Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?45853

Bewerberin um republikanische Kandidatur

Nikki Haley: Trans Mädchen Schuld an Suizidalität von US-Teenagerinnen

Nikki Haley bewirbt sich um die Kandidatur ihrer Republikaner zur Präsident*innenschaftswahl. Mit Transphobie wirbt sie um Stimmen: Angeblich erwägten ein Drittel der US-Teenagerinnen aufgrund ihrer trans Geschlechtsgenossinnen Suizid.


Nikki Haley im Jahr 2020 (Bild: Gage Skidmore / flickr)
  • 6. Juni 2023, 15:03h 2 5 Min.

Nikki Haley ist vielen bekannt als UN-Sprecherin der Vereinigten Staaten in der Präsidentschaft Trumps, genauer in den Jahren 2017 und 2018. Die frühere Gouverneurin von South Carolina hatte sich wohl auch vor dem Hintergrund, den ein irrlichternder Trump als Präsident der USA abgegeben hatte, eigentlich ein eher gemäßigteres Image erarbeitet.

Dass Haley aber auch erzkonservativ kann und sich auch früher so profilierte, wurde nun deutlich. Die Bewerberin um die republikanische Präsident*innenschaftskandidatur in der kommenden Wahl machte mit einem kruden Kommentar im anhaltenden US-Kulturkampf um die Rechte und den Status transgeschlechtlicher Menschen auf sich aufmerksam.

Haley: Nicht wundern, wenn ein Drittel der Mädchen Suizid erwägt

Am Sonntag nahm Haley bei einer in den Vereinigten Staaten traditionellen Townhall-Debatten teil, übertragen von CNN. Moderator Jake Tapper und Wähler*innen aus Iowa stellten dabei verschiedene Fragen, etwa auch zum Krieg gegen die Ukraine, Schwangerschaftsabbrüche und das Waffenrecht.

Dann wurde die Politikerin von Tapper gefragt, wie sie "woke" definiere. Haleys Antwort enthält zwar keine Definition, dafür aber eine einigermaßen irre Aufzählung: Das bestehe aus vielen Dingen. Man möge wohl beginnen mit "biologischen Jungs, die im Mädchensport spielen", so Haley. Oder: "Der Fakt, dass wir jetzt Geschlechtspronomens-Kurse im Militär haben". Sie meine all die Dinge, die der Mehrheit der Amerikaner*innen aufzwinge, was eine kleine Minderheit wolle. "Es ist zu viel! Es ist zu viel!", so Haley einigermaßen emotionalisiert.

Die Idee, dass "biologische Jungs" im Mädchensport spielten, sei "die Frauenfrage unserer Zeit". Haleys Tochter sei in ihrer Highschoolzeit Leichtathletin gewesen. Sie wisse nicht einmal, wie sie "diese Unterhaltung" mit ihr führen solle: "Wie sollen wir unsere Mädchen an den Fakt gewöhnen, dass biologische Jungs in ihrer Umkleidekabine sind?"

Zwar wehrt sich ein großer Teil des Landes mit Händen, Füßen und Menschenrechtsverletzungen dagegen, dass transgeschlechtlichen Mädchen ein diskriminierungsarmes Aufwachsen und eine Anerkennung in ihrem Geschlecht ermöglicht wird – der Kampf umfasst die gesetzliche Verbannung aus dem Schulsport der Geschlechtsgenossinnen. Doch Haley schafft es, dieser verzerrten Wirklichkeit noch eine krude Behauptung mehr auf die Spitze zu setzen.

"Und dann wundern wir uns, warum ein Drittel unserer Teenager-Mädchen im vergangenen Jahr ernsthaft erwägt hat, Suizid zu begehen?", fragte Haley rhetorisch. Stattdessen sollte man doch "starke" und "zuversichtliche" Mädchen aufziehen. Der Wille der Eltern gegenüber Mädchen scheint also, so Haleys Weltbild, zu stimmen. Allein an den Möglichkeiten fehlt es. Sie enden dort, wo transgeschlechtliche Mädchen sich zum Sport umkleiden wollen.

Twitter / abbydphillip | Der Tweet enthält einen Videoausschnitt von Nikki Haleys Einlassungen bei der Townhall-Veranstaltung
Datenschutz-Einstellungen | Info / Hilfe

Expert*innen führen gestiegene Zahlen auf Pandemie zurück

Hintergrund von Haleys Äußerungen dürfte eine Studie zum Risikoverhalten von Jugendlichen sein, die kürzlich in den Vereinigten Staaten mit schlimmen Befunden veröffentlicht worden war. Die neusten Zahlen stammen jedoch überhaupt nicht aus dem Jahr 2022, sondern schon aus dem davor Doch das ist nicht der einzige Fakt, der bei Haleys wütender Townhall-Rede bloß stark gefiltert wiedergegeben wurde. Der Vergleichswert aus der vorherigen regelmäßigen Erhebung stammt aus 2019. Entsprechend wurden die Zahlen vor allem als Konsequenz der Coronapandemie sowie der Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Virus interpretiert. Wichtige Faktoren laut Forscher*innen: Einsamkeit und der Abbruch von sozialen Kontakten.

