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Beschluss des Parteivorstands

Die Linke fordert Sahra Wagenknecht zum Rücktritt auf

Über Jahre wurden ihre Alleingänge und queerfeindlichen Attacken von der Parteispitze geduldet. Doch nun hat sich der Linke-Vorstand von der Abgeordneten Sahra Wagenknecht losgesagt und sie zur Rückgabe des Mandats aufgefordert.


Sahra Wagenknecht spielt seit längerem mit dem Gedanken, eine neue Partei zu gründen (Bild: DIE LINKE Nordrhein-Westfalen / flickr)
  • 11. Juni 2023, 02:41h 15 4 Min.

Der Vorstand der Linkspartei hat sich von seiner Bundestagsabgeordneten Sahra Wagenknecht losgesagt und sie und ihre Mitstreiter*innen zur Rückgabe ihrer Mandate aufgefordert.

"Es ist ein Gebot des politischen Anstandes und der Fairness gegenüber den Mitgliedern unserer Partei, wenn diejenigen, die sich am Projekt einer konkurrierenden Partei beteiligen, konsequent sind und ihre Mandate zurückgeben", heißt es in einem Beschluss des Parteivorstands vom Samstag. Wagenknecht spielt seit längerem mit dem Gedanken, eine neue Partei zu gründen. Die Parteiführung hat das wiederholt scharf kritisiert.

"Die Zukunft der Linken ist eine Zukunft ohne Sahra Wagenknecht", heißt es im Vorstandsbeschluss weiter. Es sei nicht akzeptabel, dass sie Ressourcen aus Mandaten, die sie für die Linke gewonnen habe, für den Aufbau einer Konkurrenzpartei nutze. Wagenknecht habe wiederholt erklärt, dass sie keine Perspektive für die Linke sehe. "Sie ist der Aufforderung, eindeutig von einem konkurrierenden Parteiprojekt Abstand zu nehmen, bis heute nicht nachgekommen."

Wagenknecht will bis Jahresende über Zukunft nachdenken

Die frühere Fraktionschefin Wagenknecht hatte erst am Freitag bekräftigt, dass sie bis zum Jahresende über ihre Zukunft in der Linken und eine mögliche Parteigründung entscheiden will. Zuvor hatte sie bereits erklärt, nicht mehr für die Linke für den Bundestag zu kandidieren. Am Samstag wollte sie sich auf Nachfrage nicht öffentlich zu dem Beschluss des Parteivorstandes äußern.

Parteichefin Janine Wissler erklärte, der Vorstand kämpfe um die Einheit der Partei und gegen alle Versuche, sie zu spalten. Minderheitenmeinungen würden respektiert. "Wir erwarten aber, dass die demokratischen Beschlüsse der Partei ernst genommen werden und sie auch eingehalten werden und nicht, dass mit einer Parteigründung gedroht wird, um die Partei auf einen anderen Kurs zu bringen, als die Gremien, die Parteitage demokratisch beschlossen haben."

Der Vorstandsbeschluss sei einstimmig angenommen worden, hieß es. Co-Parteichef Martin Schirdewan sagte, er gehe davon aus, dass der Beschluss "in weiten Teilen" auch bei der Bundestagsfraktion auf Zustimmung stoßen werde. Auf die Frage, was passiere, wenn Wagenknecht ihr Mandat nicht niederlege, sagte Schirdewan, es sei eine "Erwartungshaltung" formuliert worden – konkreter wurde er nicht. Laut Wissler spielte ein möglicher Parteiausschluss Wagenknechts in der Vorstandssitzung am Samstag keine Rolle.

Zwischen Wagenknecht und der Parteispitze sowie anderen Mitgliedern gibt es seit Jahren Streit über grundsätzliche Positionen. In der Flüchtlingspolitik sprach sie sich gegen offene Grenzen aus; sie äußerte sich in der Corona-Zeit skeptisch zur Impfung; in ihrem Buch "Die Selbstgerechten" rechnete Wagenknecht mit dem Einsatz ihrer Partei für LGBTI-Rechte und Klimaschutz ab, auch Waffenlieferungen an die Ukraine lehnt die russlandfreundliche Politikerin ab.

Wagenknecht-Fans empört über Vorstandsbeschluss

Sahra Wagenknecht hat aber auch Unterstützer*innen in Partei und Fraktion – etwa den Bochumer Abgeordneten Christian Leye, früher Mitarbeiter in Wagenknechts Wahlkreisbüro. Er teilte am Samstag mit: "Die Zukunft der Linken ist eine Zukunft ohne politische Bedeutung. Sahra Wagenknecht ist um ein Vielfaches populärer als die Partei, und das heutige Manöver ist ein weiterer Schritt Richtung Abgrund." Die Aufgabe des Parteivorstands wäre es nach Leyes Auffassung gewesen, die zugrundeliegenden politischen Konflikte zu moderieren.

