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Brandenburg
Brandsatz auf Kirche mit Regenbogenflagge geworfen
Am Vorabend war in der evangelischen Kirche in Spremberg eine Doku über eine lesbische Liebe im KZ Ravensbrück gezeigt worden.

Die Regenbogenflagge an der Michaelgemeinde in Spremberg zum CSD Cottbus im Jahr 2021 (Bild: michaelgemeinde / facebook)
- 26. Juni 2023, 13:33h 3 Min.
- Zu Update springen: Bischof Stäblein verurteilt Angriff (17h)
Unbekannte haben in der Nacht zum Samstag einen Brandsatz gegen den Glockenturm der evangelischen Michaelkirche im brandenburgischen Spremberg (Spree-Neiße-Kreis) geworfen. An der Wand befindet sich eine große Regenbogenflagge.
Darauf machte die Polizei am Sonntag aufmerksam, die am Samstagnachmittag gegen 16 Uhr zu der Kirche in die Karl-Marx-Straße in die 20 Kilometer südlich von Cottbus gelegene Stadt mit rund 22 tausend Einwohner*innen gerufen wurde. An der Giebelwand sei demnach in einer Höhe von vier Metern und seitlich der Flagge eine starke Verrußung von einem Quadratmeter deutlich sichtbar. Auf den Bodenplatten vor dem Turm seien ebenfalls Verrußungen von dem Brandsatz feststellbar.
Personen kamen bei dem nächtlichen Angriff nicht zu Schaden, auch die Flagge blieb den Bildern einer Lokalzeitung zufolge unbeschädigt. Der kriminalpolizeiliche Staatsschutz hat die Ermittlungen aufgenommen, Kriminaltechniker sicherten dazu vor Ort Spuren.
CSD dokumentiert Angriffe auf Regenbogenflaggen
Am Freitagabend war in der Kirche der Dokumentarfilm Nelly und Nadine über eine lesbische Liebe im KZ Ravensbrück gezeigt worden – eine Kooperationsveranstaltung mit dem CSD Cottbus & Niederlausitz. Dessen Aktionswochen starteten am Montag mit dem Hissen der Regenbogenfahne auf dem Gelände der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg. Den Höhepunkt soll am 8. Juli eine Kundgebung an der Stadthalle und eine anschließende Demonstration durch Cottbus bilden.
In den kommenden zwei Wochen sollen über 350 Regenbogenfahnen in Cottbus, dem Kreis Spree-Neiße und darüber hinaus wehen, unter anderem an Schulen, Kitas, Verwaltungen, Firmen und Kirchen. Da in den letzten Jahren immer wieder Flaggen entwendet und abgerissen wurden, hatte der CSD die Aktion "Hydi" eingeführt – mit der der griechischen Mythologie angelehnten vielköpfigen Comicfigur soll deutlich gemacht werden, dass die Organisator*innen bei jeder entfernten Flagge nicht nur für Ersatz sorgen, sondern (mindestens) eine zusätzliche neue aufhängen.

Der CSD Cottbus & Niederlausitz kämpft für die Regenbogenflagge
Dazu protokolliert der CSD auf der Webseite auch die Vorfälle: So wurden im Februar und März insgesamt zehn Regenbogenbanner am Regenbogenkombinat in Cottbus abgerissen. In der Cottbusser Boutique Schwungvoll 40-54 wurde im Mai tagsüber eine Regenbogenfahne aus dem Oberlicht herausgerissen. Und im Juni wurden in zwei Schulen in Burg (Spreewald) bzw. Forst (Lausitz) je eine Regenbogenfahne entwendet oder abgerissen.
Den Spremberger Pfarrer Lukas Pellio hatte das Magazin "chrismon" im letzten Oktober als Kämpfer für eine weltoffene Stadt und gegen Neonazis vorgestellt. Er hat das Bündnis Unteilbar mitaufgebaut, zu dessen Straßenfest "Spremberg macht Platz – für Solidarität und Vielfalt" am 1. Juli auf dem Marktplatz auch der CSD Cottbus aufruft. (cw)
Update 17h: Bischof Stäblein verurteilt Angriff
Der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO), Christian Stäblein, hat den Angriff auf die Kirche in Spremberg als "abstoßend" und "kriminell" bezeichnet. "Es ist ein Angriff auf die Grundwerte unseres Miteinanders", erklärte Stäblein am Montag in einer Mitteilung.
Zum wiederholten Mal müssten sich die engagierten Menschen der Kirchengemeinde und das Pfarrteam gegen Übergriffe und Einschüchterungsversuche aus dem demokratiefeindlichen und rechtsextremen Spektrum zu Wehr setzen, so der Bischof weiter. In Gedanken sei er bei den Menschen in Spremberg, bei ihren Sorgen und Fragen, die der Anschlag auslöse. "Wir dürfen denjenigen, die diese Werte zu untergraben suchen, nicht das Feld überlassen. Einschüchterung und Gewalt dürfen nicht das letzte Wort haben. Für die Menschen in der Region!" (dpa)


















Jetzt gibt es endlich auch mal eine Kirche, die zu queeren Menschen steht, dann kommen die gehässigen Rechtsradikalen und zünden die Regenbogenfahne an.
Wer denn sonst?
Garantiert AfD/NPD-Wähler.