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Interview

"Queere Menschen sollten sich ganz besonders mit Künstlicher Intelligenz auseinandersetzen"

Stuart Bruce Cameron, Gründer der queeren Job- und Karrieremesse STICKS & STONES, erzählt im Interview, wie Künstliche Intelligenz unsere (Arbeits-) Welt verändern wird.


Wir können den Kopf nicht in den Sand stecken: Künstliche Intelligenz wird unser Leben verändern, ob wir wollen oder nicht (Bild: freepik.com)
  • 14. Juni 2023, 08:23h 6 7 Min.

queer.de: Warum gilt Künstliche Intelligenz (KI) als ein so wichtiges Thema für das Arbeitsleben?

Stuart Bruce Cameron: Künstliche Intelligenz ist, spätestens seit ChatGPT gelauncht wurde, wirklich in aller Munde und aus der öffentlichen Debatte nicht mehr wegzudenken. KI ist besonders für das Arbeitsleben, Arbeitnehmende und Jobsuchende relevant. Denn laut Studien werden in Zukunft schätzungsweise drei Viertel aller Jobs davon betroffen sein.

In der Öffentlichkeit wird das Thema KI und Beruf gerade ja sehr kontrovers diskutiert. Denn neben allen Vorteilen gibt es Herausforderungen und Gefahren.

Zum einen hat KI auf den ersten Blick bequeme Vorteile: Sie kann monotone Aufgaben automatisieren und schafft so mehr Zeit und Kapazität für kreativere Tätigkeiten und Tasks. Durch das Analysieren enormer Mengen von Daten macht sie es möglich, tiefe Einblicke zu erhalten und fundierte Entscheidungen zu treffen. Außerdem macht sie Unternehmen wettbewerbsfähig, indem sie Raum für innovative Produkte und Services schafft.

Aber es gibt auch Kehrseiten. Besonders Fragen rund um den Datenschutz und das Wegfallen von Arbeitsplätzen stellen KI und unsere bisherige Arbeitswelt wirklich vor Herausforderungen und bergen immense Gefahren.

Warum sollten sich queere Menschen besonders mit dem Thema KI beschäftigen?

Queere Menschen sollten sich aus meiner Sicht ganz besonders mit KI auseinandersetzen. Zum einen, weil LGBTIQ+-Menschen wahrscheinlich besonders negativ von KI und ihren Auswirkungen betroffen sein können.

Das beginnt bei Bewerbungs- und Einstellungsprozessen, wenn diskriminierende Algorithmen Vorurteile und Muster reproduzieren und so Entscheidungen zum Nachteil von LGBTIQ+-Menschen beeinflussen. So können bestehende Barrieren für queere Menschen und Diskriminierung einfach von der KI übernommen und sogar verstärkt werden.

Deswegen sollten queere Menschen sich mit KI beschäftigen, um sicherzustellen, dass die Modelle gerecht und inklusiv sind. Durch ihr Engagement können sie dazu beitragen, diskriminierende Muster und Vorurteile zu erkennen und zu beheben.

Auf der anderen Seite ist die Verwendung von KI in der Arbeit sehr praktisch und zeitsparend für Mitarbeitenden: Durch Automatisierungen entlastet sie Mitarbeitende bei eintönigen Aufgaben und ermöglicht es ihnen, sich auf wichtigere Dinge zu konzentrieren. Die Zeitersparnis kann signifikant sein und hängt von den spezifischen Aufgaben ab, die automatisiert werden.

KI kann auch dabei helfen, große Mengen von Anfragen zu bearbeiten und Informationen effizient zu speichern, damit alle Menschen leicht darauf zugreifen können. Außerdem kann KI bei Entscheidungen helfen, indem sie relevante Informationen analysiert und Empfehlungen gibt.

Hoffnungsvoll stimmt mich persönlich auch das Potenzial von KI beim Empowerment unserer Community. Denn durch KI-gestützte Plattformen und soziale Medien können die Stimmen und Anliegen von LGBTIQ+-Personen gestärkt werden – wenn KI LGBTIQ+ sensibel gestaltet wird.


Für Stuart Cameron ist KI das Zukunftsthema (Bild: Stuart Bruce Cameron erstellt mit Midjourney)

Welche Rolle kann KI spielen, um die Arbeitsumgebung inklusiver zu machen?

Das ist für mich eine der wesentlichen Fragen. Denn KI bietet auch hier beinahe unbegrenzte
Möglichkeiten. Zum Beispiel können KI-basierte Technologien und Verfahren bei der
Personalbeschaffung eingesetzt werden, um menschliche Biases und Vorurteile zu umgehen und objektivere Entscheidungen bei Einstellungen zu treffen. So wird Diversitätsförderung bei Einstellungsentscheidungen aktiv berücksichtigt. LGBTIQ+-Menschen werden dann in Auswahlprozesse bewusst eingebunden und haben höhere Chancen auf eine Anstellung.

