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Interview

"Es gibt immer noch zu wenig queere Figuren in Film und TV"

In "Berlin – Tag & Nacht" spielt Manuel Denniger den schwulen Stylisten Rick. Wir sprachen mit ihm über Parallelen zwischen seinem Leben und seiner Rolle, queere Repräsentanz und Klischees sowie seine Erfahrungen mit homofeindlicher Gewalt.


Manuel Denniger als Visagist und Stylist Rick Meining in "Berlin – Tag & Nacht" (Bild: RTLZWEI)

Seit rund acht Jahren ist Manuel Denniger (mit Ausnahme einer kleinen Auszeit) nun schon bei "Berlin – Tag & Nacht", einer erfolgreichen Reality-Daily-Soap auf RTLZWEI, zu sehen. In der Rolle des sympathischen schwulen Stylisten und Designers Richard "Rick" Meining ist er Millionen von TV-Zuschauer*innen bekannt und sorgt immer wieder für spannende Storylines. Doch nicht nur seine Rolle kommt gut an, sondern auch er als Privatperson. Auf seinem Instagram-Account folgen dem 33-Jährigen über 167.000 Abonnent*innen.

Manuels Leben ist, ähnlich wie in der Daily-Soap, aber nicht nur geprägt von schillernden Momenten. Bereits mehrfach wurde er zum Opfer homofeindlicher Angriffe, so zum Beispiel in einer Berliner S-Bahn. Nachdem er seinen damaligen Freund geküsst hatte, wurde ihm mit der Faust ins Gesicht geschlagen. Umso wichtiger findet Manuel es, dass queere Themen in der Film- und Fernsehwelt stattfinden. Im Interview mit queer.de sieht er jedoch noch Verbesserungsbedarf.


Manuel Denniger feierte am 24. Juni seinen 33. Geburtstag (Bild: privat)

Manuel, du bist bereits seit 2015 als Rick bei "Berlin – Tag & Nacht" zu sehen. Wie sehr hat diese Rolle dein Leben verändert?

Mein Leben hat sich durch meine Rolle bei "Berlin – Tag & Nacht" nicht dramatisch geändert. Klar, gibt man ein Stück Privatleben auf, aber durch meinen Beruf und dadurch, dass ich in der Öffentlichkeit stehe, habe ich die Möglichkeit, mehr Menschen zu erreichen. Und dadurch auch die Chance, vielleicht etwas zu verändern und Menschen aus der LGBTI-Community Mut zu machen, was ich toll finde.

Und wie viel Ähnlichkeit hast du tatsächlich mit deiner Rolle?

Ähnlichkeiten mit meiner Rolle gibt es tatsächlich einige: Meine Rolle Rick hat, genau wie ich, eine Ausbildung zum Visagisten gemacht. Zudem haben sowohl ich als auch meine Rolle ein großes Herz und viel Humor. Ich liebe Fashion und nehme kein Blatt vor den Mund, beides trifft auch auf meine Rolle zu.

Häufig spielen Serien oder Filme überwiegend mit Klischees der LGBTI-Community. Wie nimmst du dies bei "Berlin – Tag & Nacht" wahr?

Ich denke, dass "Berlin – Tag & Nacht" früher generell oberflächlicher und klischeebehafteter war. Die Serie hat in den letzten Jahren aber eine große Entwicklung durchgemacht, und es werden zum Beispiel vermehrt gesellschaftlich relevante Themen aufgegriffen. Das zeigt sich auch an meiner Figur, die sich ebenfalls weiterentwickelt hat und tiefgründiger wurde.

Welche Verantwortung schreibst du Drehbuchautor*­innen hinsichtlich der Aufklärung über die LGBTI-Community zu?

Was die Aufklärung über die LGBTI-Community angeht, haben Drehbuchautor*­innen eine mehr als große Verantwortung, eben weil es für viele Betroffene ein wichtiges Thema ist – und weil die Medien das öffentliche Bild von queeren Personen maßgeblich mitgestalten. Insofern ist nicht nur wichtig, ob queere Charaktere in Film und TV vorkommen, sondern auch wie sie dargestellt werden.

Erinnerst du dich an einen Erzählstrang, den du besonders wichtig für die Sichtbarkeit der Community und ihrer Anliegen fandest?

Da gab es einige. Spontan erinnere ich mich an die Story, als mein Charakter Berlin vorübergehend verlassen hat, da ging es um Homophobie. Anderes Beispiel: Im letzten Jahr gab es einen kurzen Plot zum Thema Ausgrenzung und Diskriminierung im Zusammenhang mit einer Dragqueen, die von einer realen Dragqueen gespielt wurde. In einer anderen Story wurde das Thema Transidentität aufgegriffen, wobei die betreffende Rolle von einem trans Mann gespielt wurde.

Direktlink | Eine Szene mit Rick aus "Berlin – Tag & Nacht"
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Immer wieder werden Stimmen laut, dass es mittlerweile "zu viel" queere Repräsentanz in Serien und Filmen gibt. Geht das denn deiner Meinung nach?

Zu viel queere Repräsentanz in Serien und Filmen kann es gar nicht geben! Es gibt immer noch zu wenig queere Figuren in Film und TV. Ich denke, es wurden einige Schritte in die richtige Richtung gemacht, aber wir sind längst nicht da, wo wir hinsollten.

