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Späte Ehrung
Berliner Straße wird nach Inge Meysel benannt
Nach der 2004 verstorbenen Schauspielerin wird künftig eine noch namenlose Straße in Friedrichshain benannt.
- 3. Juli 2023, 16:58h - 2 Min.
Eine bislang namenlose Straße in Berlin wird künftig den Namen von Volksschauspielerin Inge Meysel (1910-2004) tragen. Ein Termin stehe allerdings noch nicht fest, teilte ein Sprecher des zuständigen Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg am Montag der dpa mit. Zuvor hatte die "B.Z." berichtet.
Die Umbenennung der Straße geht auf einen Beschluss der Bezirksverordnetenversammlung im November 2019 zurück. Anfang 2021 wurden die rund 1.500 Anwohnerinnen und Anwohner laut Bezirk befragt, ob sie die Änderung ihrer Adresse mit dem neuen Namen "Inge-Meysel-Straße" haben wollen. Geantwortet hat nach Angaben des Sprechers nur ein Bruchteil: 206 Menschen wollten die alte Adresse behalten, lediglich 32 sprachen sich für die Änderung aus.
Trotzdem solle dem BVV-Beschluss entsprochen werden, hieß es vom Bezirk. Laut "B.Z." seien die Anwohner*innen auch über bisherige Adressen (Pariser Kommune bzw. Franz-Mehring-Platz) erreichbar.
Inge Meysel wurde als Tochter eines jüdischen Tabakhändlers und einer Dänin in Rixdorf geboren, dass heute zum Berliner Bezirk Neukölln gehört. Im Stadtteil Friedrichshain wuchs sie bis zu ihrem 15. Lebensjahr auf. Meysel starb 2004 im Alter von 94 Jahren im niedersächsischen Seevetal.
Die Schauspielerin verkörperte resolute Frauen von der Putzfrau bis zur Diebin und vor allem Mütter, was ihr den Titel "Mutter der Nation" einbrachte. Sie galt als forsche Kämpferin. So wandte sie sich etwa gegen die Diskriminierung gleichgeschlechtlicher Beziehungen und sprach offen über eigene Erfahrungen mit der Liebe zu Frauen: "Wer nicht bisexuell ist, verpasst doch das Beste", sagte sie etwa als 90-Jährige 2001 der "Bunten". Grünen-Bürgermeisterin Clara Herrmann erwähnte in der "B.Z." auch ihren frühen Einsatz gegen die Todesstrafe (1928) oder ihr lebenslanges Eintreten für die Frauenbewegung und die Abschaffung des Paragrafen 218.
In der Hauptstadt erinnert bereits eine Gedenktafel an ihrem früheren Wohnort an der Heylstraße 29 in Schöneberg an Meysel, in Ingolstadt gibt es eine Straße in ihrem Namen. (dpa/cw)















