Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?45952

Kanada

Großeltern halten 9-jährige Mitschülerin für trans – und rasten über Teilnahme am Schulsport aus

Krista und Josef Tesar sollen transphob ausgeflippt sein, weil sie ihre Enkelin beim Leichtathletik-Wettkampf gegen ein vermeintliches trans Mädchen im Nachteil sahen. Attackiert und angeschrien wurden die Athletin und dessen Mütter.


Wer hier so nett in die Kamera lächelt, kann auch anders: Die Kanadier*innen Krista und Josef Tesar
  • 15. Juni 2023, 13:26h 6 4 Min.

Die Welle transfeindlicher Berichterstattungen, Kommentare und Gesetze insbesondere im englischsprachigen Raum wirkt sich laut Expert*­innen in Form von Angriffen auf und Straftaten gegen trans­geschlechtliche Menschen aus. Und: Auch Menschen, die nur für trans gehalten werden, ohne es zu sein, geraten zunehmend ins Visier. Erst kürzlich berichteten wir über einen 30-jährigen Iren, den ein Gericht in Dublin ins Gefängnis schickte, weil er eine 86-jährige, demente, cisgeschlechtliche Frau aus transfeindlichen Motiven beinahe totgeprügelt hatte.

Auch die US-Kontroverse um die Teilnahme trans­geschlechtlicher Mädchen am Mädchensport zieht inzwischen ähnliche Vorfälle nach sich. In Kanada soll ein Rentner*­innen-Ehepaar nun bei einem Leichtathletik-Event der Schule seiner Enkelin ausgeflippt sein. Der Grund: Seiner Meinung nach hatte eine andere Teilnehmerin wohl ein zu burschikoses Auftreten, um ein "echtes" Mädchen sein zu können. Der Premierminister der Provinz verurteilte die Attacke.

Hass an Pixie-Cut entzündet

Der Vorfall soll sich in der 130.000-Einwohner*innen-Stadt Kelowna in British Columbia im Westen Kanadas ereignet haben. Wie lokale sowie auch internationale Medien in den Vereinigten Staaten und Großbritannien berichten, sollen ein Mann und eine Frau namens Josef und Krista Tesar ein 9-jähriges Mädchen angeschrien und ihm vorgehalten haben, ein Junge beziehungsweise transgeschlechtlich zu sein. Aus dem Grund hätten die beiden Großeltern vor Ort versucht, den Wettkampf zu stoppen.

Das Mädchen sei gerade dabei gewesen, sich für die finale Runde beim Weitwurf vorzubereiten, als die Attacke losging. Seine Wurfversuche soll es im Anschluss daran unter Tränen bestritten haben. Laut Mutter Heidi Starr sei das Kind in Tränen aufgelöst gewesen.

Womöglich mit ein Grund für die queerfeindliche Attacke: Das Mädchen hat zwei Mütter, die auch beide beim Event anwesend waren. Und: Es trägt einen Pixie-Cut, also eine Kurzhaarfrisur. Zwar sind transgeschlechtliche Mädchen nicht gerade bekannt dafür, kurze Haare zu bevorzugen. Allerdings haben transfeindliche Übergriffe ja sowieso weniger mit den dabei Betroffenen und mehr mit den Täter*innen und ihren sehr subjektiven Eindrücken zu tun.

Begonnen habe die Attacke, wie es heißt, indem die Frau die beiden Mütter attackiert habe. Sie und andere Eltern transgeschlechtlicher Kinder seien Genitalverstümmler*innen, "Groomer" und Pädophile. Der Mann soll ein Zertifikat verlangt haben, das "beweise", dass das Mädchen als Mädchen geboren worden sei.