Die ernsthaften Erwägungen zum Suizid waren zwischen diesen beiden Jahren von einem Anteil von 24,1 Prozent auf 30,0 Prozent der Mädchen gestiegen. Bei vorbereiteten Suizidplänen stieg er von 19,9 Prozent auf 23,6 Prozent. Und auch die tatsächlichen Suizidversuche waren schrecklicherweise angestiegen: Von ganzen 11 Prozent der Mädchen auf dann 13,3 Prozent.

Schaut man sich die erhobenen Werte an, wird deutlich, dass die Gruppe der Mädchen weiter unterteilt werden kann – entlang von Kategorien der Ungleichheit. Schwarze Mädchen hatten 1,5 Mal so oft berichtet, einen Suizidversuch unternommen zu haben wie weiße. Und: Jugendliche, die gleichgeschlechtliche sexuelle Kontakte hatten, wiesen eine um das 1,9-fache erhöhte Zahl von Suizidversuchen auf. Dabei war ein vergleichbarer Anstieg der Suizidalität bei männlichen Jugendlichen in der Studie nicht gefunden worden. Was die Studie auch nicht ausgewiesen hat: Eine Verbindung zwischen dem Anstieg der Suizidalität von Mädchen und der Teilnahme transgeschlechtlicher Mädchen am Sport. Wohl aber, dass es auch in den Vereinigten Staaten negative Konsequenzen für den Lebenswillen hat, einer marginalisierten geschlechtlichen oder sexuellen Gruppe anzugehören.

Zahlen des Trevor Project für 2021, veröffentlicht im Dezember vergangenen Jahres, zeigen zudem: Von den transgeschlechtlichen Jugendlichen und jungen Erwachsenen zwischen 13 und 24 Jahren haben über 50 Prozent in jenem Jahr ernsthaft erwogen, sich das Leben zu nehmen. Und in Kalifornien etwa hatten 19 Prozent der jungen transgeschlechtlichen Menschen dann tatsächlich versucht, das Vorhaben in die Tat umzusetzen. In Texas waren es 20 Prozent, in New York 16 Prozent. Die Gründe sind bekannt: Ausgrenzung, Diskriminierung, Gewalt, Mobbing, Verweigerung von Rechten und Anerkennung sowie erhebliche Zugangshürden zu medizinischen Transitionsmaßnahmen. Also genau das, was die republikanische Partei von Nikki Haley noch erheblich verschärfen möchte.

Chasten Buttigieg, Ehemann des Verkehrsministers Pete Buttigieg in der Regierung Biden, kritisierte Haley für ihre Behauptung. Zu suggerieren, dass ein Drittel der amerikanischen Teenager-Mädchen einen Suizid wegen der Existenz transgeschlechtlicher Menschen erwägten, sei "eine unseriöse, unwahre und haserfüllte Sache". "Aber Hass ist hier der Punkt, nicht?", so Buttigieg.

Übrigens: Nikki Haley beschreibt ihren politischen Standpunkt selbst als "pro life". Gemeint ist mit dem Ausdruck jedoch nicht das Leben von Mädchen oder Frauen. Sondern von Föten in ihren Gebärmüttern. (jk)

Kreisen deine Gedanken darum, dir das Leben zu nehmen?

Sprich mit anderen darüber. Freund*innen oder Verwandte könnten gute Ansprechpartner*innen sein.

Die Telefonseelsorge ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr erreichbar. Die Telefonnummern lauten: 0 800 / 111 0 111 und 0 800 / 111 0 222.

Für trans Personen gibt es in Deutschland ein großes Netzwerk aus Treff-, Unterstützungs- und Beratungsangeboten. So bietet etwa die Deutsche Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität mehrere Beratungsstellen. Weitere lokale Angebote lassen sich oft über Suchmaschinen finden.

#1 la_passanteAnonym
#2 Ja DankeAnonym
  • 07.06.2023, 21:17h
  • Cis mädchen treiben sich nachwievor am meisten gegenseitig in den suizid, bringen einander sogar um wie neulich erst geschehen.
    Ich musste als trans mädchen in die jungenumkleide, bin aufs heftigste traumatisiert, interessiert keine sau.
    Jede woche sind wir an was neuem schuld, manchmal wünschte ich es wär wirklich so.
    Die mehrheitsgesellschaft bekommt von mir null respekt, nix mehr, leckt mich am ARSCH
  • Direktlink »

Kommentieren nicht mehr möglich
nach oben
Debatte bei Facebook

Newsletter
  • Unsere Newsletter halten Dich täglich oder wöchentlich über die Nachrichten aus der queeren Welt auf dem Laufenden.
    Email: