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Oberfranken
"Herr Bürgermeister, wo bleibt das Bekenntnis der Stadt Bayreuth?"
Mitglieder des Queer Bayreuth e.V. haben den Rathauseingang mit einem überdimensionalen Regenbogen geschmückt. Sie wollen damit Oberbürgermeister Thomas Ebersberger (CSU) an die Umsetzung des queeren Grundsatzprogramms erinnern.

Eigeninitiative in Bayreuth: Queer Bayreuth zeigt Flagge am Rathaus (Bild: Queer Bayreuth e.V.)
- 10. Juli 2023, 05:02h 2 Min.
"Die Bayreuther Prideweek beginnt, und davon sieht man wieder nichts", beschwert sich Philip Ammon-Grießhammer, Vorsitzender des Vereins Queer Bayreuth. Deshalb haben er und seine aktivistischen Mitstreiter*innen beschlossen, das Zepter selbst in die Hand zu nehmen. In der Nacht von Sonntag auf Montag, pünktlich zum Beginn der Prideweek, haben sie kurzerhand den Eingang des Rathauses mit einem überdimensionalen Regenbogen verziert.
Vage Ankündigungen aus dem Rathaus würden nicht in die Tat umgesetzt, kritisiert Queer Bayreuth. "Die versprochene Regenbogenbank steht nicht, und an gleichgeschlechtliche Ampelmännchen ist in Bayreuth auch nicht zu denken", so Ammon-Grießhammer. Aus dieser Unzufriedenheit heraus wollten einige Mitglieder selbst aktiv werden und ein Zeichen setzen. Die Entscheidung fiel auf einen überdimensionalen Regenbogen, um Oberbürgermeister Thomas Ebersberger (CSU) und den Stadtrat an das beschlossene queere Grundsatzprogramm zu erinnern.
Beschlossenes Queer-Programm wird nicht umgesetzt
Die Forderungen der Aktivist*innen sind deutlich weitreichender als reine Symbolpolitik. Sie fordern, dass sich die Stadt Bayreuth zukünftig für die polizeiliche Erfassung queerfeindlicher Hasskriminalität einsetzt und insbesondere, dass das beschlossene queere Grundsatzprogramm in die Tat umgesetzt wird. "Gleichstellungsrat – Fehlanzeige. Städtische Preisverleihung zum Thema Queer – Fehlanzeige. Spezialisierte Antidiskriminierungsstelle – Fehlanzeige", zählt der Vorsitzende die wichtigsten Eckpunkte des Grundsatzprogramms auf, welche nicht eingehalten werden.
Auch die Queerbeauftragte der Stadt Bayreuth, Manuela Solley, wird in der queeren Community vermisst. "Ich stand mit Frau Solley gelegentlich in Kontakt. Viele Mitglieder der Community würden sie kennen lernen wollen", sagt Philip Ammon-Grießhammer. "Auf mehrere Einladungen unsererseits hat sie nicht reagiert. Wir fühlen uns vernachlässigt."
Unterstützung von der Linken
Der Bezirksspitzenkandidat der Linken Max Tetzner beteiligte sich an der Protestaktion: "Politik muss die verschiedenen Bedürfnisse der Menschen aufnehmen. Das queere Grundsatzprogramm darf kein Lippenbekenntnis bleiben", so Tetzner. "Auch den Bezirk Oberfranken werden wir künftig verstärkt in den Blick nehmen. In und um Bayreuth existiert keine Pflegeeinrichtung, die den Bedürfnissen alternder queerer Menschen gerecht wird."
Während der Prideweek Regenbogenfahnen auf dem Rathaus, das wäre laut Philip Ammon Grießhammer ein erstes Zeichen der Solidarität: "Herr Oberbürgermeister Ebersberger, selbst in Kulmbach klappt das mit den Regenbogenfahnen am Rathaus. Wo bleibt Ihr Bekenntnis?" (cw/pm)














