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Timmendorfer Strand

Die spielerisch-leichte Lebensmagie des schwulen FDP-Bürgermeisters

Sven Partheil-Böhnke ist schwul und trotzdem Bürgermeister von Timmendorfer Strand. Was können wir schrillen CSD-Schwuppen aus einem derlei gelungenen Leben lernen? Den "Lübecker Nachrichten" gewährte er Einblick in sein Geheimnis.


Es ist so charmant in Timmendorfer Strand (Bild: Roland.h.bueb / wikipedia)

Die vom Tourismus lebende Gemeinde Timmendorfer Strand in Schleswig-Holstein ist weltoffen – klar, das muss man auch sein, wenn jedes Jahr durchschnittlich 180.000 Gäste in den Bade- und Kurort an der Ostsee fahren. Die meisten davon, so steht es in der Wikipedia, aus bedeutenden Kulturgesellschaften. Nordrhein-Westfalen etwa, und auch aus Niedersachsen.

Und so verwundert es denn auch nicht, dass es in der 8.646-Einwohner*­innen-Gemeinde ein Schwuler in das Amt des Bürgermeisters geschafft hat. Wo, wenn nicht hier? Das FDP-Mitglied und Stadtoberhaupt Sven Partheil-Böhnke profitiert aber nicht nur, wie man auf den ersten Blick vermuten könnte, von der immensen Offenheit der Bürger*­innen gegenüber dem Neuen, dem Anderen, ja, dem auch ein Stück weit Fremden. Auch er selbst hat einige geringfügige Anpassungen an sein Umfeld vorgenommen.

"Mein schwules Leben findet abends statt, und das geht niemanden etwas an" ließ sich Partheil-Böhnke jetzt von den "Lübecker Nachrichten" durch die Gartenzaunlamellen lugen (Bezahlartikel). Sein Geheimrezept für alle, die mit queer­feindlicher Ausgrenzung und Gewalt zu kämpfen haben, vielleicht mit Scham, mit Selbsthass? Einfach normal sein.

Zeig dich bloß nicht!

Die "schrille Queer-Bewegung" sehe Sven Partheil-Böhnke kritisch, hadere gar mit ihr, schreibt die Zeitung. Das Schrille, das Übertriebene, fürchtet der 54-Jährige "skeptisch", könne "unter Umständen nicht auf Akzeptanz, sondern im Gegenteil eher auf Ablehnung stoßen". Warum? Weil "einige davon überfordert werden".

Zu denen, die, wie die "LN" schreiben, "sich und ihre sexuelle Orientierung nicht nur im Pride Month nach außen tragen", habe Partheil-Böhnke "eine klare Meinung": "Ich glaube, dass die Bewegung nach hinten losgeht, wenn zu viel Aufsehen darum gemacht wird." Es sei eben nicht gewollt, seine Sexualität "ständig offen zu zeigen". Der Bürgermeister will denn auch nicht, "dass heterosexuelle Paare das so stark zeigen". Natürlich will er das nicht. Hetero-Männer wollen es ja auch nicht.

Partheil-Böhnke wusste es eben besser als wir Kreischtunten, Transgender-Amazonen und unsere Vorzüge in den Pullis der H&M-Jungsabteilung ohne jede Not selbst versteckenden Lesbianerinnen. Er dagegen setzte von Anfang an alles auf eine Karte: Normalität. Und es gelang! Nun ist es für ihn "und für alle in seiner Umgebung" völlig normal, "dass ein schwuler Mann das Amt innehat". Er sei auch noch nie homophob angegangen worden – "vielleicht" auch wegen seiner Normalität, die er "als besten Schutz für feindliche Attacken sieht". Denk da ma 'über nach!

Der FDP-Ortsvorsteher beschreibe sich selbst "als konservativ und als liberal durch und durch", er führe ein "ganz und gar" bürgerliches Leben "mit Haus bauen und Baum pflanzen". Sein Freundeskreis reduziere ihn auch nicht auf die sexuelle Orientierung. Sogar "wer wie tickt" interessiere da keinen, heißt es. Das einzige, worauf die Freund*innen von Partheil-Böhnke bei der Wahl ihrer Gesellschaft nämlich Acht geben, ist gegenüber derlei Nebensächlichkeiten etwas ganz objektives: Geld.

