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- 10. April 2006 3 Min.
Vom Tellerwäsche zum Millionär auf Italienisch: Die Transsexuelle Vladimir Luxuria aus dem armen Süden zieht ins neue Parlament.
Von Dennis Klein
Gegen sie wirkt selbst Deutschlands Vorzeigetranse Olivia Jones blass: Vladimir Luxuria hat heute als erste "übergeschlechtliche Person" (Luxuria über Luxuria) den Einzug ins italienische Parlament geschafft. Sie ist Spitzenkandidatin der kommunistischen Wahlliste in der Hauptstadt Rom. Die Rifondazione Communista will allerdings – anders als die Linkspartei.PDS im Bund – keine Fundamentalopposition sein: Sie ist Teil des Mitte-Links-Bündnisses unter Führung von Romano Prodi. Nach ersten Hochrechnungen erhält Luxurias Partei fünf bis sieben Prozent der Stimmen – und wird wahrscheinlich einiges zum Machtwechsel beitragen. Denn Prodis Bündnis liegt knapp vor Berlusconi.
Luxuria ist inzwischen eine Ikone der Schwulenbewegung in Italien. Sie bezeichnet sich selbst als weder Frau noch Mann – nur als "eine Person auf der Suche nach einem Ehemann". 1994 hat sie den ersten CSD in Rom organisiert und sich lautstark für die Gleichstellung von Schwulen, Lesben und Transsexuellen eingesetzt. Ihr Leben begann aber unscheinbar in der Region Apulien im armen Südostitalien. 1965 als Vladimiro Guagagno geboren, fühlte sie sich bereits als Jugendlicher in ihrem (seinem) Körper nicht ganz wohl. Außerdem war sie sowohl zu Männern und zu Frauen hingezogen – ein kaum lösbarer Konflikt in der tiefkatholischen Provinz. Also entschied sie sich, den traditionellen Weg zu gehen – den ins Kloster. Allerdings hielt sie das nicht lange durch. Als 20-Jährige brach sie mit der Vergangenheit, ging in den Sündenpfuhl Rom und tobte sich dort aus. Sie nahm Hormone und illegale Drogen und machte sich als Drag-Queen in Schwulenclubs einen Namen. Geld verdiente sie unter anderem als Prostituierte. Untätig war sie während dieser Sturm- und Drangphase nicht: Sie studierte Literaturwissenschaften und schaffte ihr Diplom. Als Aktivistin für Homo-Rechte erlangte sie bald einen hohen Bekanntheitsgrad.
In die Politik schaffte sie den Seiteneinstieg, weil sie – und das unterscheidet sie von Olivia Jones – wirklich ein Programm hat. Auch darum hat ihr Parteichef Fausto Bertinotti den ersten Listenplatz in Rom geschenkt. "Ich will bei der Schaffung einer multiethnischen, multireligiösen und multisexuellen Gesellschaft mithelfen, und die Vielfalt als Wert und Möglichkeit, nicht als Bedrohung durchsetzen", so umschreibt sie ihre Agenda. Neben sozialen Themen und der Legalisierung von Drogen stehen vor allem Homo-Rechte auf dem Plan. Kommt es wirklich zum Regierungswechsel, hat sie gute Chance, viele ihrer Vorhaben auch umzusetzen. Immerhin hat der Mitte-Links-Chef Romano Prodi bereits im Wahlkampf angekündigt, Eingetragene Partnerschaften einführen zu wollen.
"Manche fühlen sich angepisst, weil ich als erste transsexuelle Kandidatin ins Parlament kommen werde", so Luxuria zu Reportern. "Ich sage, dass das Parlament dann ein Ort sein wird, der alle Formen der Gesellschaft repräsentiert – sogar Transsexuelle." Im Wahlkampf musste sich Luxuria – die dort stets betont dezent auftrat – so einiges anhören: So sagte ihr die faschistische Europaabgeordnete Alessandra Mussolini in einer TV-Show: "Es ist besser, Faschist zu sein, als eine Schwuchtel" (queer.de berichtete). "Ich habe ihr nur geantwortet, sie sei ungehobelt", so Luxuria. "Eine moderate Sprache empfinde ich als politische Tugend". Mussolinis Partei erreichte ersten Hochrechnungen zufolge gerade einmal einen Prozent.
10. April 2006
Links zum Thema:
» Vladimir Luxuria















allen, die in europa eine ähnliche karriere hinlegen wollen, steht nichts im
wege. hier die liste der parteien der vereinigten europäischen linken im europa-parlament, also kanzlerin des herzens, auch europa steht dir offen:
Zypern
Aufbaupartei des Werktätigen Volkes
Tschechische Republik
Kommunistische Partei Böhmens und Mährens
Finnland
Linke Allianz
Frankreich
Parti Communiste Français
Deutschland
Die Linkspartei/PDS
Griechenland
Synaspismos
Kommunistische Partei Griechenlands
Irland
Sinn Féin
Italien
Partito della Rifondazione Comunista
Partito dei Comunisti Italiani
Niederlande
Socialistische Partij
Portugal
Kommunistische Partei Portugals
Slowakei
Komunistickà Strana Slovenska
Spanien
Izquierda Unida
Schweden
Linkspartei