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Brandanschlag

Das (fast) vergessene Feuer

Vor fünfzig Jahren – am 24. Juni 1973 – starben über 30 schwule Männer in der "UpStairs Lounge" in New Orleans. Der Brandanschlag war bis zum Massaker 2016 in Orlando die größte Attacke auf die queere Community in den USA.


Bild aus dem Dokumentarfilm "UpStairs Inferno" über den Brandanschlag vor 50 Jahren (Bild: Camina Entertainment)

Die Aufstände rund um das "Stonwall Inn" in New York 1969 sind hierzulande den meisten Menschen bekannt, markieren sie doch das wichtigste Datum der queeren Emanzipationsbewegung weltweit und werden auf jeder Pride-Demo erwähnt.

Weniger bekannt ist jedoch, dass es noch in den 1970er Jahren eine Vielzahl von Razzien, Morden und Übergriffen gab, die die amerikanischen Behörden gar nicht oder nur halbherzig verfolgten. Einer der schlimmsten Anschläge auf die queere Community war die Brandstiftung in der "UpStairs Lounge" im Osten von New Orleans, bei der am 24. Juni 1973 insgesamt 32 Menschen qualvoll umkamen. Die Gäste hatten in der Bar den vierten Jahrestag des Stonewall-Aufstands gefeiert.

Benzin auf die Treppe gegossen, kein Notausgang

Die Geschichte dieses Massakers ist erst vor einigen Jahren dokumentiert worden. Im New Orleans jener Tage, das schon damals ein Ort des Feierns, der Musik und der Partys war, mussten sich schwule Männer dennoch noch immer verstecken, zumindest, wenn sie öffentlich Zärtlichkeiten austauschen wollten. Alle Gay- Bars lagen versteckt, man musste klingeln – es gab kaum oder keine Hinweisschilder. Eine Szene, die von Mund-zu-Mund-Propaganda lebte.


Das einzig erhaltene Foto einer Party in der "UpStairs Lounge", wahrscheinlich aus dem Jahr 1972(Bild: Johnny Townsend)

Auch die "UpStairs Lounge" erreichte man über eine enge Treppe, einen Notausgang gab es nicht. Am Abend des 24. Juni 1973 kaufte sich ein Mann namens Roger Dale Nunez eine Flasche Benzin, ging ein paar Ecken weiter den Aufgang hoch zur "UpStairs Lounge" und zündete die Treppe an. Das Feuer war binnen Minuten so groß und heftig, dass es die gesamte Bar erfasste, Menschen sprangen in Panik aus dem Fenster, viele verstarben sofort oder später im Krankenhaus. 31 schwule Männer fielen dem Brand zum Opfer sowie die Mutter eines jungen Mannes. 15 Menschen wurden teils schwer verletzt.

Kirchen lehnten Gedenkgottesdienst ab


Das Haus der "UpStairs Lounge" heute (Bild: Deisenbe / wikipedia)

Unmittelbar nach dem Brand beschuldigten Mitglieder der schwulen Community die Feuerwehr, nicht sofort reagiert und sich geweigert zu haben, die Leichen vieler Opfer zu berühren. Da die umfangreichsten Berichte über den Brandanschlag aus der Feder der Polizei und der Feuerwehr stammen, gibt es kaum empirische Beweise, die die Anschuldigungen untermauern könnten. Auch das Motiv von Roger Dale Nunez ist noch immer unklar – spekuliert wird, dass er selbst schwul gewesen oder aus der "UpStairs Lounge" rausgeschmissen worden sei, weil er betrunken war und randalierte. Er wurde nie vor Gericht gestellt und beging ein Jahr später, 1974, Selbstmord.

Obwohl New Orleans schon damals für vermeintliche Liberalität und Offenheit stand, dominierte christlich-fromme Homofeindlichkeit: Bestattungsinstitute weigerten sich, die Leichen schwuler Männer zu beerdigen, und alle Kirchen der Stadt lehnten zunächst die Bitte ab, einen Gedenkgottesdienst für die Opfer abzuhalten. Selbst manche der Familienangehörigen weigerten sich, Beerdigungen für ihre Kinder zu organisieren.

Gedenktafel erst seit 2003

Einer der Überlebenden, der Barkeeper Buddy Rasmussen, der heute auf dem Land irgendwo in Arkansas lebt, hatte damals eine Gruppe Männer durch eine Hintertür auf das Dach und dann über eine Reihe von Gebäuden geführt, bevor er sich auf der Straße in Sicherheit brachte, weigert sich bis heute, mit Reporter*­innen oder Wissenschaftler*­innen über den Brand zu sprechen.

Direktlink | Trailer zum Dokumentarfilm "UpStairs Inferno"
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Immerhin: Trotz langen Jahren des Schweigens gibt es seit 2003 eine Gedenktafel am Tatort mit den Namen der Opfer. Die Stadt New Orleans organisiert in diesem Jahr, 50 Jahre nach dem Anschlag, eine kleine Gedenkfeier. Und doch, so sagten es einige der Überlebenden in amerikanischen Medien, sei es schwer, zu sehen, wie sich die Uhren wieder zurückdrehten und in mehreren Bundesstaaten, darunter auch Louisiana, queer­feindliche Gesetze verabschiedet werden.

Einer jener Zeitzeugen ist Patrick Schoen. Er ist der ehemalige Inhaber des einzigen Bestattungs-Instituts, das damals in New Orleans selbstverständlich die Beerdigungen einiger Opfer organisierte. Er erinnert sich lebhaft an die Nacht des Feuers in der "UpStairs Lounge". "Das war sehr schwer für mich", sagte er in einem Interview. "Ich hatte eine Ahnung, dass ich schwul war, dieses Ereignis machte mir aber Angst, und ich werde den Geruch der Leichen nie vergessen."

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-w-

#1 flecktarngay
  • 24.06.2023, 12:54hBremen
  • Auch wenn es vor 50 Jahren war, derartige Vorkommnisse sollten wir nie vergessen.
    Das sich aber in den Staaten und auch jetzt bei uns die Uhren wieder zurückdrehen ist ebenso traurig.
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#2 56James35Anonym
  • 24.06.2023, 14:16h
  • Von diesem tragischen Brand hatte ich nie etwas gehört.
    In NYC wurden also schwule Männer verbrannt.
    Jetzt will ich mich darüber näher informieren.
    Vielen Dank !
  • Direktlink »
#3 56James35Anonym