In einer anderen Variante der Geschichte heißt es, der Mann habe in dem Moment zu schreien begonnen, als das Mädchen gerade zum finalen Weitwurf angetreten sei. "Hey, das hier ist ein Mädchenwettkampf, warum lassen Sie einen Jungen antreten?" soll er in Richtung der Mütter gebrüllt haben. Im weiteren Verlauf soll Josef Tesar noch auf ein weiteres Mädchen gezeigt haben, dessen Haare ihm demnach wohl gleichsam zu kurz vorkamen. Auf Widerspruch anwesender Erwachsener hin habe er gesagt: "Na gut, wenn sie kein Junge ist, dann ist sie offensichtlich trans".

Schließlich hätten Mitarbeiter*innen interveniert und die Angreifer*innen fortgeführt. Das attackierte Mädchen habe, wie es eine der beiden Mütter weiter berichtet, auch im Anschluss an den Wettbewerb nicht aufhören können, zu weinen.

Großeltern bestreiten Tat, Premierminister mischt sich ein

Josef Tesar soll nun, wie Medien berichten, ein Hausverbot für Veranstaltungen der Grundschule erhalten haben. Einem Lokalmedium gegenüber bestritt Tesar die Vorwürfe gegen sich allerdings. Er sei gerade dabei gewesen, seiner Enkelin zuzusehen, als er ein Kind bemerkt habe. Von dem habe er dann gedacht, dass es ein Junge gewesen sei, der gerade dabei war, anzutreten.

Daraufhin will Tesar zu einem Wettbewerbsleiter gegangen und im Privaten gefragt haben, ob das Event gemischtgeschlechtlich sei. Auf die Antwort, dass es ein Mädchenwettbewerb sei, habe er geantwortet, dass er glaube, dass gerade ein Junge antrete. "Ich habe das Mädchen niemals angeschrien", so Tesar.

Auf dem Rückweg will er dann seinerseits von einer der Mütter des Kindes angeschrien, beschimpft und danach gefragt worden sein, ob er das Mädchen nackt oder seine Genitalien sehen wolle. Daraufhin habe Tesar nur geantwortet, dass ihm ein Zertifikat reiche.

Auch auf ein anderes Mädchen habe der Großvater nie gezeigt und dessen Transgeschlechtlichkeit behauptet: "Das ist auch eine große Lüge!" Dem Lokalmedium teilte Tesar zudem mit, dass er glaube, dass die beiden Mütter versuchten, eine "Agenda" zu erfüllen. Auch seine Ehefrau bestritt die Darstellungen ihres Verhaltens gegenüber dem Lokalmedium Castanet.

Der Vorfall bewegte sogar höchste Stellen der kanadischen Provinz. Der Premierminister von British Columbia, David Eby, verurteilte die Attacke via Twitter.

/ Dave_Eby | Der Premierminister von British Columbia auf Twitter

"Das ist schrecklich. Diese Art von Hass ist nicht akzeptabel oder willkommen in British Columbia", schrieb er. "Lasst uns Transphobie weiterhin zurechtweisen, wenn wir sie sehen. Hass verletzt jeden. Und lasst uns mit diesem Mädchen und mit jedem zusammenstehen, der allein dafür ins Visier genommen wird, er selbst zu sein." (jk)

-w-

#1 LuubAnonym
  • 15.06.2023, 16:17h
  • Der Hellblonde Opa und seine braungebrannte Frau sollten sich was schämen...
  • Direktlink »
#2 Redditorin im StreikAnonym
  • 15.06.2023, 17:34h
  • Ist wirklich die Frage wer dabei welche Agenda erfüllen wollte....

    Schon ekelhaft, dass dann auch noch alles wieder abgestritten und verharmlost wird, anstatt einen Fehler einzusehen und sich aufrichtig zu entschuldigen.
  • Direktlink »
#3 Uwe MehringerAnonym
  • 15.06.2023, 19:20h
  • Antwort auf #2 von Redditorin im Streik
  • Anscheinend sind die beiden von dem Schulgelände verwiesen worden, da nützt es auch nichts mehr, alles abstreiten zu wollen.

    Deshalb halte ich eine Entschuldigung der beiden genauso wertvoll wie beidseitig benutztes Toilettenpapier.
  • Direktlink »