Okay, das Letzte habe ich jetzt hinzugedichtet. Ob der FDP-Bürgermeister ein problematisches Verhältnis zu Geld oder sonstigen Ausweisen gesellschaftlicher Anerkennung hat, ist – Achtung! – keine gesicherte Information. Angaben von Kriegsparteien können nicht unabhängig überprüft werden.

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Was bliebe uns in einer Welt ohne Queerfeindlichkeit?

Gelernt hat Partheil-Böhnke denn auch einen ganz normalen Job wie ich und Du ihn haben. Nämlich Steuerberater. Seit 27 Jahren ist der Bürgermeister mit seinem Mann zusammen, "seit 2015" sei das Paar laut "LN" sogar "verheiratet". Noch vor Einführung der Ehe auch für uns Otto-Unnormal-Schwuppen, allein durch Positive Thinking! Für schwule Beziehungen sei die lange Zeit mit seinem Mann, rechnet der Bürgermeister frei nach Adam Riese und Beatrix von Storch vor, "ein halbes Leben".

Doch die unglaubliche Lebensmagie des Partheil-Böhnke hat sich in ein bisschen Anpassung nicht erschöpft. "Dass es damals, zu Beginn der Beziehung, für ein schwules Paar nicht so einfach war wie heute, habe ihm und seinem Mann eher geholfen, als sie behindert" geben die "Lübecker Nachrichten" das Life Coaching mit Sven Partheil-Böhnke wieder: "Wir haben versucht, den vermeintlichen Makel durch Leistung zu kompensieren."

Einfach mal ordentlich was rausballern! Runter vom Sofa, raus aus dem Rollstuhl, schmeiß das Ding vom Balkon, unterschreib den Bausparvertrag, nein, besser die ETF-Geldanlage, und pflanz jetzt diese gottverdammte Rosskastanie auf dein brachliegendes Grundstück des Lebens! Denn wie sagte schon 1997 ein gewisser Christian L. als Abiturient bei "Stern TV": "Ran an die Arbeit, Arbeit bewältigen!" und "Probleme sind nur dornige Chancen"? Na und wo hat es den Bengel hingebracht? Inzwischen darf er uns mit seinen von Finanzströmen geleiteten Einlassungen beinahe täglich und durch ein Bundesministeramt legitimiert auf die Nerven fallen.

Bloß: Können. Können muss man das alles erst einmal. Und dann noch wollen.

-w-

#1 suave25Anonym
  • 27.06.2023, 14:36h
  • Ich muss kotzen.

    Er ist wie dieser reicher Hipster aus dem Film Stonewall, mit dem der Hauptdarsteller eine Weile zusammenwohnt. So nach dem Motto, Revolution kann man nur im Stillen bewirken (bloß unsichtbar sein).

    In dem Fall wiederhole ich gern. Wer von queers ein wenig Selbstachtung hat, soll nicht FDP wählen.
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#2 VitelliaAnonym
  • 27.06.2023, 14:51h
  • Das ganze Gerede von dem FDP-Typ gefällt mir nicht!

    Der ist wie damals der Westerwelle, der sich nie für Schwule eingesetzt hätte.
    Sich verstecken, nicht auffallen - wie dieser komische Bürgermeister.

    Arrogant, wie Westerwelle auf mich wirkte, war ihm nur sein eigenes Leben mit Partner Mronz und seine FDP für Wählerstimmen wichtig.

    Dass Ww auch nie zu einem CSD gegangen wäre, kann ich noch eher verstehen. Das war eine ganz andere Zeit und viell. hätte er sogar in der Politik noch Häme erfahren.
    Draußen auf jeden Fall.
    Aber heute?
    Wenn sich selbst ein CDU-Wegener aus Berlin beim CSD zeigt - welch armseliger FDP-Bürgermeister dagegen.
    Ein Feigling?
    Sein Verhalten, mit dem er aber öffentlich angibt, dient keinem einzigen Queeren!
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#3 Ein MünchnerAnonym
  • 27.06.2023, 15:02h
  • Die Scheinheiligkeit und Bigotterie dieser FDP-Heinze ist doch unfassbar. Wo wären wir denn, wenn nicht sichtbare, laute, bunte und selbstbewusste, wunderbare queere Menschen uns die Freiheit erkämpft hätten, die wir heute genießen? Was ist schon normal? Wer setzt die Norm? Hoffentlich nicht die FDP. Der Kampf ist erst zu Ende, wenn wirklich jedes Leben gesellschaftlich wertgeschätzt wird.
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