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Baden-Württemberg

Reutlingen: Drei CSD-Teilnehmer*­innen bei Angriff leicht verletzt

Nach dem ersten Christopher Street Day in Reutlingen kam es am Samstagabend zu Pöbeleien und Gewalt. Die Neonazi-Partei "Der III. Weg" hatte im Vorfeld gegen die queere Demonstration mobilisiert.


Großer Erfolg: Am ersten CSD in Reutlingen nahmen etwa 1.000 Menschen teil (Bild: alexx_nickh / instagram)

Der erste Christopher Street Day in Reutlingen verlief doch nicht ohne Zwischenfälle. Wie die Polizei am Sonntag meldete, kam es nach der Demonstration zu einer gewalttätigen Auseinandersetzung und Pöbeleien.

Nach derzeitigen Erkenntnissen soll gegen 18.20 Uhr eine etwa fünfköpfige Personengruppe mit etwa sechs Personen, die die CSD-Veranstaltung im Bürgerpark verlassen hatten, "aneinander geraten" sein. Dabei kam es laut Polizeibericht unter anderem zu Faustschlägen. Auch sollen Stühle und ein Fahrrad geworfen worden sein. Drei Personen aus der Gruppe der CSD-Teilnehmer*­innen wurden bei dem Angriff leicht verletzt. Eine ärztliche Behandlung sei nicht erforderlich gewesen.

Drei mutmaßliche Angreifer konnten in Richtung ZOB flüchten. Die Polizei prüft eine Tatbeteiligung von zwei jungen Männern, die bei der Anzeigenaufnahme kontrolliert worden waren. Die Ermittlungen liefen derzeit in alle Richtungen, auch zur Möglichkeit eines homophoben Hass­verbrechens, sagte ein Polizeisprecher am Sonntag.

Pöbeleien von "Querdenker*innen"

Kurz zuvor war es bereits am Tübinger Tor zu einem Vorfall gekommen. Dort hatten sich gegen 18.15 Uhr "etwa 40 mutmaßlich dem Personenkreis der früheren, samstäglichen Demonstrationen gegen die staatlichen Coronamaßnahmen zuzuordnenden Personen" ohne vorherige Anmeldung versammelt, so die Polizei. "Aus dem Kreis dieser Gruppe heraus soll es zu Pöbeleien gegenüber Personen gekommen sein, die die Veranstaltung des CSD im Bürgerpark verließen." Eine Eskalation hätte durch die Beamt*innen vor Ort vermieden werden können, heißt es im Polizeibericht. Die Versammlung der "Querdenker*innen" löste sich gegen 19 Uhr selbstständig auf.

Statt den angemeldeten 500 kamen 1.000 Menschen zum CSD

Die erste Pride-Demonstration in Baden-Württembergs neuntgrößter Stadt stand unter dem Motto "Reutlingen ist BUNT". Gegen 13.30 Uhr versammelten sich etwa 800 Teilnehmer*innen am Listplatz. An dem etwa einstündigen Aufzug nahmen in der Spitze bis zu 1.000 Menschen teil. Sowohl der Aufzug als auch die anschließende Kundgebung und spätere Feier im Bürgerpark verliefen friedlich und ohne besondere Vorkommnisse.

Die Veranstalter*innen hatten nur mit etwa 500 Teilnehmer*innen gerechnet. "Ich bin überwältigt, wie viele Menschen mit uns den CSD gefeiert haben", erklärte Maximilian Berg vom CSD Reutlingen e.V. gegenüber dem SWR. "Gemeinsam mit all den Leuten für unsere Rechte einzustehen, ist einfach wundervoll."

Im Vorfeld hatte es in den sozialen Medien teils schwere Gewaltandrohungen gegen die queere Demonstration gegeben. Auch die Neonazi-Partei "Der III. Weg" hatte im Vorfeld gegen die angebliche "Homopropaganda" mobilisiert. (cw)

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#1 SebiAnonym
  • 11.06.2023, 15:03h
  • Es vergeht kaum noch ein CSD, ohne dass man von irgendwelchen Angriffen hört.

    Merkt die Politik wirklich nicht, wie sich Dinge immer mehr verschlechtern? Oder wollen sie daran gar nichts ändern?

    Wohin das führt, wenn man solche Zeichen nicht rechtzeitig ernst nimmt, hat man oft genug gesehen.
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#2 MagsAnonym
  • 11.06.2023, 16:54h
  • Antwort auf #1 von Sebi
  • Beim CSD in Rosenheim stand eine Dame am Rand und brüllte: "Ihr gehört alle kastriert und am nächsten Baum aufgehängt!"

    Die Polizei die direkt daneben stand hat gegrinst und lieber darauf geachtet, dass niemand von der Demo den Mittelstreifen übertritt, so dass der Gegenverkehr fließend durch kam. (Wir bekamen nur eine Fahrbahn für die Demo)

    Weitere Passanten zeigten den Mittelfinger o.ä.

    Willkommen im Jahr 2023!
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#3 Schon
  • 11.06.2023, 17:03hFürth
  • Antwort auf #1 von Sebi
  • Die nichtqueeren Menschen leben auf einem anderen Planeten. Die bekommen von der Gewalt gegen Queers nichts mit.
    Ich merke das immer wieder bei Gesprächen in meinem Bekanntenkreis und meinen Arbeitskollegen.
    Die fühlen sich eher genervt von der Regenbogenfahne (ich laufe seit dem 1. Juni konsequent mit Regenbogen-TShirts in der Arbeit rum, ohne Ausnahme).
    "Ihr habt doch schon alle Rechte" ist ein häufiger Satz. Ich meine dann häufig, dass ich gerne das Recht hätte, nicht zusammengeschlagen zu werden.
    Aktuelle Statistik: 48% der jungen Männer fühlen sich bei homosexuellen Triggern im Alltag belästigt.
    Oder ich erzähle, wie entsetzlich trans Menschen bei uns behandelt werden, obwohl sie niemanden was tun, selbst aber ein scheiß Leben hinter sich haben.
    Erzähle ihnen, wie hoch die Lebenserwartung von Trans ist.
    Da schauen meine Leutchen oft bedröppelt, bevor sie zur Tagesordnung über gehen.
    WIR müssen uns permanent den cis-Bürgern und UNSEREN Volksvertretern in Aufmerksamkeit halten. Ich schreibe bewusst UNSERE Volksvertreter, denn sie haben auch von uns den Auftrag, unsere Interessen zu vertreten.
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