Ganz konkret kann KI eine inklusive Arbeitskultur zum Beispiel auch durch automatisierte Schulungen und Sensibilisierungsprogramme fördern. Diese können ausdrücklich und passgenau auf die Bedürfnisse und Anliegen von LGBTIQ+-Mitarbeitenden zugeschnitten sein und so Barrieren abbauen, Awareness bei Kolleg*­innen wecken und ein wertschätzendes Arbeitsumfeld auf Augenhöhe anregen.

Natürlich kann eine Schulung oder eine an sich LGBTIQ+-freundliche Kultur am Arbeitsplatz kein Versprechen dafür abgeben, dass es im Berufsalltag nicht zu Diskriminierungsfällen kommt. Denn queer­feindliche Einstellungen bei Kolleg*­innen kann auch KI nicht verhindern. Aber sie kann dafür genutzt werden, um unangemessenes und diskriminierendes Verhalten zu erkennen. So können Arbeitgebende schneller reagieren und queere Mitarbeitende vor Diskriminierung und Mobbing schützen.

Aus meiner Sicht sind das einige vielversprechende Aussichten, die Barrieren und Benachteiligung für LGBTIQ+-Menschen angehen und abbauen könnten. Und auch deswegen sollten wir als Community sicherstellen, dass wir den Einsatz von KI mitgestalten und uns aktiv einbringen. Denn sie ist für uns auch eine Chance!

Wie wird KI unser Leben in fünf oder zehn Jahren verändert haben?

Ich glaube, dass die Veränderungen durch KI unser Leben und unseren Alltag in den kommenden Jahren ganz entscheidend beeinflussen werden. Wir können heute nur einen Bruchteil des wirklichen Potenzials abschätzen.

Bisher war Sprache zum Beispiel eine riesige Barriere für viele Menschen – auch im Berufsleben. Mit KI-basierten Spracherkennungssystemen wird die Kommunikation durch Lösungen und smarte Übersetzungsprogramme zum Beispiel in internationalen Teams erleichtert und Hürden für alle Menschen abgebaut.

Schon heute begegnet uns KI ja in immer mehr Bereichen im Alltag. Manchmal merken wir das vielleicht gar nicht. Im Kund*­innenservice etwa, wenn virtuelle Assistent:­innen oder Chatbots uns auf Homepages Rede und Antwort stehen. Das wird in den kommenden Jahren noch umfassender umgesetzt werden und bestehende Angebote werden smarter auf Anforderungen und Bedürfnisse eingehen können. Innerhalb von Sekunden die Antwort und Auskunft erhalten, die man braucht, anstatt lange in der Warteschleife am Telefon zu hängen? KI wird das in den kommenden Jahren zur Normalität machen.

Auf der anderen Seite muss man aber auch ganz deutlich sagen, dass sich KI leider auch negativ auf unser Leben auswirken wird. Viele Arbeitsplätze könnten durch Automatisierung wegfallen. Das bedeutet, dass viele Menschen ihre Jobs verlieren könnten. Oder sich an neue Rollen anpassen müssen. Dies kann zu Ungleichheiten führen, wenn dadurch bestimmte Gruppen benachteiligt werden. Außerdem könnte der Einsatz von KI zu weniger sozialer Interaktion am Arbeitsplatz führen und Ethikfragen aufwerfen, da KI immer Zugriff auf (persönliche) Daten benötigt. Wie schlimm die Auswirkungen von KI sein werden, hängt vor allem von den Maßnahmen ab, die zur Begegnung dieser Herausforderungen ergriffen werden. Sie müssen sicherstellen, dass der Einsatz von KI verantwortungsvoll und gerecht erfolgt.

Bei der STICKS & STONES legt ihr einen Schwerpunkt auf KI. Worum geht es da
genau?


Wir möchten mit der STICKS & STONES die Entwicklungen in Zusammenhang mit KI nicht nur dieses, sondern auch in den nächsten Jahren verfolgen und begleiten. Dabei ist es unser Ziel, eine pragmatische und ermutigende Perspektive auf die Veränderungen und Chancen von KI im Job und der Karriere besonders für LGBTIQ+-Menschen zu legen. Und damit unsere Community zu empowern.

Deswegen legen wir für die Messe, die dieses Jahr am 1. Juli in der Verti Music Hall in Berlin stattfindet, den Schwerpunkt beim Vortragsprogramm ganz explizit auf das Thema Künstliche Intelligenz. Die Besucher*­innen erhalten dabei konkrete Einblicke und praktische Tipps, wie sie KI für sich nutzen können und wie wir als queere Menschen von ihr profitieren können.


Die Messe (Bild: Carolin Kadatz)

Um nur ein paar der Vorträge zu nennen: Stella Bailleux wird während ihres Vortrags "KI für den Traumjob: Wie Sie ChatGPT nutzen, um die perfekte Bewerbung zu schreiben" genau dazu ganz konkrete Anregungen geben. Wolfgang Brickwedde, Leiter des Institute of Competitive Recruiting, blickt auf Chancen von ChatGPT im Recruiting für Jobsuchende und Recruiter:­innen.

