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Medien
Presserat rügt transfeindlichen "Cicero"-Artikel
Im Januar berichtete das rechte Magazin "Cicero" über Kritik am geplanten Selbstbestimmungsgesetz und warnte vor einer "Translobby", die "hochaggressiv bis militant" agiere. Nun wurde die Redaktion vom Deutschen Presserat wegen einer falschen Tatsachenbehauptung gerügt.

Das rechte Magazin "Cicero" macht seit Monaten Stimmung gegen die Rechte von trans Menschen. Hier ein Ausschnitt aus dem Cover der Ausgabe August 2022 mit dem Aufmacher "Die Trans-Mission. Was der Kulturkampf ums Geschlecht für Folgen hat"
- 17. Juni 2023, 09:26h 2 Min.
Der Deutsche Presserat hat gegen das konservative Magazin "Cicero" eine Rüge wegen eines Verstoßes gegen die Sorgfaltspflicht nach Ziffer 2 des Pressekodex ausgesprochen. Darüber informierte das Selbstkontrollgremium am Freitag in einer Pressemitteilung.
Die "Cicero"-Redaktion hatte am 22. Januar 2023 online unter der Überschrift "Frauen wehren sich gegen Hass und Hetze" (Bezahlartikel) in einem Kommentar über Kritik am geplanten Selbstbestimmungsgesetz berichtet. In einer Passage des Artikels hieß es, das "Nein heißt Nein"-Postulat emanzipierter Frauen solle nach der gesetzlichen Regelung nicht für trans Personen gelten. Hierin sah der Presserat laut seiner Mitteilung eine "falsche Tatsachenbehauptung".
Viele weitere transfeindliche Passsagen
Der Text von Jens Peter Paul erhielt allerdings viele weitere Passagen, die mit dem Pressekodex kaum vereinbar sind (queer.de berichtete). So warnte der Autor vor der angeblich gefährlichen "Transsexuellen-Lobby" und charakterisierte ARD und ZDF als "Exekutivorgan der Translobby". Die öffentlich-rechtlichen Sender wollten mit "dem Mittel der Verleumdung und der Zerstörung" die materielle Existenz von Frauenrechtlerinnen zerstören, die sich gegen die Selbstbestimmung von trans Menschen aussprechen.

Der "Cicero-Tweet" zum Hetzartikel
Diese queere "Lobby" agiere "hochaggressiv bis militant", beklagte "Cicero", zudem rückte er die Ampelregierung wegen ihrer Unterstützung von LGBTI-Rechten in die Nähe der Diktatur aus George Orwells Roman "1984": "Krieg ist Frieden, Unwissenheit ist Stärke und – [Bundesfamilienministerin] Lisa Paus sei Dank – Mann ist Frau", heißt es etwa. Zudem sprach der Autor von "vermeintlich unterdrückten Transpersonen".
Beschwerdeführer begrüßt Rüge
Der queere Aktivist Sebastian Kropp, der die Beschwerde gegen "Cicero" eingereicht hatte, begrüßte die Entscheidung des Presserats. Er kenne zwar noch nicht die detaillierte Begründung, könne aber sagen, "dass das als großer Erfolg für alle trans Personen bezogen auf die mediale Berichterstattung über diese gewertet werden kann", so der Vorsitzende der SPDqueer Oberfranken gegenüber queer.de. "Das zeigt: es lohnt sich, gegen Hass und Hetze – auch in der Berichterstattung – vorzugehen."
Im Vorfeld sei ihm von vielen gesagt worden, dass eine Beschwerde vor dem Presserat reine Zeitverschwendung sei. "Das Ergebnis zeigt: Es war keine Zeitverschwendung", sagte Kropp. "Ich möchte die Community dazu aufrufen, wann immer Hass und Hetze – auch in Medien – verbreitet werden: Nutzt eure demokratischen Mittel und wehrt euch dagegen!" (mize)
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