https://queer.de/?45896
Interview
Vom Pop- zum Filmstar: Troye Sivan über Coming-out, Heimat und Karriere
In der neuen Serie "The Idol" von Sam Levinson und Abel "The Weeknd" Tesfaye ist auch das schwule Multitalent Troye Sivan mit von der Partie. Wir trafen den 28-Jährigen kurz nach der Premiere in Cannes.

Troye Sivan am 25. Mai 2023 bei der 29. amfAR-Gala in Cannes (Bild: IMAGO / Future Image)
- Von
11. Juni 2023, 06:45h 4 Min.
Ein Hotelzimmer im legendären, frisch wiedereröffneten Carlton Hotel in Cannes, zwischen jeder Menge Kameras und PR-Mitarbeiter*innen sitzt Troye Sivan und spricht wie am Fließband mit Journalist*innen. Am Vorabend fand die Weltpremiere der mit Spannung erwarteten Serie "The Idol" im Rahmen des Filmfestivals statt, nun ist Pressearbeit im Akkord angesagt – mehr als sieben Minuten pro Person sind nicht drin. Immerhin, denn der 28-Jährige ist ja so fleißig, dass für Interviews normalerweise gar keine Zeit sind.
Sowohl vor der Kamera als auch am Mikrofon ist der Australier gut beschäftigt. In der Serie von "Euphoria"-Macher Sam Levinson, die gerade bei Sky & WOW angelaufen ist (jeden Montag gibt es eine neue Folge), spielt er den Kreativdirektor von Popstar Jocelyn (Lily-Rose Depp), die in den Bann des Selbsthilfe-Gurus Tedros (Abel "The Weeknd" Tesfaye) gerät. Im Herbst spricht Sivan eine Rolle im neuen "Trolls"-Animationsfilm. Und ein neues Album sowie die Vorab-Single "Rush" erscheinen demnächst ebenfalls.
Troye, für die einen ist "The Idol" vor allem die neue Show des "Euphoria"-Machers, für die anderen die erste Serie von The Weeknd. Welcher dieser Aspekte war es, der Sie neugierig machte?
Beide, wenn ich ehrlich bin. Tatsächlich wusste ich auch anfangs gar nicht mehr über das Projekt als die Tatsache, dass die beiden sich das zusammen ausgedacht haben. Entsprechend neugierig war ich. Als sie sich meldeten, weil sie mich in Joel Edgertons Film "Der verlorene Sohn" gesehen hatten, habe ich deswegen sofort zugesagt.
Die Serie erzählt aus dem Leben eines Popstars. Wie bekannt kam Ihnen das alles vor?
Na ja, den einen oder anderen Moment gibt es schon, der mich an Dinge erinnert, die ich selbst erlebt habe. Und vor allem einige Dialoge kamen mir sehr bekannt vor. Aber alles in allem hat mein Leben nicht wirklich viel mit dem zu tun, was man in "The Idol" sieht. Worüber ich recht froh bin, ehrlich gesagt.

Troye Sivan in "The Idol" (Bild: Home Box Office)
Es geht natürlich auch darum, mit welchen Menschen man sich umgibt, wenn man berühmt wird. Fiel es Ihnen, der ja sehr jung den Durchbruch schaffte, schwer, nicht auf Abwege zu geraten?
Ich würde mal behaupten, dass ich eine ziemlich gute Menschenkenntnis habe und deswegen nicht so leicht auf Leute hereinfalle, die nicht mein Bestes wollen. Aber das Wichtigste ist sicherlich, dass in den vergangenen zehn Jahren meine Familie in Australien fest an meiner Seite stand. Dass ich nie diesen Bezug zu meinen Wurzeln und den Menschen, die mich lieben, verloren habe, war wirklich entscheidend, denn so habe ich nie den Boden unter den Füßen verloren und es gab immer jemand, der die richtige Perspektive von außen auf diesen ganzen Trubel hatte. So habe ich es dann scheinbar auch geschafft, mir wirklich wunderbare Menschen auszusuchen, mit denen ich zusammenarbeite und übrigens auch darüber hinaus gerne Zeit verbringe.
Apropos Australien: Fühlt sich das noch nach zuhause an?
Unbedingt. Wenn ich von meinem Zuhause spreche, dann meine ich immer Australien, nie Los Angeles. In der Regel versuche ich, mindestens die Hälfte des Jahres in Australien zu sein, auch wenn ich da gerade ein wenig im Rückstand bin. Zuletzt war das Verhältnis eher 70:30, wenn man das angesichts meiner vielen Reisen überhaupt so sagen kann. Gerade neulich erst war ich zum Beispiel in Berlin! Aber ich bin auf jeden Fall immer um den Jahreswechsel herum ein paar Monate down under und mindestens noch zwei weitere Male pro Jahr.
Der Wechsel vom Pop- zum Filmstar gelingt nicht immer. Müssen Sie dafür kämpfen, als Schauspieler ernst genommen zu werden?
Puh, das kann ich so gar nicht beantworten. Ich bin nicht immer der Beste darin, wirklich mitzubekommen, was andere so über mich sagen. Stattdessen mache ich lieber, worauf ich Lust habe. Und als jemand, der seiner Kreativität möglichst vielfältig Ausdruck verleihen will und immer nach neuen Herausforderungen sucht, war mir immer klar, dass ich auch vor der Kamera stehen möchte. Weder habe ich das Gefühl, mich für eine Sache entscheiden zu müssen, noch habe ich vor, mir von anderer Leute Erwartungen diktieren zu lassen, wohin mein Weg führt. Wenn dabei mal gehörig etwas schief geht und ich in einer Rolle richtig schlecht sein sollte, dann ist das eben so. Davon geht die Welt nicht unter und wenigstens ist es eine Lernerfahrung.
Im August ist es genau zehn Jahre her, dass Sie sich öffentlich mit einem Youtube-Video als schwul geoutet haben und damit zum Vorbild für sehr viele junge queere Menschen wurden. Nahm Ihr Leben danach den Verlauf, den Sie erwartet hatten?
Sicherlich nicht den, den ich erwartet hatte. Wenn dann eher den, auf den ich in meinen allerkühnsten Träumen gehofft hatte. Ich bin wirklich glücklich mit meinem Leben und blicke begeistert auf meine Entscheidung damals und die vergangenen zehn Jahre zurück. Und vielen Dank, dass Sie sagen, dass ich ein Vorbild für junge Menschen sei. Das ist bis heute etwas, was mir sehr wichtig ist.
|
Mehr queere Kultur:
» auf sissymag.de
16:10h, Sat.1:
Bohemian Rhapsody
Mit vier Oscars ausgezeichneter Publikumshit von Bryan Singer über die Geschichte von Queen und Freddie Mercury von ihren Anfängen bis 1985.
Spielfilm, USA 2018- 3 weitere TV-Tipps »
















TS kann sich alles leisten, was er will.
TS ist eine traumhafte Identifikationsfigur für alle Schwulen, auch für die, die tagtäglich ums nackte Überleben kämpfen müssen (nicht nur finanziell).
Menschen wie TS braucht die schwule Community.
vermoegenet.de/troye-sivan-vermoegen