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Ungarn
Schwuler US-Botschafter in Ungarn kritisiert queerfeindliche Politik
Der Menschenrechtsanwalt David Pressman ist seit September 2022 neuer US-Botschafter in Ungarn. Bei einer Rede am Freitag zum Pride-Auftakt in Budapest sprach der Diplomat Klartext über die Anti-LGBTI-Politik von Viktor Orban.

Der neue US-Botschafter David Pressman ist für die ungarische Regierung eine Provokation (Bild: U.S. Embassy in Hungary)
- 17. Juni 2023, 04:37h 2 Min.
Der US-Botschafter in Ungarn hat die queerfeindliche und "opportunistische" Politik von Ministerpräsident Viktor Orban kritisiert. "LGBTQ-Menschen werden auf der ganzen Welt angegriffen, auch in Ungarn", sagte der Diplomat David Pressman am Freitag zum Auftakt des Pride-Monats in Budapest. "Wir glauben, dass Gewalt und homophobe Politik auf Opportunismus und nicht auf Überzeugungen zurückzuführen sind, aber sie richten trotzdem Schaden an", erklärte der frühere Menschenrechtsanwalt.
/ USAmbHungary | In der vergangenen Woche lud Pressman queere Aktivist*innen in die Botschaft eimAs we enter a season of celebration of the #LGBT community, we recognize those working to advance the visibility, equality, and human rights of all Hungarians. Daniel and I enjoyed gathering a diverse group around our dinner table for an interesting and informative discussion. pic.twitter.com/RVVKvqLoOJ
Ambassador David Pressman (@USAmbHungary) June 8, 2023
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Der 46-jährige Pressman, der offen schwul und seit September US-Botschafter in Ungarn ist, zog mit seinem Ehemann und seinen beiden Söhne nach Budapest. Nominiert wurde er von US-Präsident Joe Biden. Die ungarische Regierung hat er schon mehrfach kritisiert. Am Freitag forderte er die von der Regierung "kontrollierten" ungarischen Medien auf, über seine "gesamte" Rede zu berichten.
Immer neue und schärfere Gesetzen gegen LGBTI
Ungarn war einst eines der liberalsten Länder in der Region. Homosexualität wurde bereits Anfang der 1960er Jahre entkriminalisiert, gleichgeschlechtliche Partnerschaften wurden 1996 anerkannt. Seit 2018 drängt Orban, der sein Land als "christliches Bollwerk" in Europa sieht, mit immer schärferen Gesetzen Freiheiten zurück. Seine Regierung verbot unter anderem den Forschungsbereich Gender Studies, die rechtliche Anerkennung von Geschlechtsanpassungen im Personenstandsregister und die Adoption durch gleichgeschlechtliche Paare.
Nach russischem Vorbild wurde 2021 vom ungarischen Parlament zudem ein Gesetz gegen "LGBTI-Propaganda" beschlossen (queer.de berichtete). Es verbietet die Darstellung von queeren Menschen sowie die Berichterstattung über LGBTI-Themen in den Medien und an allen Orten, an denen sich Minderjährige aufhalten könnten, also fast überall. Die Europäische Kommission hat wegen dieses Gesetzes ein Vertragsverletzungsverfahren eingeleitet, das von 15 EU-Ländern unterstützt wird (queer.de berichtete).
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Nach heftigem Protest hatte Ungarn Ende Mai zumindest sein queerfeindliches Whistleblower-Gesetz überarbeitet. Das Parlament in Budapest strich eine Passage, die es Bürger*innen ermöglichen sollte, anonym Menschen zu melden, welche die Rolle von Ehe, Familie und Geschlecht "in Frage stellen" (queer.de berichtete). (mize/AFP)

















Respekt nicht nur der Worte wegen. Als offen Schwuler mit seiner Familie in Ungarn zu leben und zu arbeiten ist sicherlich kein Traum.
Da funkelt das von Amerika auf, was inspirierend und erfreulich beeindruckend ist.