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Fußball

BVB-Chef Watzke verteidigt Nmecha-Transfer: "Ein ganz normaler Junge"

Trotz Kritik der Rainbow Borussen und weiteren Teilen der eigenen Fans gibt es für den Dortmunder Club keine Bedenken, den queerfeindlichen Wolfsburger Spieler zu verpflichten.


Felix Nmecha sorgt weiter für Debatten (Bild: IMAGO / Nordphoto)

  • 30. Juni 2023, 09:35h 15 3 Min.

Borussia Dortmunds Clubchef Hans-Joachim Watzke hat die bevorstehende Verpflichtung von Felix Nmecha verteidigt. "Das ist ein ganz normaler Junge, ein normaler junger Fußballer", sagte Watzke der "Süddeutschen Zeitung" nach einem Treffen mit dem Wolfsburger Profi. Der Wechsel ist unter Fans umstritten, weil Nmecha in sozialen Medien homo- und transfeindliche Inhalte geteilt hatte. Das Treffen am letzten Wochenende hatte für viele Schlagzeilen gesorgt, da sich damit der Wechsel des Mittelfeldspielers trotz der Kritik abzeichnete (queer.de berichtete).

Nmecha, der aus einer evangelikalen Familie stammt und immer wieder entsprechende Botschaften in sozialen Netzwerken postet, hatte im Februar für Aufregung gesorgt, als er ein transphobes Video eines amerikanischen Rechtsextremisten teilte (queer.de berichtete). Später bedauerte er das Teilen des Videos teilweise (queer.de berichtete). Trotz der "Entschuldigung" teilte Nmecha Anfang Juni zum Start des Pride-Monats einen weiteren queerfeindlichen Eintrag, dieses Mal vom christlich-queerfeindlichen Instagram-Konto "reformedbychrist". Darin wurde der Pride mit dem Teufel gleichgesetzt (queer.de berichtete). Nmecha hatte zuletzt Mitte Juni via Instagram erklärt, dass er alle Menschen liebe und niemanden diskriminiere.

Viele Fans und Fanmedien wie schwatzgelb hatten sich gegen den Transfer ausgesprochen, da die Äußerungen des derzeitigen Wolfsburg-Spielers nicht mit den Grundwerten des BVB vereinbar seien. In diesen heißt es unter anderem: "Wir werden uns stets für das gesellschaftliche Gelingen einsetzen. Darunter verstehen wir ein Vereinsleben und eine Gesellschaft ohne Rassismus, Antisemitismus, LSBTI+-Feindlichkeit, Sexismus, Gewalt und Diskriminierung."

"Normales Fußballpublikum"

Watzke, der gemeinsam mit Vereinspräsident Reinhold Lunow das Gespräch mit dem 22-Jährigen gesucht hatte, erklärte gegenüber der Zeitung, dass man sich mit dem Spieler einig sei, dass er sich trotz seines Glaubens im Team und Verein nicht "missionarisch" betätigen könne. Nmecha sei aber auch kein Typ, der innerhalb einer Gruppe mit seinen Einstellungen oder seinem Verhalten für Unruhe sorge.

Der Funktionär, der in jungen Jahren in der Jungen Union und der CDU aktiv war, ließ in der Zeitung durchblicken, dass er die Kritik, auch der eigenen Fans, für übertrieben halte: "Dem normalen Fußballpublikum sind diese Themen eher fremd. Sie erwarten vom Fußball erst mal Fußball."

Im Transferbemühen um den Jung-Nationalspieler fehlt nun nur noch die Einigung der beiden Clubs. Eine Ablösesumme von 25 Millionen Euro werden die Dortmunder wohl zahlen müssen. Nmecha steht in Wolfsburg noch bis zum 30. Juni 2025 unter Vertrag und gilt als Nachfolger für den zu Real Madrid gewechselten Jude Bellingham.

Rainbow-Borussen gegen Verpflichtung

Am Montag hatten sich auch die Rainbow-Borussen, der queere Fanclub des Vereins, in einem Gastkommentar bei schwatzgelb.de zu Wort gemeldet. Mit Nmecha sei ein Spieler ins Visier des Vereins geraten, "der seinen christlichen Glauben so fundamental auslegt, dass er Personen ablehnt, die transsexuell sind oder nicht der heterosexuellen Norm entsprechen".

Durch die bisherige Kommunikation des BVB nehme der Kampf um mehr Akzeptanz für queere Fußballprofis wie Fans schweren Schaden: "Sollte es tatsächlich zu einem Transfer kommen, dürften die Schäden für queere Akzeptanz im Fußball immens sein. Denn dann wäre das Signal: der homophobe Spieler ist sehr gut, ist uns viel Geld wert." Der Transfer habe "Sprengkraft" unter den Fans, die sich bereits zeige: "Wer online die Klappe gegen Nmecha aufmacht, hat umgehend diejenigen am Hals, die einem sofort übertriebene wokeness unterstellen."

"Bisher hat Felix Nmecha gezeigt, dass auf seine queerfeindlichen Äußerungen Entschuldigungen folgten, um sich dann wieder queerfeindlich zu äußern", so die Rainbow-Borussen. Statt sich "einen Unruheherd mit Ansage" zu holen, sollte der Verein vom Transfer Abstand nehmen. "Bevor es zu spät ist." (dpa/nb)

-w-

#1 GeldsäckeAnonym
  • 30.06.2023, 11:50h
  • Dass der offizielle Fußball für Geld alles macht, ist allerspätestens seit Qatar klar.
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#2 SeraphinaAnonym
  • 30.06.2023, 12:29h
  • Antwort auf #1 von Geldsäcke
  • In dem Fall von Watzke kann man nicht nur sagen, dass die Funktionäre alles machen für Geld, der Mann war Mitglied in der Jungen Union und es ist sehr sinnbildlich angesichts dessen, dass er die Verpflichtung eines evangelikalen Menschenfeindes und dessen Ansichten verharmlost. Es braucht mir niemand zu erzählen, dass Watzke nicht selbst queerfeindlich wäre und das seine Aussagen und der Transfer "nur" mit dem lieben Geld und möglichen sportlichen Erfolg zu tun hätte. Er stimmt schlichtweg mit Nmechas Ansichten überein.
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#3 WhiteRabbitAnonym
  • 30.06.2023, 12:43h
  • Ich bin zwar kein expliziten Fan des BVB, aber bisher habe ich ihn gerne geguckt. Natürlich konnte man über Personalien immer diskutieren, aber sollte der Transfer wirklich vollzogen werden, wäre ich mehr als nur enttäuscht. Gerade hat sich Bayern vom homophoben Katarsponsor getrennt und der BVB will einen Spieler verpflichten, der wiederholt gegen queere Menschen hetzte?!

    Gerade jetzt, da religiöse Gruppen zusammen mit Rechtsextremen (nicht nur in den USA, Ungarn, Polen etc) kooperieren und bestimmte Medien (in Deutschland z.b. Springer, Cicero, Reichelt) zündeln, die Stimmung immer feindseliger, aggressiver und gewalttätiger wird (Stichwort Pforzheim, Marsch für das Leben...), wäre es ein weiteres fatales Signal.
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