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Österreich

Islamistischer Anschlag auf Wiener Pride-Parade vereitelt

Die österreichische Polizei hat nach eigenen Angaben am Samstag einen geplanten Anschlag mit Fahrzeugen oder Messern auf die Regenbogenparade in Wien vereitelt. Drei Verdächtige im Alter von 14, 17 und 20 Jahren wurden festgenommen.


Teilnehmer*innen der Wiener Regenbogenparade am Samstag (Bild: IMAGO / SEPA.Media)
  • 18. Juni 2023, 12:43h 23 4 Min.

Die österreichischen Behörden haben nach eigenen Angaben einen geplanten Anschlag auf die Wiener Regenbogenparade vereitelt. Drei Verdächtige im Alter von 14, 17 und 20 Jahren wurden am Samstag unmittelbar vor Beginn der Parade festgenommen, wie der Chef des österreichischen Staatsschutzes DSN, Omar Haijawi-Pirchner, am Sonntag erklärte. Die drei Österreicher mit Wurzeln in Tschetschenien beziehungsweise Bosnien seien Sympathisanten der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS). Bei Razzien in Wien und Niederösterreich beschlagnahmten die Ermittler*innen zahlreiche Waffen und Datenträger.

Die drei Verdächtigen hätten online extremistisches Material ausgetauscht, erklärte das Innenministerium in Wien. Sie hätten sich auf die Regenbogenparade als mögliches Anschlagsziel fokussiert und einen Angriff mit Messern oder Fahrzeugen geplant. Einer der Verdächtigen sei den Behörden schon im Zusammenhang mit Terrorismus-Ermittlungen bekannt gewesen. Laut Haijawi-Pirchner haben sich die verdächtigen jungen Männer im Internet radikalisiert und dann Anschlagspläne entwickelt, wie man im Zuge der Ermittlungen gegen Sympathisanten der Terror-Organisation "Islamischer Staat" erfahren habe.

Die Organisator*innen wurden erst nach der Parade informiert

Die Organisator*innen der Pride-Demonstration seien erst Sonntagmorgen über die Lage informiert worden, da "zu keiner Zeit eine dezidierte Gefahr" für die Besucher*innen bestanden habe. Man habe keine Panikreaktionen unter den Teilnehmer*innen erzeugen wollen, zumal der Polizeizugriff ja schon erfolgt gewesen sei, so Haijawi-Pirchner. Über die speziellen Schutzmaßnahmen für die teilnehmenden Politiker*innen wolle man aus einsatztaktischen Gründen nichts bekannt geben.

An der Regenbogenparade für die Rechte von LGBTI am Samstag beteiligten sich insgesamt rund 300.000 Menschen. Nach Angaben der Polizei seien 700 Beamt*innen, teils mit Spezialausbildung, im Einsatz gewesen.

Am Rande der Demonstration kam es dennoch zu einem Zwischenfall. Nach Angaben der Landespolizeidirektion wurde eine Frau in der Wiener Innenstadt aus einer Gruppe von fünf Männern heraus erst homofeindlich beleidigt und dann durch Schläge und Tritte schwer verletzt. Das Opfer wurde vom Rettungsdienst ins Krankenhaus gebracht.

Innenminister dankt Behörden

Österreichs Politik zeigte sich parteiübergreifend schockiert über die mutmaßlichen Anschlagspläne. "Die Direktion Staatsschutz und Nachrichtendienst hat einmal mehr unter Beweis gestellt, dass sie jede Form von Extremismus konsequent und effizient bekämpft", erklärte Österreichs Innenminister Gerhard Karner (ÖVP). "Ich danke allen beteiligten Ermittlerinnen und Ermittlern für ihre professionelle Arbeit und ihren Einsatz."

Integrationsministerin Susanne Raab (ÖVP) meldete sich auf Twitter zu Wort: "Ich bin schockiert über die feigen Anschlagspläne auf die Pride Parade. Ich danke dem DSN und der Polizei, dass sie hier rasch und rechtzeitig reagiert haben. Extremismus in jeder Form muss vehement bekämpft und auf das Schärfste bestraft werden."

/ susanneraab_at
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Auch der Wiener Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) dankte den Sicherheitskräften. "In Wien darf es keinen Platz für Hass und Ausgrenzung geben!", erklärte er in einer Stellungnahme. "Unsere Stadt ist bunt und weltoffen."

Organisator*innen: Wir lassen uns nicht unterkriegen

"Wir lassen uns von den Feinden der Rechte für LGBTIQ-Personen, der Demokratie und einer offenen Gesellschaft nicht unterkriegen", teilte das Organisationsteam der Regenbogenparade auf Instagram mit.. Die Rechte der Community seien "in letzter Zeit wieder vermehrt von Rückschritten bedroht und wir müssen jeden Tag für unsere Sichtbarkeit und Sicherheit kämpfen. (cw/AFP)

Rechte FPÖ spricht von "Ablenkungsmanöver"

Die extrem rechte FPÖ verharmloste die Anschlagsgefahr und kritisierte die Pressekonferenz der Sicherheitsbehörden als "Ablenkungsmanöver" der ÖVP – nahezu parallel fand ein Auftritt des neuen SPÖ-Parteichefs Andreas Babler in der ORF-"Pressestunde" statt. "Die ÖVP missbraucht den DSN-Chef im Zuge einer unnötigen Pressekonferenz, um die Pressestunde von Babler zu torpedieren", sagte FPÖ-Generalsekretär Christian Hafenecker. "Selbstverständlich muss man Terrorismus und islamistischen Extremismus ernst nehmen. Auch das Waffengesetz! Ob allerdings ein 14-, ein 17- und ein 20-Jähriger mit Messern in der Lage sind, Hundertschaften der Polizei zu übertölpeln, ist mehr als fraglich. Diese Farce zeigt einfach nur, wie kaputt die ÖVP schon ist."

-w-

#1 SeraphinaAnonym
  • 18.06.2023, 14:54h
  • Gut das dieser geplante Anschlag von Menschenhassern vereitelt wurde (ob aus islamistischen, christlich-fundamentalistischen oder anderen queerhassenden/menschenfeindlichen Spektren spielt dabei nur bedingt eine Rolle). Ich hoffe es misslingt gewissen Kreisen dies wiederum erfolgreich rassistisch zu framen und sich dabei als vermeintlich LGBTIQ+ freundlich aufzuspielen.
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#2 Nepomuk73Anonym
  • 18.06.2023, 15:07h
  • Erschreckend finde ich das junge Alter der verdächtigen Täter !
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#3 neineineinAnonym
  • 18.06.2023, 15:23h
  • Antwort auf #1 von Seraphina
  • Ich wiederum hoffe, wir sprechen jetzt endlich mal offen und ohne falsche Scheu darüber, wie gefährlich der Islamismus für uns Queers ist. Die Bedrohung ist real und niemandem ist mit Denk- und Sprechverboten geholfen, ganz im Gegenteil.
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