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Wie kam es zur ersten Serie mit einer inter Hauptfigur?
"About Sasha" von Yaël Langmann ist nicht nur eine der schönsten Coming-of-Age-Serien der letzten Jahre, sondern auch die erste, in der eine intergeschlechtliche Person im Mittelpunkt steht. Wir trafen die Autorin und Regisseurin zum Interview.

Auf der Suche nach Identität: Angèle Metzger spielt Sasha in "About Sasha" (Bild: Jerico tv / France Télévisions)
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18. Juni 2023, 03:33h - 4 Min.
Mit "About Sasha" ist seit kurzem eine der schönsten Coming-of-Age-Serien der letzten Jahre bei Disney+ zu sehen. Aufgewachsen als Junge, erfährt Sasha (Angèle Metzger), dass die vielen Operationen in der Kindheit der Tatsache geschuldet waren, in einen – wie es die Ärzt*innen nennen – intergeschlechtlichen Körper geboren worden zu sein. Nach einem Umzug mit der Familie aus Paris in die Provinz will die 17-Jährige als Mädchen wahrgenommen werden. Doch das Finden der eigenen Identität erweist sich als ein Prozess, der nicht von heute auf morgen abgeschlossen ist. Zumal die üblichen Teenager-Befindlichkeiten – von Cliquen-Dynamiken, hormonell aufgeladenem Verliebtsein und Dauerreibereien mit den Eltern – die Sache nicht unbedingt erleichtern.
Wir konnten der Regisseurin und Drehbuchautorin Yaël Langmann, die dieses enorm feinfühlige, atmosphärische und 2022 beim Festival "Series Mania" als beste französische Serie prämierte Kleinod zu verantworten hat, ein paar Fragen stellen.

Drejbuchautorin und Regisseurin Yaël Langmann (Bild: Unifrance)
Yaël, was hat Sie zu der Geschichte von "About Sasha" inspiriert?
Das waren ehrlich gesagt die Erinnerungen an einen engen Jugendfreund von mir. Wir waren Teenager in den 1990er Jahren in Frankreich, und er war ein selbstsicherer junger Schwuler, der geoutet war, wusste, wer er ist, und angefangen hatte, auch mal als Dragqueen aufzutreten. Dann erfuhr er mit 17 Jahren, dass ihm die Identität als Junge aufgedrückt worden war, weil er eigentlich inter war, wie wir heute sagen würden. Damals gab es noch nicht einmal das Wort intergeschlechtlich. Plötzlich stürzte sein ganzes Selbstbild in sich zusammen. Ihm wollte ich in gewisser Weise ein Denkmal setzen, wenn auch mit einer Geschichte, die heute spielt und viel Hoffnung in sich trägt.
Die Serie geht sehr umsichtig, facettenreich und vor allem klischeefrei mit dem Thema um. Hatten Sie als cis Frau diesbezüglich irgendwelche Berührungsängste?
Nicht Berührungsängste, aber natürlich wollten meine Produzentin Clara Laplace und ich von Anfang an sichergehen, dass wir so viel wie möglich über das Thema wissen und keinen Quatsch erzählen. Noch bevor ich die einzelnen Episoden zu Papier brachte, setzte ich mich deswegen mit dem Collectif Intersexe Activiste in Verbindung, einer tollen Selbsthilfe- und Aktivist*innen-Gruppe in Frankreich. Ich dachte eigentlich, dass ich mich mit dem Thema Intergeschlechtlichkeit ganz gut auskenne, doch in unseren Gesprächen merkte ich schnell, dass davon eigentlich keine Rede sein konnte. Durch diese tolle Truppe um Lysandre Nury – übrigens auch Teil des Ensembles von "About Sasha" – wirklich dazuzulernen und meinen Horizont erweitern zu können, war eine bewegende Erfahrung.
Ohne das Mitwirken der Organisation hätte es die Serie also nicht gegeben?
Ich denke nicht, nein. All die persönlichen Erfahrungen, die diese Menschen so freimütig und großzügig mit uns teilten, sind miteingeflossen in die Serie, auch wenn wir natürlich eine sehr individuelle, fiktionale Geschichte erzählen. Empathie allein hätte nicht gereicht, um dem Thema wirklich gerecht zu werden. Und die sehr wenigen Dokumentationen, die es gibt, sowie all die medizinische, mitunter etwas fetischisierende Fachliterazur waren auch nur sehr bedingt eine Hilfe.
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Gab es auch Bedenken, ob Sie und Ihre Hauptdarstellerin die richtigen Personen sind, um eine solche Geschichte zu erzählen?
Zu Beginn gab es hier und dort ein paar Stimmen, die es als Anmaßung empfanden, dass wir diese Serie planten, und drohten, das Projekt zu boykottieren. Ich habe das auch gut verstanden, denn die Frage, wer welche Geschichten erzählt, vor und hinter der Kamera, werden dieser Tage zu Recht diskutiert. Repräsentation, Authentizität – all diese Dinge sind wichtig. Gleichzeitig sollte es in einer idealen Welt natürlich die künstlerische Freiheit geben, dass sich jeder Mensch so ausdrücken kann, wie er es möchte. Das A und O ist für mich, dass man sich einem Thema aufrichtig und ehrlich widmet und ein Projekt aus der richtigen Motivation heraus angeht. Deswegen war es mir ja so wichtig, von Beginn an den Austausch mit dem Collectif Intersexe Activiste zu suchen. Dass wir überhaupt eine Serie über eine inter Protagonist*in umsetzen konnten, ist schon ein kleines Wunder. Und die Dankbarkeit, die wir nach den ersten Screenings seitens der Community erfahren haben, haben mich mit mehr Stolz erfüllt als irgendwelche anderen Reaktionen auf "About Sasha".
Nach dem Start der Serie feierte sie ihre internationale Premiere ausgerechnet beim "Red Sea Film Festival" in Saudi-Arabien. Haben Sie sich die Entscheidung leicht gemacht, die Einladung dorthin anzunehmen?
Selbstverständlich habe ich kurz gezögert. Ich selbst bin heterosexuell, aber diese Serie erzählt eine Geschichte aus der queeren Community, da muss man natürlich überlegen, ob ausgerechnet dieses Land der richtige Ort dafür ist. Gleichzeitig fand ich die Weltoffenheit des Festivalteams beeindruckend, und die Veranstaltung selbst ist natürlich eine, die für Veränderung steht, schließlich gab es in Saudi-Arabien bis vor einigen Jahren noch nicht einmal Kinos. Die Einladung, unsere Serie dort zu zeigen und nach den Screenings mit dem Publikum darüber zu sprechen, habe ich als ein Signal des Wandels verstanden, ein hoffnungsvolles Zeichen für Offenheit und zukunftsgewandtes Denken.
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