Auch die Linksfraktionschefin im Bundestag, Amira Mohamed Ali, kritisierte den Vorstandsbeschluss. "Ich halte den heutigen Beschluss des Parteivorstandes von Die Linke für einen großen Fehler und einer Partei unwürdig, die sich Solidarität und Pluralität auf die Fahnen schreibt", schrieb sie am Samstagabend auf Twitter. "Wir haben unseren Wählerinnen und Wählern und all den Menschen gegenüber, die ohne uns keine Stimme haben, eine wichtige Aufgabe. Vorstandsbeschlüsse gegen eigene Mitglieder zu fällen und öffentlich breitzutreten, gehört nicht dazu!"

Der Bundestagsabgeordnete Alexander Ulrich kritisierte: "Anstatt darüber nachzudenken, warum immer weniger Menschen Interesse an dieser Partei haben, arbeitet man sich weiter an einer der wenigen populären PolitikerInnen in den eigenen Reihen ab." Wagenknecht solle auf keinen Fall ihr Mandat zurückgeben. "Sie spricht für Millionen Menschen in der Bevölkerung und für tausende Mitglieder an der Parteibasis, die sich von diesem Vorstand nicht mehr vertreten fühlen."

Die Linke hat im Bundestag 39 Abgeordnete. Bei der Bundestagswahl 2021 hatte sie die Fünf-Prozent-Hürde verfehlt und den Einzug nur über drei direkt gewonnene Mandate geschafft. Danach hatte die Partei bei Landtagswahlen zum Teil herbe Niederlagen eingesteckt.

Wagenknecht schürt seit Jahren queerfeindliche Ressentiments

Sahre Wagenknecht war in den vergangenen Jahren mehrfach durch queerfeindliche Äußerungen aufgefallen. 2018 sprach sie etwa von der Gleichbehandlung von Schwulen und Lesben im Ehe-Recht abwertend als "Wohlfühl-Label, um rüde Umverteilung von unten nach oben zu kaschieren" (queer.de berichtete). 2021 votierten Wagenknecht und drei weitere Mitglieder der Linksfraktion im Parlament gegen ein Selbstbestimmungsgesetz für trans- und inter Menschen (queer.de berichtete).

Im selben Jahr warnte sie in ihrem Bestseller "Die Selbstgerechten" vor "immer skurrileren Minderheiten" und führte dabei u.a. auch sexuelle Orientierung an (queer.de berichtete). Zuletzt bekräftigte Wagenknecht Ende Mai bei "Bild TV" ihre Ablehnung des von der Bundesregierung geplanten Selbstbestimmungsgesetzes: "Ich werde definitiv nicht zustimmen, ich halte es auch für gefährlich" (queer.de berichtete). (cw/dpa)

-w-

#1 TrekieAnonym
  • 11.06.2023, 06:03h
  • Naja, da tut die Partei aber bisschen sehr wenig und das bisschen sehr spät.

    Ändert aber auch nix daran, dass die nach der nächsten Wahl zu recht aus dem Bundestag fliegen. Das Wagenknecht als offensichtlich rechte so lange in einer angeblich linken Partei geduldet oder sogar hofiert wurde, hat doch längst die meisten links eingestellten Wählenden verprällt.

    Merke: linke Parteien mit rechten Politiker*inen kriegen keine linken Stimmen.
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#2 VitelliaAnonym
  • 11.06.2023, 10:27h
  • Das ist mir völlig egal, aus welcher Partei die Sahra Putinknecht rausfliegt.
    Sie quatscht, wie es der Kriegsverbrecher Putin hören will, genau wie die widerliche AfD.
    Von solchen Heuchlern von Frieden halte ich nichts!

    Das passt Putin: Man soll der Ukraine jedes Recht auf Verteidigung absprechen und sie deshalb nicht mit Waffen unterstützen.
    Genau das will er hören - und die Sahra macht für ihn Propaganda mit blöden Demos auf der Straße.

    Jedes Land hat das Recht auf Frieden und das RECHT der Verteidigung!! Auch mit Unterstützung mit Waffen von anderen Ländern! Das ist NICHT gegen das Völkerrecht.

    "Manifest des Friedens" - wie geschwollen und wie verlogen.
    Wenn es der Sahra mit ihrer Schwarzer wirklich um Frieden ginge, wären sie gegen Putins völkerrechtswidrigen Angriffskrieg auf die Straße gegangen.
    Putin ist der Einzige, der keinen Frieden will!
    Dagegen hätten sie demonstrieren sollen.
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#3 Schuss ins KnieAnonym
  • 11.06.2023, 10:42h
  • Größtes Eigentor der LINKEN und ihr Todesurteil.
    Ohne Wagenknecht und ihre Wähler, war es das mit 5%. Auch von meiner Seite. Jetzt müssen sie noch Gysi rausekeln und die marginalisierte Politsekte wäre perfekt.
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