frauen lieben" (2004-2009) möglich – beide wurden vom HBO-Konkurrenten Showtime in Auftrag gegeben.

Nach 25 Jahren ist viel zu kritisieren

Aus heutiger Sicht ist freilich einiges an "Sex and the City" zu kritisieren: So gab es außer Homo- und Heterosexualität wenig Vielfalt. Die Darstellung von trans Menschen war etwa unterirdisch: In Staffel drei standen etwa trans Sexarbeiterinnen vor Samanthas Haus, die dann von der Besitzerin übel beschimpft wurden ("Ich zahle ein Vermögen, um in einer Gegend zu wohnen, die tagsüber trendy und nachts tranny ist").

Auch Bisexualität kam in der Welt der SATC-Frauen nicht vor: Als Samantha in Staffel vier etwa eine Sexpartnerin hatte, erkannten ihre Freundinnen nicht an, dass eine Person nicht nur homo oder hetero ist, sondern machten sich über ihr plötzliches "Lesbischsein" lustig. Charlotte sagte etwa: "Sie ist keine Lesbe, sie hat nur alle Männer durch." Carrie, die es eigentlich als Sexkolumnistin besser wissen müsste, sagte sogar einmal: "Ich bin nicht mal sicher, ob Bisexualität existiert. Ich denke, dass ist nur ein Zwischenstopp nach Homohausen."

Weitere Kritikpunkte: Die Figur Carrie, die eigentlich als positiv dargestellt wird, sei mit ihrer egoistischen Selbstbezogenheit kaum als feministisches Vorbild geeignet. Auch das teils traditionelle Frauenbild wurde kritisiert – denn am Ende stand für die meisten die Ehe. Zudem standen so gut wie ausschließlich reiche, weiße Menschen im Mittelpunkt. Die bisexuelle Darstellerin Cynthia Nixon verlangte deshalb, dass es im Reboot "And Just Like That…" mehr Vielfalt geben sollte (queer.de berichtete).

Am 22. Juni gehen die Abenteuer weiter: Die zweite Staffel des Ablegers "And Just Like That…" startet in Deutschland auf Sky (queer.de berichtete). Die Reihe versucht, mit einem vielfältigeren Cast und einem breiteren Themenauswahl Fehler der Vergangenheit zu korrigieren. Angesichts des gewachsenen TV- und Streamingmarktes – und auch kulturellen Veränderungen – gibt es allerdings weit weniger Interesse an Carrie und Co. als vor 25 Jahren.

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