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Gastbeitrag

Die "Schwuchtel" hat die Schnauze voll!

Die STICKS & STONES ist eine Anlaufstelle für alle Themen rund um Job und Karriere. Aber auch für Networking, Empowerment und gegenseitigen Austausch. Gründer Stuart Bruce Cameron erzählt, wie die erste queere Job- und Karrieremesse entstand.


Stuart Bruce Cameron und sein Partner Piotr auf der Wiener Regenbogenparade (Bild: Stuart Bruce Cameron)
  • Von Stuart Bruce Cameron
    24. Juni 2023, 07:33h 4 4 Min.

Liebe queer.de-Leser*innen,

jedes Jahr wende ich mich mit Blick auf die STICKS & STONES an euch, lade euch zur Veranstaltung ein und freue mich, viele von euch vor Ort zu treffen und kennenzulernen!

Vielleicht haben manche von euch das Event in der Vergangenheit schon einmal besucht. Oder ihr habt euch schon immer einmal vorgenommen, auf der Messe vorbeizuschauen. Vielleicht hört ihr heute auch das erste Mal davon – oder aber ihr gehört zu denjenigen, die über die auf der Veranstaltung geknüpften Kontakte einen neuen Job gefunden haben? 

Die Anfänge der Messe waren sehr klein und beschwerlich. Und weit von dem entfernt, was die STICKS & STONES heute ist. Den Weg von einer wirklich kleinen und vergleichsweise überschaubaren Veranstaltung in München hin zum Event heute möchte ich gerne mit euch teilen.


Die STICKS & STONES 2022 (Bild: Caro Kadatz)

In den letzten Jahren habe ich auf queer.de schon einmal meine Erlebnisse während meiner Ausbildung mit euch geteilt. Als bekannt wurde, dass ich queer bin, wurde hinter meinem Rücken geredet. Mein Auto wurde auf dem Firmenparkplatz zerkratzt. "Die Schwuchtel", so hieß es, "soll die Faxgeräte holen". Für mich war danach vor allem eines klar: Ich möchte nicht länger in einem Betrieb arbeiten, in dem ich nicht akzeptiert werde. Ich hatte die Schnauze voll!

Mit diesem Entschluss hat alles angefangen. Nach der Lehre habe ich das Unternehmen verlassen und mich auf die Suche nach einem Job gemacht, in dem ich nicht nur toleriert, sondern wie alle anderen auch wertgeschätzt werde. Auf dieser Suche folgten weitere Arbeitsstellen, in denen ich das nicht erlebt habe. Erst in einem Unternehmen, dessen Geschäftsführer selbst schwul war, hat sich das geändert. Und das Gefühl, mich nicht mehr verstecken zu müssen, war für mich unglaublich befreiend! Die Zeit in diesem Unternehmen bleibt mir als eine Zeit in Erinnerung, in der ich so sein konnte, wie ich bin. Ohne Filter, ohne doppeltes Denken. 

Erste queere Job- und Karrieremesse 2010 in München

In diesem Job kam ich mit dem Thema Job und Karriere in Berührung, als ich einen Karrieretag organisieren musste. Dabei habe ich mich gefragt: "Warum gibt es eigentlich keine Jobmesse, auf der LGBTIQ+ Menschen mit diversity-orientierten und stolzen Arbeitgebenden zusammenkommen?" Das war für mich ein Schlüsselmoment. Denn er hat meinen Entschluss aus der Lehre konkret gemacht: Arbeitgebende finden, bei denen wir uns als LGBTIQ+ Menschen nicht verstecken müssen, sondern angenommen und wertgeschätzt werden. 

Danach kam das Eine zum Anderen, und 2010 habe ich die erste queere Job- und Karrieremesse  im DACH-Raum organisiert. Damals hieß die Veranstaltung noch "MILK" und fand in München statt. Ehrlich gesagt war die Premiere der Messe ein ziemliches Desaster! Es waren nur eine Handvoll Unternehmen vor Ort und wirklich eine sehr überschaubare Zahl von Besucher*innen. Ich hatte damals selbst die Reinigungskräfte dazugezählt, damit die Zahl der Besucher*innen nicht ganz so traurig aussah. 