Unter dem Titel "Identity and Innovation in the World of AI" spricht Vicca Ariya dazu, wie die eigene und einzigartige Identität am Arbeitsplatz beim Lösen von Herausforderungen in der Welt der KI ein echter Gamechanger sein kann. Und Alix Lucas teilt persönliche Erfahrungen dazu, wie AI die eigene Coming-Out-Story transformiert hat.

Ich selbst werde mir so viele der KI-Vorträge auf den vier Stages der Messe wie nur möglich anhören und bin sehr auf den Input und die Diskussionen gespannt.

Hinweis: Die Teilnahme an der STICKS & STONES richtet sich an Schüler*­innen, Studierende, Absolvent*­innen sowie Berufstätige und ist für alle Besucher*­innen kostenlos. Die Tickets gibt's HIER.

STICKS & STONES

Europas größte LGBTIQ+ Job- & Karrieremesse findet am 01. Juli 2023 wieder in der Verti Music Hall in Berlin statt (10.00 bis 17.00 Uhr).
-w-

#1 Cynth_Anonym
  • 14.06.2023, 11:14h
  • Dieser KI-Hype-Artikel macht den fundamentalen Fehler, vorzugeben, Weiterbildung zum Thema KI sei lohnenswert.

    Dann nehmen wir doch die Behauptungen einfach mal beim Wort. Auf der Republica gab es nämlich einen sehenswerten Vortrag über KI:

    www.youtube.com/watch?v=3LIvHF-IX9Y

    Unangenehmer Nebeneffekt bei der näheren Beschäftigung mit KI bzw. Deeplearning-Mechanismen und sonstigen computergestützten Verfahren, Inhalte zu generieren, ist allerdings, dass regelmäßig der Bullshit-Detektor anspringt, wenn man oberflächlich-übertriebenes Zeug und unrealistische Versprechen darüber liest. Also z.B. einige der Dinge, die im Interview erzählt werden. Ich habe bei zu vielen der Sätze das Bedürfnis "Quelle bitte" zu schreiben und die starke Vermutung, dass es eine valide Quelle, die belegen könnte, dass und wie genau das funktioniert, nicht gibt.

    Fazit für mich: Wenn man ein Interview zu KI gibt, in dem man Leuten nahelegt, sich mit KI auseinanderzusetzen, hätte ich mir gewünscht, man hätte das vorher erstmal selbst getan.
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#2 RealIntelligenceAnonym
  • 14.06.2023, 13:07h
  • Was mich immer wieder zynisch auflachen lässt, ist die Argumentation, dass die Technologie jetzt da ist und wir nun lernen MÜSSEN mit ihr umzugehen. Als seien Technologien etwas außerhalb der menschlichen Kontrolle und Lebenswelt... Etwas Übermenschliches, das plötzlich existiert und unsere Welt verändern soll. So ein Schwachsinn. Ich könnte auch Socken aus Stahlwolle erfinden und in die Welt setzen und müssten wir dann alle lernen, damit umzugehen? Nein! Wir sollten endlich einmal damit beginnen, unseren gesunden Menschenverstand einzusetzen und nicht nur daran denken, wieviel Geld man (einige wenige) mit etwas scheffeln kann, denn um nichts anderes geht es. Es gibt KIs, die durchaus sinnvoll sind, in der Medizin beispielsweise sind sie eine Bereicherung. Aber KIs in Schulen und Universitäten zu Lehrzwecken einzusetzen, halte ich in einer Welt, die jetzt schon unglaubliche Probleme mit Propanda, Hass, Hetze, Hackerangiffen und Fake News im Zuge der Digitalisierung hat, für grob fahrlässig. Wir stellen fest, dass Bots das politische Weltgeschehen mitbestimmen, dass gerade rechte Kräfte dadurch enormen Zuwachs gewinnen und was machen wir? Genau, wir setzen noch eine Technologie ohne Werte- und Moralsystem in die Welt und haben bald eine noch mächtigere Nazi KI! Meine Güte, dieses ChatGPT ist doch nichts Neues. Sowas (in kleinem Format) wurde schon getestet und was kam dabei raus? Siehe "Tay"!!!
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#3 Kleiner EinwandAnonym
  • 14.06.2023, 21:29h
  • Antwort auf #2 von RealIntelligence
  • Ich halte diesen Passus hier für durchaus nachvollziehbar. Dabei geht es auch nicht, wie von dir behauptet, nur ums Geld scheffeln, sondern eher um - Sicherheit:

    »Zum einen, weil LGBTIQ+-Menschen wahrscheinlich besonders negativ von KI und ihren Auswirkungen betroffen sein können.

    Das beginnt bei Bewerbungs- und Einstellungsprozessen, wenn diskriminierende Algorithmen Vorurteile und Muster reproduzieren und so Entscheidungen zum Nachteil von LGBTIQ+-Menschen beeinflussen. So können bestehende Barrieren für queere Menschen und Diskriminierung einfach von der KI übernommen und sogar verstärkt werden.«

    Heißt für mich: Das Damitbefassen ist für "uns" nicht ganz freiwillig, sondern weil wir notfalls wissen sollten, was der Feind (und der ist mittlerweile zahlreich und global vernetzt) an Werkzeugen nutzt/missbraucht, um gegen uns vorzugehen.
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