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Großbritannien
Rishi Sunak nach transfeindlichem Spruch in Kritik
Ein geleaktes Video zeigt, wie der britische Regierungschef vor Parteikollegen über trans Personen und den Einsatz für sie herzieht – während die Regierung ihre Rechte beschneiden will.

Sunak ist seit letztem Herbst britischer Premier (Bild: Ministry of Housing, Communities and Local Govt)
- 19. Juni 2023, 15:15h 3 Min.
Der britische Premierminister Rishi Sunak sorgt erneut mit Transfeindlichkeit für Schlagzeilen. Das britische Portal "Pink News" veröffentlichte am Sonntag ein geleaktes Video, in dem sich der konservative Politiker abfällig über trans Personen äußert.
Das Video entstand demnach am 5. Juni bei einem Treffen einer Gruppe konservativer Abgeordneter des Parlaments. In dem Video-Ausschnitt ist zu hören, wie sich Sunak über den Führer der Liberaldemokraten, Ed Davey, lustig macht, weil dieser "versucht, alle davon zu überzeugen, dass Frauen eindeutig Penisse haben". Unter Gelächter des Publikums fuhr Sunak fort: "Sie alle wissen, dass ich ein großer Fan davon bin, dass jeder bis 18 Mathematik lernt [ein Plan der Regierung], aber es stellt sich heraus, dass wir uns auf Biologie konzentrieren müssen."
/ TransLucent_Org | Eine britische trans-Organisation kommentierte, sie sei "angewidert, aber nicht überrascht" von der Aufnahme, in der Sunak trans Frauen verspotteSTATEMENT REGARDING OUR PRIME MINISTER THE RT. HON. RISHI SUNAK MP.@RishiSunak @PennyMordaunt @LGBTCons @Nancy_M_K @Keir_Starmer @AngelaRayner @AnnelieseDodds @PinkNews @daniellismore @PaulBrandITV @_NatashaDevon @mrjamesob @EdwardJDavey @PeterTatchell @JayneOzanne pic.twitter.com/PWAE4TMZOw
www.TransLucent.Org.UK (@TransLucent_Org) June 19, 2023
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Die Äußerungen sorgten am Montag für Kritik von Oppositionspolitiker*innen und queeren Organisationen, aber zu wenig Medienaufmerksamkeit.
/ KateOsborneMP | Die Labour-Abgeordnete Kate Osborne zeigte sich "angewidert", dass Sunak seinen "Kulturkampf" privat und öffentlich eskaliere, indem er trans Personen "unter den Bus" werfe, um von Verfehlungen der eigenen Politik abzulenkenIt is disgusting that in public and private Rishi Sunak is escalating his culture war – throwing trans people under the bus to distract from the Tory made cost of living crisis
Kate Osborne MP (@KateOsborneMP) June 18, 2023
Using trans women as a punchline is a new low for this awful Prime Minister. https://t.co/hE2frlqJKK
Offenbar ist das Klima gegenüber trans Menschen in Großbritannien schon so vergiftet, dass ein "Scherz" über eine Minderheit kaum noch wahrgenommen wird – anders als etwa Absageaufrufe an Universitäten, wenn diese wie vor wenigen Tagen mal wieder eine transfeindliche Aktivistin wie Kathleen Stock zu einer "Debatte" einluden.
Auch Sunak fühlt sich hier regelmäßig berufen, auf Meinungs- und Wissenschaftsfreiheit zu pochen und so transfeindliche Argumentationen zu legitimieren. In Interviews hatte er selbst mehrfach betont, dass trans Frauen für ihn keine Frauen seien.
Regierung gegen Selbstbestimmung
Die neueste Äußerung des konservativen Parteichefs steht für eine zunehmend transfeindlich agierende Regierung. In den letzten Monaten gab es mehrfach Berichte, die von EU-Vorgaben gelöste Regierung wolle trans Personen vom Schutz des Gleichbehandlungsgesetzes ausnehmen – künftig solle nur noch das Merkmal des "biologischen Geschlechts" geschützt sein. Das könnte nur der Beginn sein von Richtlinien zur gegenteiligen Behandlung von trans Personen etwa bei der Nutzung von geschlechtsspezifischen Räumen oder im Sport.
Im Januar nutzte London erstmals sein Veto-Recht, um mit dem schottischen Selbstbestimmungsgesetz einen Akt des dortigen Parlaments zu stoppen (queer.de berichtete). Frühere Pläne für ein britisches Selbstbestimmungsgesetz hatte bereits Sunaks Vorgängerin als Premierministern und Parteichefin, Liz Truss, als frühere Gleichstellungsministerin auf Eis gelegt.
Derweil scheinen sich Berichte über Pläne zu bestätigen, dass die Regierung Schüler*innen die Selbstbestimmug nehmen will. Zeitungen veröffentlichten am Wochenende Entwürfe für neue Richtlinien, wonach Schulen in England – auch gegen den ausdrücklichen Wunsch der Kinder – Rücksprachen mit den jeweiligen Eltern suchen sollten, wenn ihr Kind mit einem anderen Namen oder Pronomen angesprochen werden oder den Geschlechtsausdruck der Schuluniform wechseln wolle. Ohne Erlaubnis der Eltern dürften diese Wünsche demnach von Lehrpersonal nicht umgesetzt werden. (nb)