Von diesem verhaltenen Start habe ich mich aber nicht entmutigen lassen. Ich war sicher: Es kann nicht sein, dass ich die einzige Person bin, die Wertschätzung im Job wichtig findet. Und tatsächlich, im dritten Jahr hat die Veranstaltung dann richtig gut funktioniert. Es waren mehr Arbeitgebende vertreten und deutlich mehr Besucher*innen. 


Networking auf der STICKS & STONES" (Bild: Caro Kadatz)

Inzwischen heißt die Messe schon lange nicht mehr "MILK", sondern ist als "STICKS & STONES" bei einigen von euch vielleicht ein fester Termin im Jahr. Letztes Jahr sind wir nach den digitalen Messen während der Pandemie endlich wieder zurück in die Offline-Welt gekommen. Live und in Farbe. Wie zuletzt sind wir auch in diesem Jahr am 1. Juli wieder in der Verti Music Hall in Berlin zu Gast! 

Mich macht es glücklich zu sehen, dass die STICKS & STONES immer weiter wächst. Dass es neben den Themen Job und Karriere vor allem auch um Networking und Empowerment geht, um Austausch und um uns als Community. Um das Gefühl, in diese Community eingebunden zu sein, dazuzugehören und darum, authentisch sein zu können und über uns hinauszuwachsen. Diejenigen von euch, die die Messe schon besucht haben, wissen bestimmt, wovon ich spreche. Auf genau diese Atmosphäre, den Austausch und die vielen Begegnungen freue ich mich auch in diesem Jahr schon sehr. 

Falls ihr es am 1. Juli zeitlich nicht schafft dabei zu sein, dann lade ich euch ein, einmal zu einem Proudr LGBTIQ+ After Work vorbeizukommen. Diese finden monatlich deutschlandweit statt. Auf den Events trefft ihr auf ganz unterschiedliche Menschen, die sich gegenseitig austauschen, vernetzen und empowern.

Tickets für die STICKS & STONES

STICKS & STONES

Europas größte LGBTIQ+ Job- & Karrieremesse findet am Samstag, den 1. Juli 2023 wieder in der Verti Music Hall am Mercedes-Platz 2 in Berlin statt (10.00 bis 17.00 Uhr).
-w-

#1 SchimpfwortAnonym
  • 24.06.2023, 16:38h
  • Hallo,
    kleine Anmerkung: das verwendete Wort 'Schw***tel' ist für manche extrem triggernd und verletzend.

    Es mag hier im Zusammenhang mit der Beleidigung, welche der Gründer erfahren hat, in einem emanzipatorischen Kontext stehen. Und wenn sich andere so nennen, habe ich mich nicht einzumischen.

    Aber lesen muss ich es trotzdem und das ist dann für mich wie ein Hammerschlag. Ich habe persönliche traumatische Erfahrungen mit Gewalt und Mobbing um dieses Wort.

    Für manche schwule Männer ist dieses Wort das letzte, was sie hören, bevor sie bewusstlos zu Boden gehen.

    Ich würde mir, gerade auf dieser Seite, etwas mehr Empathie in dieser Richtung wünschen und, dass dieses Wort, in dem sich die Verachtung der Gesellschaft spiegelt, nicht so banalisiert wird.

    MfG
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#2 T913Anonym
  • 24.06.2023, 17:47h
  • Antwort auf #1 von Schimpfwort
  • Danke, mir geht diese sprachliche Verrohung auch auf die Nerven. Manche Begriffe sollten geächtet werden, ganz egal, wer sie verwendet. Auch dass Schwarze Menschen sich mitunter selbst mit dem N-Wort bezeichnen (z.B. Rapper), ist für mich keine "Selbstermächtigung", sondern eine Reproduktion sprachlicher Gewalt gegen sich selbst.
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#3 flecktarngay
  • 24.06.2023, 17:51hBremen
  • Schwuchtel, schwule Sau etc. Audrücke die doch
    leider heutzutage schon zum Sprachgebrauch vieler
    Zeitgenossen gehören und wenn wir ehrlich sind
    von der Politik und einiger anderer Personen gar
    nicht mehr wahrgenommen werden.
    Wir brauchen uns doch nur die Ausdrucksweise der
    Politiker im Bundestag ( besonders 2 Parteien )
    anhören , dann wissen wir was diese Personen von
    den queeren Mitbürgern halten und worin sich die
    Verachtung der Gesellschaft zeigt.
    Wenn einige Leute könnten, dann würden sie am
    liebsten schon morgen einen gewissen § einführen.
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