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Dritter Verhandlungstag
Spacey-Prozess: Schauspieler "gestörte Sexualität" vorgeworfen
In dem Strafprozess in London sagte am Montag erstmals ein mutmaßliches Opfer des Schauspielers aus.

Kevin Spacey wurde nach erstmals 2017 geäußerten Vorwürfen zu Taten in den USA und Großbritannien zur Persona non grata in Hollywood – er verlor etwa seine Rolle als Frank Underwood in der hochgelobten Serie "House of Cards" (Bild: Netflix)
- 3. Juli 2023, 19:09h - 3 Min.
Der erste Mann, der im Missbrauchs-Prozess gegen den US-Schauspieler Kevin Spacey in London aussagt, hat diesem eine "gestörte Sexualität" vorgeworfen: "Er war ein sehr verwirrter Mensch. Er wusste nicht, ob er hetero oder schwul war, und er war eindeutig schwul." Der Hollywood-Star, der sich derzeit wegen des Vorwurfs mehrerer sexueller Übergriffe vor einem Gericht in London verantworten muss, habe vor mehr als 20 Jahren begonnen, ihn sexuell zu belästigen, erklärte der Mann, dessen Namen aus rechtlichen Gründen nicht bekanntgegeben wurde, nach Angaben des Gerichts und Medienberichten vom Montag.
Er sagte, der heute 63-jährige Schauspieler habe versucht, ihn mit dem Versprechen, ihn Hollywood-Stars vorzustellen, zu locken, bevor er ihn ein Dutzend Mal begrapscht habe. Obwohl er Spacey gegenüber deutlich machte, dass seine Annäherungsversuche unerwünscht waren, habe der "Triebtäter" insistiert. Spaceys Verhalten soll im Laufe der Zeit eskaliert sein und bei dem Mann ein Übelkeits-, Scham- und Verlegenheitsgefühl hervorgerufen haben. In einer der Jury gezeigten Polizei-Anhörung sagte der Mann, er habe den Star einst zu einer von Elton John veranstalteten Party gefahren, als Spacey seinen Penis so heftig packte, dass er fast einen Unfall gebaut habe.
Warnung vor Spacey soll kursiert haben
Das mutmaßliche Opfer nannte den Schauspieler einen "schlüpfrigen, schlangenartigen, schwierigen Mensch". Gut aussehende junge Männer seien vor Spacey gewarnt worden, sagte er zu dessen Zeit am Londoner Theater Old Vic und verglich den Schauspieler mit dem Serienmörder, den dieser im Film "Sieben" spielt.
"[Spacey] war auch sehr großzügig", sagte der Mann. "Er gab mir und meiner Freundin Plätze in der ersten Reihe bei Premieren und ein Abendessen mit ihm. Das ist es, was sie tun, sie versuchen, dich zu ködern: 'Ich gebe ihnen das und sie werden nichts sagen.'"
In einem Kreuzverhör, bei dem der Mann hinter einem Vorhang aussagte, stritt er ab, "aufgeregt" über die Treffen gewesen zu sein: "Ich fühlte mich übel, es war mir sehr unangenehm." Auch finanzielle Motive stritt er ab: "Mir geht es in meinem Leben ausgesprochen gut und ich könnte auf den Stress verzichten. Es war die Tatsache, dass es in den Nachrichten war und mir alles wieder einfiel. Es löste in mir dieselben Gefühle wie damals aus, und dann der Gedanke, dass einige andere mutig genug waren, sich zu melden. Es veranlasste mich, nach vorne zu treten und auch die Wahrheit zu sagen."
Zwölf Anklagepunkte zu vier Männern
Zum Prozessauftakt in der letzten Woche hatte die Staatsanwaltschaft den Oscar-Preisträger als "sexuellen Bully" beschrieben, dessen "bevorzugte Angriffsmethode" darin bestehe, "anderen Männern aggressiv in den Schritt zu packen" (queer.de berichtete).
Spacey muss sich wegen der mutmaßlichen sexuellen Übergriffe vor dem Strafgericht Southwark Crown Court in der britischen Hauptstadt verantworten. Der Hollywood-Star, der aus Filmen wie "Die üblichen Verdächtigen" und "American Beauty" sowie der erfolgreichen Netflix-Serie "House of Cards" bekannt ist, weist alle zwölf Anklagepunkte zurück und will das Gericht nach eigenen Worten von seiner "Unschuld" überzeugen.
Spacey werden zwölf Vergehen gegen vier Männer in den Jahren 2001 bis 2013 in London und in Gloucestershire im Südwesten Englands zur Last gelegt, Die Vorwürfe reichen von sexueller Belästigung über sexuellen Übergriff ("assault") bis hin zu Nötigung zum Geschlechtsverkehr. (afp/cw)














