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Biografie
Thomas Mann: Am Meer verliebte er sich in junge Männer
Zeit seines Lebens war das Meer für Thomas Mann ein geradezu mystischer Ort. In seinem neuen Buch "Mann von Meer" würdigt Volker Weidermann die besondere Beziehung des schwulen Schriftstellers zur See als Ort der Sehnsucht und Freiheit.

Thomas Mann (1875-1955) war einer der bedeutendsten Erzähler des 20. Jahrhunderts (Bild: Los Angeles Daily News / wikipedia)
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18. Juni 2023, 01:55h 5 Min.
Das Werk Thomas Manns übt seit jeher eine gewaltige Faszination aus. Insbesondere auf diejenigen, die sich im Bereich der Literaturwissenschaft und der Literaturkritik betätigen. In dieser Tradition bewegt sich auch Volker Weidermann, der in seinem neuen Buch "Mann vom Meer" (Amazon-Affiliate-Link ) über die Beziehung des Nobelpreisträgers zum Wasser – genauer zum Meer – schreibt. Zeit seines Lebens ist das Meer für Mann ein geradezu mystischer Ort. Ein Ort der Sehnsucht und der Freiheit. Am Meer traut er sich, seine heterosexuellen Fassaden ein wenig fallen zu lassen, erlaubt sich, sich in junge Männer zu verlieben.
Thomas Manns Homosexualität ist heute kein Geheimnis mehr. Während er sie zeitlebens wohl nie ausleben konnte, hat er sie unterschiedlichen Figuren in vielen seiner Werken immer wieder zugeschrieben. Unser Autor Erwin In het Panhuis hat einen sehr lesenswerten und ausführlichen Beitrag über Manns "verschwurbeltes Coming-out" geschrieben. Die sexuelle Orientierung des Schriftstellers findet zwangsläufig etwas weniger Platz in "Mann vom Meer", die motivische Leitlinie der Lebenserzählung ist ja schließlich das Meer.
Leben als Material
Angefangen bei der Kindheit von Thomas Manns Mutter Julia in Brasilien erzählt "Mann vom Meer" chronologisch das Leben des Schriftstellers nach. Die großen Stationen bilden natürlich die Veröffentlichungen der bekannten Romane und Erzählungen. Dabei ist es durchaus spannend, der Untersuchung des Meeresthema zu folgen, das Leben Thomas Manns entlang der Meereslinie aufgeklappt zu sehen. Für eingeschworene Thomas-Mann-Fans ist es sicher eine nette Lektüre, die dann aber auch nicht so furchtbar viel Neues liefert, dafür dann aber etwas zu ausführlich plaudernd ist.
"Mann vom Meer" schlägt ganz unaufgeregt und wie nebenbei in die Kerbe der Autofiktion und zeigt auf, wie sehr Mann immer wieder sein eigenes Leben und das seiner engen Familienmitglieder in Literatur verwandelte. Auch das ist bei weitem kein Geheimnis, ab einem gewissen Niveau an Berühmtheit war es auch den Familienmitgliedern klar, dass sie ihr Leben nicht nur für sich lebten, sondern auch als Material für die Literatur. Es würde zu weit gehen, Thomas Mann als autofiktionalen Erzähler zu bezeichnen, doch fügt "Mann vom Meer" sich mit den Beobachtungen dazu, wie Mann Leben in Literatur verwandelte, sehr angenehm in aktuelle Diskurse ein.
Es ist ebenfalls sehr zu begrüßen, dass Weidermann sich von der Tradition der Thomas-Mann-Biograf*innen löst und nicht erneut das Bild des (literarischen) Zauberers bemüht. Statt eine zentrale Metapher für den Schriftsteller und seine Rolle zu finden, hangelt sich "Mann vom Meer" eben an einer roten Linie entlang, die das Leben und Werk in Form der Leitbildes "Meer" durchzieht. Da dieser Perspektivwechsel die ausgemachten Fans wohl nur milde umhauen wird, scheint sich Weidermanns Buch eher an diejenigen zu richten, die nicht bereits ausführlich mit Thomas Manns Werk vertraut sind. Dann dürften zum Beispiel die Ausführungen über die Parallelitäten zwischen dem Leben der Familie Mann und den Romanfiguren umso mehr Freude bereiten.