Zudem gibt es Diskussionen, dass queere Charaktere nur von queeren Personen gespielt werden sollen. Wie siehst du das?

Meiner Meinung nach sollten queere Rollen möglichst schon von queeren Personen gespielt werden. Es gibt genug queere Schauspieler*innen, wieso also diese Rollen nicht mit denen besetzten.

Hat man es als Mitglied der LGBTI-Community schwerer in der Schauspielbranche als ein heterosexueller cis Mann?

Als schwuler Mann hat man es in der Schauspielbranche zu 100 Prozent schwerer, das sieht man ja auch daran, dass immer noch viele Schauspieler ein Doppelleben führen, nur um genug oder weiterhin Rollen zu bekommen, was ich eine sehr traurige Wahrheit finde. Schwule Männer haben es im Berufsleben in vielen Branchen nach wie vor schwerer, ich sage nur "Fußball!"


Rick und Paula in "Berlin – Tag & Nacht" (Bild: RTLZWEI)

Nicht nur als Schauspieler, sondern auch als Privatperson hattest du bereits ein sehr bewegtes Leben. Einer der größten Schicksalsschläge war sicherlich der homophobe S-Bahn-Angriff auf dich. Wie sehr prägt dieser dein Leben heute noch?

Die homophoben Angriffe, die ich erleben musste, sind nach wie vor Bestandteil meines Lebens. Allerdings habe ich sie gut überstanden. Auch wenn immer ein kleines Stück davon zurückbleibt, werde ich mich durch solche Angriffe nicht zurückziehen, mich nicht anders kleiden oder anders leben: I love who I am and no one can take that from me.

Was muss sich in Deutschland – neben queerer Repräsentanz in Serien und Filmen – noch ändern, damit die Homophobie in Zukunft abnimmt?

Neben queerer Repräsentanz in Serien und Filmen halte ich Aufklärungsarbeit in Schulen und Jugendzentren für sehr wichtig, um Vorurteile abzubauen oder gar nicht erst entstehen zu lassen. Aber auch Unternehmen und Institutionen sollten sich gegen Diskriminierung stark machen und für mehr Offenheit und Toleranz einsetzen, auch über den Pride Month hinaus.

-w-

#1 AndiAnonym
  • 03.07.2023, 11:28h
  • "Zu viel queere Repräsentanz in Serien und Filmen kann es gar nicht geben! "

    Erinnert mich an Gianni Infantino und seine Meinung zur Menge an Fußball, mehr Fußball sei immer besser. Dass es auch auf die Qualität ankommt und natürlich ein gewisser Sättigungseffekt eintritt, scheint man nicht wahrhaben zu wollen. Ich jedenfalls finde, dass es nicht mehr Beauty-Schwule in Seifenopern mit 08/15-Geschichten braucht, sondern bessere Figuren in besseren Formaten. Das heißt insbesondere, mehr Figuren in Schwulen-untypischen Berufen, gerne auch mal weniger "schöne" Menschen, gerne auch mal thematisieren, dass nicht nur heterosexuelle Familienväter und alleinerziehende Mütter wirtschaftliche Not leiden.

    "Es gibt genug queere Schauspieler*innen, wieso also diese Rollen nicht mit denen besetzten."

    Man merkt hier schon sehr deutlich, dass er sich mit der Diskussion, die dieser Frage zugrunde liegt, nicht ernsthaft auseinandergesetzt hat.
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#2 Sichtweise2000Anonym
  • 03.07.2023, 11:55h
  • Hm, stereotype Abziehbilder für das gute Gewissen der Gut-Menschen-Heten gibt es viel zu viel.
    Nicht wenige, auch prominente, Repräsentanten der Community, spielen das Spiel gerne mit, und machen sich selber zur Oberfläche, als würden Schminktipps für Kerle und Regenbogenfarbenes Klopapier die Community darstellen.
    Authentische Personen der Community, die sind zu wenig dargestellt.
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#3 MoreLoveLessDramaAnonym
  • 04.07.2023, 09:39h
  • Antwort auf #1 von Andi
  • Das sehe ich genauso! Es iat schön, dass immer mehr Diversität repräsentiert wird, aber auf Formate wie "Berlin Tag und Nacht" kann ich persönlich wirklich getrost verzichten.
    Qualität ist Quantität definitiv vorzuziehen!! Und dass Menschen nicht aufgrund ihrer vermeintlichen Wiedererkennung aufgrund von Klischees abgebildet werden, sondern, dass es eben einfach Menschen sind, die nicht heterosexuell lieben. Ein ganz persönlicher Wunsch von meiner Seite wären zum Beispiel auch einmal lesbische Filme, in denen die eine am Ende nicht zu ihrem Typen zurückkehrt, Selbstmird begeht, ermordet oder vergewaltigt wird oder die ganze Story zum Scheitern verurteilt ist. Wirklich, als junges lesbisches Mädchen denkt man doch, dass die eigene Liebe in einem großen Drama enden muss, wenn nur solche Inhalte dargestellt werden!
    Ansonsten werden lesbische Frauen im Fernsehen oft entweder seeehr butchig dargestellt oder aber so, dass es den Anschein hat, eher auf heterosexuelle Männer zugeschnitten zu sein. Etwas, das ich selbst wirklich als unangenehm empfinde.
    Ich frage mich oft, wer diese Figuren in Film und TV entwirft und vor allem, mit welcher Intention...
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