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Jahresstatistik

Mehr als halbe Million Kirchenaustritte unter deutschen Katholik*­innen

Mit einer Rekordzahl von über 522.000 Austritten kommt die Katholische Kirche nicht aus der Krise.


Die Wirklichkeit recht gut beschreibendes Symbolbild mit leeren Kirchenbänken (Bild: MichaelGaida / pixabay)

  • 28. Juni 2023, 15:35h 3 3 Min.

Es ist ein für die Kirche dramatischer Negativrekord: Mehr als eine halbe Million Menschen sind 2022 in Deutschland aus der katholischen Kirche ausgetreten. Die Zahl der Austritte lag in dem Jahr bei 522.821, wie die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) am Mittwoch in Bonn mitteilte. Das sind so viele wie noch nie und deutlich mehr als im bisherigen Rekordjahr 2021. Damals hatten 359.338 Katholik*innen ihrer Kirche den Rücken gekehrt.

"Die katholische Kirche stirbt einen quälenden Tod vor den Augen der gesellschaftlichen Öffentlichkeit", sagt der Kirchenrechtler Thomas Schüller der Deutschen Presse-Agentur. DBK-Chef Bätzing spricht von "alarmierenden" Zahlen und fordert eine "neue Kultur" innerhalb der Kirche. Die Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Irme Stetter-Karp, sieht eine "eklatante Krise".

In Deutschland machten die restlichen 20.937.590 Katholik*innen nach den Zahlen von 2022 noch 24,8 Prozent der Gesamtbevölkerung aus. Dass sich die für die katholische Kirche ohnehin dramatische Entwicklung noch einmal beschleunigen würde, hatte sich zu Jahresbeginn 2022 abgezeichnet. Vor allem nach der Vorstellung eines Gutachtens zum Missbrauch im Erzbistum München und Freising im Januar und der Diskussion um eine Mitschuld des inzwischen gestorbenen Papstes Benedikt XVI. waren die Austrittszahlen förmlich explodiert.

Missbrauchsgutachen, Woelki & Co.

In der ersten Januarhälfte, also vor dem Gutachten, waren pro Arbeitstag in München etwa 80 Menschen aus der Kirche ausgetreten; nach dem 20. Januar, dem Tag der Vorstellung des Gutachtens, waren es dann zeitweise bis zu 160 Kirchenaustritte pro Arbeitstag – also etwa doppelt so viele. Dabei setzte die Stadt München, wo man – wie standardmäßig in Deutschland – nur mit persönlichem Erscheinen aus der Kirche austreten kann – sogar zusätzliches Personal ein.

Schlagzeilen machten im vergangenen Jahr auch Lügen-Vorwürfe gegen den umstrittenen Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki, bei dem es erst an diesem Dienstag eine Razzia gegeben hatte, und Rechtsstreits um Schmerzensgeld für Missbrauchsopfer in Köln und im oberbayerischen Traunstein. Allein in den beiden großen Erzbistümern Köln und München traten jeweils rund 50.000 Katholik*innen aus. "Viele Ursachen spielen hierbei hinein, aber auch aktuelle Brandbeschleuniger wie die kardinale Tragödie in Köln, in deren Strudel alle Bistümer und selbst die evangelischen Landeskirchen mit hineingezogen werden", sagt Schüller.

380.000 Austritte auf evangelischer Seite

Auch die evangelische Kirche hatte 2022 mehr Mitglieder verloren als im Jahr davor. Die Zahl der Kirchenmitglieder sank nach EKD-Angaben um 2,9 Prozent auf 19,15 Millionen Menschen. 2021 betrug der Rückgang demnach noch 2,6 Prozent. Vor allem die Kirchenaustritte seien deutlich gestiegen, hieß es. Sie lagen demnach im vergangenen Jahr bei 380.000.

Weniger Mitglieder bedeuten zunächst einmal weniger Kirchensteuereinnahmen und damit weniger Geld für die Bistümer. Das könne auch Auswirkungen auf kirchliche Dienste wie Schulen, Kindertagesstätten, Akademien oder soziale Einrichtungen haben, betont Schüller. Allerdings werden diese auch aus anderen nicht-kirchlichen Mitteln finanziert und Kritiker*innen fordern schon länger eine Entflechtung.

Ebenfalls wenig in den Analysen zu den Austritten war am Mittwoch zum Synodalen Weg zu hören, jenem Reformprozess, in dem sich die deutsche Kirche etwa in Bereichen der Sexualmoral oder der Anerkennung von LGBTI zuletzt deutlich bewegte, aber auch auf einen Konflikt mit dem Vatikan zusteuert (queer.de berichtete). (dpa/cw)

-w-

#1 FredinbkkkkkAnonym
  • 29.06.2023, 02:45h
  • Immer mehr siegt klarer Menschenverstand und logisches ,rationales Denken ueber ,vorderorientalischen Aberglauben.....aber ein grosses DANKESCHOEN an die "Organisationen" selber, welche feste saegten an dem Ast auf dem sie sitzen,durch gedeckeltes kriminelles ,verbrecherisches Verhalten von "Gottes Bodenpersonal" Das Mittelalter geht nun wohl langsam zu Ende.......fuer viele ein Grund zur Freude..
    aber wir muessen wachsam bleiben und sein....die Bedrohung von Freiheit und letztlich Demokratie kommt nun von anderen "Glaubensbruedern und braunen Ratten welche aus ihren Loechern kriechen.
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#2 stephan
  • 29.06.2023, 12:46h
  • Aus meiner Sicht ist der Kirchenaustritt selbst für tiefgläubige Menschen schlicht Notwehr, denn eine andere Möglichkeit der Mitbestimmung gibt es in dem römischen Verein nicht. Man mache sich einmal klar, welchen Aufwand der Gesetzgeber betreibt, um in jedem Verein die demokratischen Wahlen und Strukturen zu sichern (Vereinregistereintrag nach jeder jährlichen MV etc.), nur die Kirche darf gemäß Grundgesetz darüber stehen und und eine Clique von "Eunuchen für das Himmelreich" darf tun, was ihr gefällt. Notwehr erscheint mir da der absolut passende Ausdruck!
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#3 LennartAnonym
  • 29.06.2023, 14:14h
  • Ich frage mich, wieso da überhaupt noch Leute Mitglied sind.

    Wie kann man es als angeblicher Christ mit seinem Gewissen vereinbaren, da noch Mitglied zu sein, wenn man sieht, wieviel Dreck die am Stecken haben und wie nach wie vor nur die Spitze des Eisbergs bekannt ist, weil die immer noch so viel wie möglich vertuschen und nur das zugeben, was sich eh nicht mehr vertuschen lässt.
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