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Hetze gegen Vater und Sohn

Ungarn: Queer­feindliche Kampagne gegen Alexander Soros

Nach der Übergabe der Soros-Stiftungen von Vater George an Sohn Alexander hat Ungarns rechte Regierung ein neues Feindbild. Ein anschauliches Beispiel dafür, wie die Stimmungsmache der Viktor Orban treu ergebenen Medien funktioniert.


Alexander Soros im Mai 2019 in New York (Bild: IMAGO / Pacific Press Agency)

Jahrelang war George Soros das Feindbild Nummer eins der extrem rechten ungarischen Regierung. Doch kaum hat der Milliardär und Philanthrop seine einflussreichen Stiftungen an seinen Sohn Alexander übergeben, richtet sich die Hetze nun gegen den 37-Jährigen – ein anschauliches Beispiel dafür, wie die Stimmungsmache der Regierungschef Viktor Orban treu ergebenen Medien funktioniert.

Der gebürtige Ungar George Soros wurde als Finanzexperte in den 1970er und 1980er Jahren in den USA reich. Mit seinem Vermögen gründete er die Open Society Foundations (OSF), die Demokratie, gute Regierungsführung und liberale politische Initiativen fördern.

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Hassfigur von Rechten und Populist*innen

Für Rechte und Populist*innen ist Soros eine Hassfigur, der sie dunkle Machenschaften vorwerfen. Als Jude ist der Milliardär auch immer wieder antisemitischen Anfeindungen ausgesetzt. Weil sich die Stiftungen für die Rechte von Geflüchteten einsetzen, warf die ungarische Regierung Soros etwa vor, Europa mit Migrant*innen "überschwemmen" zu wollen.

"Die Regierung hat George Soros zu einer Art unumstrittenen Feind gemacht", der für alles verantwortlich sei – von der hohen Inflation bis hin zu Ungarns außenpolitischer Isolation, sagt Peter Kreko, Geschäftsführer der Denkfabrik Political Capital in Budapest, die auch von OSF unterstützt wird.

Als am vergangenen Montag bekannt wurde, dass der 92-Jährige die Kontrolle über sein philanthropisches Imperium nun seinem Sohn überlässt, war Orban einer der ersten, der die Nachricht kommentierte. Unter der Überschrift "Soros 2.0" twitterte er eine Szene aus dem Film "Der Pate", in welcher der Mafiaboss seinen Sohn küsst.

Soros habe "ein Vermögen für den Versuch ausgegeben, die Ereignisse, einschließlich Wahlergebnissen, zu beeinflussen", erklärte Regierungssprecher Zoltan Kovacs anlässlich des Führungswechsels. "Und das alles ohne demokratisches Mandat. Die Vertreter des Soros-Netzwerks wurden nie gewählt, in gewissem Sinne könnte man sagen, dass sie fast eine Mafia sind", sagte er.

Medien streuen Gerüchte über Soros' sexuelle Orientierung

Die weiteren Reaktionen zeigen die Bandbreite und die Methoden der regierungsfreundlichen Medienlandschaft in Ungarn, in der es kaum noch unabhängige kritische Stimmen gibt. Die Website Origo veröffentlichte ein Foto, das Alexander Soros zusammen mit einem Mann zeigt, den die regierungsnahe Plattform als seinen "Lebenspartner" bezeichnete. "Die beiden umarmen sich oft und halten Händchen", schrieb Origo weiter. "Das ist offensichtlich Teil der LGBTQ-Propaganda des jungen Soros." Hirado, ein Programm des wichtigsten öffentlichen Senders, verbreitete die Behauptungen der privaten Website weiter.

Bereits 2018 hatten regierungsnahe Medien die Falschmeldung veröffentlicht, Alexander Soros sei beim Budapest Pride gesichtet worden. Thinktanks, die Orbans Fidesz-Partei nahestehen, wiederholen gern die queerfeindliche Rhetorik der Regierung.

Tamas Fricz vom Institut Alapjogokert Központ griff in Kommentaren die Spekulationen über die sexuelle Orientierung von Soros junior auf. Der Sohn werde noch "radikaler" sein als sein Vater, wenn es um "die Frage einer Weltregierung, Impfpflicht oder Abtreibung" gehe, schrieb er weiter.

Orchestrierte Stimmungsmache in sozialen Medien

Abseits der traditionellen Nachrichtenkanäle, auf die sich viele Ungar*innen verlassen, ist die Gruppe "Megafon" aus regierungsfreundlichen Autor*innen und Influencer*innen auch in den sozialen Medien aktiv. Wer die Gruppe finanziert, ist unklar. Fest steht jedoch, dass "Megafon" Millionen Euro für politische Werbung auf Plattformen wie Youtube und Facebook ausgibt. Alexander Soros wolle "unsere Heimat zerstören", schrieb "Megafon"-Mitglied Daniel Deak und warnte davor, dass die Stiftungen unter der jüngeren Führung noch stärker werden könnten.

Die Berichterstattung der regierungsnahen Medien über Alexander Soros sei sehr einseitig, sagt Politikwissenschaftler Kreko. "Dass er sich auch regelmäßig mit rechtsgerichteten Politikern getroffen hat" wie dem ehemaligen österreichischen Bundeskanzler Sebastian Kurz oder dem serbischen Präsidenten Aleksandar Vucic, werde nicht erwähnt, sagt er.

Der Politologe rechnet nicht damit, dass mit dem Sohn fairer umgegangen wird als mit dem Vater: "Das rhetorische Kartenhaus der Regierung ist auf George Soros aufgebaut, ohne ihn würde es zusammenbrechen. Es war also zu erwarten, dass die Rhetorik auch dann bestehen bleibt, wenn Alex Soros in den Vordergrund tritt."

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#1 KopfschüttelAnonym
  • 19.06.2023, 10:15h
  • "Die Website Origo veröffentlichte ein Foto, das Alexander Soros zusammen mit einem Mann zeigt, den die regierungsnahe Plattform als seinen "Lebenspartner" bezeichnete. "Die beiden umarmen sich oft und halten Händchen", schrieb Origo weiter. "Das ist offensichtlich Teil der LGBTQ-Propaganda des jungen Soros." "

    JA UND?!?!?! Etwa die Eskapaden von Regenrinnen-Joszef vergessen??
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#2 AnonymAnonym
  • 19.06.2023, 10:23h
  • Nur einen Partner zu haben ist schon Propaganda, das macht natürlich Sinn.
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#3 SebiAnonym
  • 19.06.2023, 10:38h
  • Ich finde es nach wie vor skandalös, dass die EU weitestgehend tatenlos zusieht, wie in manchen ihrer Mitgliedstaaten freie, unabhängige Medien und eine neutrale Justiz abgeschafft werden. Das sind stets die ersten Schritte in den Totalitarismus und mit solchen Mitgliedsstaaten kann die EU langfristig nicht überleben.

    Aber was macht die EU? Nichts. Bzw. viel zu wenig. Nur mal ein wenig schimpfen und mahnen interessiert solche Leute nicht.

    Hier werden Grundwerte und Grundpfeiler der EU (und jedes demokratischen Rechtsstaats) zerstört.

    Entweder kann die EU nichts dagegen machen, dann ist das ein Konstruktionsfehler der EU, der sie irgendwann zerstören wird. Oder sie will nichts dagegen tun, dann hätte sie aber dasselbe Schicksal verdient.
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