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Fußball
BVB verpflichtet Felix Nmecha – trotz Kritik auch der eigenen queeren Fans
Die Vereinsführung gab sich "absolut davon überzeugt", dass der Spieler "kein transphobes oder homophobes Gedankengut" in sich trage.

Der BVB präsentierte die Neuverpflichtung stolz auf seiner Webseite (Bild: Borussia Dortmund)
- 3. Juli 2023, 18:37h 4 Min.
Der Transfer von Mittelfeldspieler Felix Nmecha vom VfL Wolfsburg zu Borussia Dortmund ist fest. Der 22-Jährige erhält beim BVB einen langfristigen Vertrag bis 30. Juni 2028, wie der deutsche Fußball-Vizemeister am Montag mitteilte.
Schon vor seinem nun offiziellen Wechsel zum BVB hatte es Diskussionen gegeben, weil Postings von Nmecha in sozialen Netzwerken als queerfeindlich kritisiert wurden. "Uns ist bewusst", werden Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke und Vereinspräsident Reinhold Lunow auf der BVB-Internetseite zitiert, "dass der bevorstehende Transfer in den vergangenen Tagen aufgrund zweier Internet-Postings, die Felix geteilt hat, auch Kritik hervorgerufen hat. Uns war es deshalb wichtig, mit dem Spieler intensiv über seinen Glauben und seine Werte zu sprechen."
Nmecha sei "sehr jung, seine Religion ist tief in ihm verwurzelt und er ist – wie wir alle – sicher nicht fehlerfrei. Aber er hat uns in intensiven Gesprächen absolut davon überzeugt, dass er kein transphobes oder homophobes Gedankengut in sich trägt", bekräftigten Watzke und Lunow. Unter Berufung auf ein weiteres Instagram-Posting des Fußballers ergänzten sie: "Felix hat selbst betont, dass er alle Menschen respektiert und liebt, unabhängig von ihrer Hautfarbe, Religion oder sexuellen Orientierung."
Instagram / felix_nmecha | Nmecha in einem Posting vom 16. Juni
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Das Posting war vom Fan-Medium schwatzgelb.de als "Nonpology" kritisiert worden. Der Spieler wurde am Montag auch in einem pseudo-kritischen Video des neuen Vereins zur Kritik befragt. Darin seien "ein paar Sachen aus dem Kontext genommen worden", betonte er. Er sei "natürlich Christ, aber ich liebe alle Leute. Ich diskriminiere nicht." Er hoffe, dass die Fans ihm die Chance geben, ihn kennenzulernen, sagt er auch in der Vereinsmitteilung.
Fußball, aber normal
Nmecha, der aus einer evangelikalen Familie stammt und immer wieder entsprechende Botschaften in sozialen Netzwerken postet, hatte im Februar für Aufregung gesorgt, als er ein transfeindliches Video eines amerikanischen Rechtsextremisten teilte (queer.de berichtete). Später bedauerte er das Teilen des Videos teilweise (queer.de berichtete). Trotz der "Entschuldigung" teilte Nmecha Anfang Juni zum Start des Pride-Monats einen weiteren queerfeindlichen Eintrag eines christlich-queerfeindlichen Instagram-Kontos. Darin wurde der Pride mit dem Teufel gleichgesetzt (queer.de berichtete). Darauf folgte der Post Mitte Juni, dass er alle Menschen liebe und niemanden diskriminiere.
Dortmunds Clubchef Hans-Joachim Watzke hatte die angestrebte Verpflichtung Ende letzter Woche verteidigt. "Das ist ein ganz normaler Junge, ein normaler junger Fußballer", sagte Watzke der "Süddeutschen Zeitung" nach einem Treffen mit dem Wolfsburger Profi (queer.de berichtete). Dieser wisse, dass er sich trotz seines Glaubens im Team und Verein nicht "missionarisch" betätigen könne. Gegenüber der Zeitung ließ Watzke auch durchblicken, dass er die Kritik für übertrieben halte: "Dem normalen Fußballpublikum sind diese Themen eher fremd. Sie erwarten vom Fußball erst mal Fußball."
Rainbow-Borussen hatten Abstand von Transfer gefordert
Viele Borussen-Fans und -Fanmedien hatten den anstehenden Wechsel hingegen kritisiert. So hatten die Rainbow-Borussen, der queere Fanclub des Vereins, in einem Gastkommentar bei schwatzgelb.de betont, mit Nmecha sei ein Spieler ins Visier des Vereins geraten, "der seinen christlichen Glauben so fundamental auslegt, dass er Personen ablehnt, die transsexuell sind oder nicht der heterosexuellen Norm entsprechen".
Der Club zeige, dass ihm Geld wichtiger sei als die Homophobie des Spielers. Dabei habe der Wechsel "Sprengkraft" unter den Fans, die sich bereits zeige: "Wer online die Klappe gegen Nmecha aufmacht, hat umgehend diejenigen am Hals, die einem sofort übertriebene wokeness unterstellen." Der Spieler habe gezeigt, dass auf Entschuldigungen wieder queerfeindliche Äußerungen folgten. Statt sich "einen Unruheherd mit Ansage" zu holen, sollte der Verein vom Transfer Abstand nehmen.
Auch viele andere Fangruppen hatten krisiert, dass der Wechsel nicht mit den Grundwerten des BVB vereinbar sei. In diesen heißt es unter anderem: "Wir werden uns stets für das gesellschaftliche Gelingen einsetzen. Darunter verstehen wir ein Vereinsleben und eine Gesellschaft ohne Rassismus, Antisemitismus, LSBTI+-Feindlichkeit, Sexismus, Gewalt und Diskriminierung."
Über die genauen Wechselmodalitäten schwiegen die Dortmunder. Dem Vernehmen nach soll die Ablösesumme rund 30 Millionen Euro betragen. Nmecha, der beim BVB den zu Real Madrid gewechselten Jude Bellingham ersetzen soll und die Rückennummer 8 erhält, hatte in Wolfsburg noch einen Vertrag bis zum 30. Juni 2025. Der Bruder von Stürmer Lukas Nmecha hatte sich zuletzt sportlich gut entwickelt und im März auch ein Länderspiel für die deutsche Nationalmannschaft absolviert. (dpa/cw)