Zwischen Sehnsucht und Selbstverleugnung

"Mann vom Meer" ist am 7. Juni 2023 im Verlag Kiepenheuer&Witsch erschienen
Neben dem Meer zeichnet Weidermann das Leben nicht nur Thomas Manns, sondern eigentlich der gesamten Familie Mann als einen Stammbaum der Selbstverleugnung. Auf der einen Seite steht die Weite des Meeres, die eine Hoffnung auf Freiheit und den Wunsch, den eigenen Gefühlen folgend leben zu können; auf der anderen Seite sind es aber die gesellschaftlichen Zwänge und Erwartungen, die immer wieder den Leitsatz "Verleugne dich selbst" ins Leben der Manns schneiden lassen. Thomas Manns Mutter Julia spricht ihn aus, als sie sich der bürgerlichen Ehe unterwirft. Sein Bruder Heinrich kämpft dagegen an, als er in die Fußstapfen seines Vater treten soll. Thomas selber verleugnet ein Leben lang die eigene sexuelle Identität.
Trotz dieser großen Themen und deren potentieller Schwere schafft "Mann vom Meer" es, angenehm im Kleinen zu bleiben. Von der gewissen literaturwissenschaftlichen Nerdigkeit, überhaupt noch eine Biografie über Thomas Mann zu schreiben, einmal abgesehen, ist die einzige Schwäche des Buches seine immer wieder sehr bemühte sprachliche Künstlichkeit.
Volker Weidermann hat ganz offensichtlich aufwendig recherchiert. Er montiert Ausschnitte aus dem literarischen Werk Thomas Manns, aus dessen Tagebüchern, sowie aus den Schriften der anderen Familienmitglieder, und schließlich seine eigene erzählende Biographie. Während diese Verbindung durchaus stilistisch gekonnt gearbeitet ist, die Versatzstücke fügen sich gut und nahtlos ineinander, schafft Weidermanns Herangehensweise zwangsläufig eine gewisse widerständige Künstlichkeit. Das Bemühen, auch in der sprachlichen Form nah an Mann heranzutreten, produziert eine zuweilen sehr manieriert wirkende Kunstsprache, die im schlimmsten Fall recht verquer daherkommt und sich dem Lesen geradezu widersetzt.
"Mann vom Meer" ist eine schöne und angenehme Lektüre, am besten direkt für den Strand. Weder ist das Buch Expert*innenliteratur noch eine Einführung für Mann-Anfänger*innen – wenn es wohl eher für zweitere Gruppe spannend sein dürfte. Wer Lust hat, zusammen mit Thomas Mann sehnsüchtig übers Meer zu schauen, wird auch trotz der sprachlichen Hindernisse Freude mit diesem Buch haben können.
Volker Weidermann: Mann vom Meer. Thomas Mann und die Liebe seines Lebens. 240 Seiten. Kiepenheuer&Witsch. Kölmn 2023. Gebundenes Buch: 23 € (ISBN 978-3-462-00231-7). E-Book: 19,99 €
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Genau wie der große Komponist Peter (Pjotr Iljitsch) Tschaikowski.
Eine scheußliche Zeit, die hier vorbei ist, die es aber in Russland oder beim Orban usw. noch heute gibt.
Auch die ach so Frommen hetzen gegen alle queeren Menschen.
Thomas Mann schrieb auch die Novelle "Der Tod in Venedig".
Gustav Aschenbach hat sich am Strand von Venedig in einen jüngeren schönen Knaben verliebt usw.
Ich habe vor vielen Jahren den Film gesehen.
In meinem streng kath. Gymnasium wurde im Deutschunterricht auch Thomas Mann besprochen, "Buddenbrooks" usw., aber NICHTS davon, dass Thomas Mann schwul war.
Leider leben die Nonnen/Franziskanerinnen alle nicht mehr (seit dem Abi sind es schon über 40 Jahre her), dass sie leider die Homo-Ehe nicht mehr erlebt haben!
Ich hätte ihnen gegönnt, sich sehr zu echauffieren.
:-))