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Pew Research Center
Weltweite Umfrage: Zwischen 2 und 92 Prozent unterstützen die Ehe für alle
Global gibt es Riesenunterschiede in der Akzeptanz sexueller Minderheiten – Deutschland steht vergleichsweise gut da.

Mit der Akzeptanz gleichgeschlechtlicher Liebe gibt es in vielen Ländern, insbesondere in Afrika und Asien, noch erhebliche Probleme (Bild: freepik.com)
- 14. Juni 2023, 12:03h 3 Min.
Die Ehe für alle ist jetzt in mehr als 30 Ländern weltweit legal. Doch in vielen Weltregionen lehnt immer noch ein großer Anteil der Bevölkerung die Gleichbehandlung kategorisch ab. Das geht aus einer neuen Analyse des in Washington, D.C. beheimateten Pew Research Center hervor, die am Dienstag veröffentlicht wurde. Die Meinungsforscher*innen haben dabei zwischen Februar und Mai Bürger*innen aus 24 Ländern weltweit befragt, ob sie gleiche Rechte im Ehe-Recht befürworten oder ablehnen.
Das Ergebnis: Am höchsten ist die Zustimmung in Schweden. Dort befürworten 92 Prozent die Ehe für alle. Am intolerantesten ist hingegen die Bevölkerung des 213 Millionen Einwohner*innen zählenden afrikanischen Landes Nigeria – dort sprechen sich lediglich zwei Prozent für die Gleichbehandlung aus.

Nur die rot eingefärbten Länder haben gleichgeschlechtliche Paare im Ehe-Recht gleichgestellt (Bild: Human Rights Campaign)
Am wenigsten Probleme mit der Ehe für alle gibt es im westlichen Europa sowie Australien und Japan, auch im amerikanischen Doppelkontinent zeigt die Umfrage in vielen Ländern eine deutliche Mehrheit auf. Eine knappe Mehrheit im seit kurzem bevölkerungsreichsten Land Indien (53 Prozent) unterstützt ebenfalls die Ehe für alle – dort werden gleichgeschlechtliche Paare gegenwärtig noch nicht anerkannt, Homosexualität wurde erst vor rund fünf Jahre legalisiert (queer.de berichtete).
In Deutschland liegt die Zustimmungsquote bei 80 Prozent. Damit liegt die Bundesrepublik hinter Ländern wie den Niederlanden (89 Prozent), Spanien (87 Prozent) und Frankreich (82 Prozent), aber vor Italien (74 Prozent) und Großbritannien (73 Prozent).
In Osteuropa hängen dagegen viele noch am Ehe-Verbot für gleichgeschlechtliche Paare: So liegt die Zustimmungsquote in den beiden autoritär regierten Staaten Polen und Ungarn nur bei 41 bzw. 31 Prozent. Immerhin: In beiden Ländern nahm sie im Vergleich zu einer Pew-Umfrage aus dem Jahr 2016 zu – in Polen um neun Prozentpunkte, in Ungarn um vier Prozentpunkte.

Mit Ausnahme von Südafrika gibt es in allen Ländern, die die Ehe bereits geöffnet haben, eine Mehrheit für die Gleichbehandlung. Von den Ländern, die bislang ab Ehe-Verbot festhalten, zeigt sich die Bevölkerung von Japan und Italien am tolerantesten (je 74 Prozent Zustimmungsrate).
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Zustimmung bei Jüngeren, Frauen und Linken höher
Die Zahlen zeigen auch, dass insbesondere Jüngere und Frauen die Gleichbehandlung befürworten, Ältere und Männer aber oft mehr Probleme haben. In Polen setzen sich etwa 61 Prozent der 18- bis 39-Jährigen für die Ehe für alle ein, aber weniger als die Hälfte (30 Prozent) der über 40-Jährigen. In Australien ist die Diskrepanz zwischen der Zustimmung von Frauen (83 Prozent) und Männern (67 Prozent) am höchsten.
Auch die eigene Einordnung als links oder konservativ spielt eine große Rolle in der Zustimmungsrate. Das ist besonders extrem in den USA: Dort sind 90 Prozent der Linksliberalen für die Ehe für alle, aber nur 36 Prozent der Konservativen. Menschen in den befragten Ländern, die sich als politisch in der Mitte einordnen, liegen mit wenigen Ausnahmen genau zwischen Linken und Rechten. In Deutschland ist der Unterschied relativ moderat: 86 Prozent der politisch Linken sind für die Ehe für alle, 80 Prozent der Menschen in der Mitte, aber immerhin auch 74 Prozent der Konservativen oder Rechten. In keinem der befragten Länder sind Ältere, Männer und Rechte statistisch signifikant toleranter als Jüngere, Frauen und Linke. (dk)
















