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Ampel-Koalition
Buschmann: SBGG-Beschluss "zügig nach der Sommerpause"
Bundesjustizminister Marco Buschmann erwartet eine Verabschiedung des geplanten Selbstbestimmungsgesetzes durch das Bundeskabinett erst im Herbst. In der Debatte um die Reform kritisiert er "zwei unversöhnliche Weltanschauungen".

Bundesjustizminister Marco Buschmann (FDP) rechnet mit einer "lebhaften" Debatte über das Selbstbestimmungsgesetz im Bundestag (Bild: Sandro Halank / wikipedia)
- 14. Juli 2023, 03:31h 2 Min.
Laut Bundesjustizminister Marco Buschmann (FDP) wird das geplante "Gesetz über die Selbstbestimmung in Bezug auf den Geschlechtseintrag" (SBGG) vermutlich erst im Herbst 2023 vom Bundeskabinett verabschiedet. Der Entwurf für das Gesetz solle "zügig nach der Sommerpause" beschlossen werden, sagte der FDP-Politiker am Freitag der "Rheinischen Post". Das Parlament müsse endlich über das Reformvorhaben beraten können. "Die vom Innenministerium aufgeworfenen Fragen werden sich lösen lassen", meinte Buschmann.
Der von der Ampel-Koalition angekündigte Zeitplan für das Selbstbestimmungsgesetz wurde bereits mehrfach nicht eingehalten. Erste Eckpunkte zum SBGG hatten der Justizminister und Familienministerin Lisa Paus (Grüne) im Juni 2022 in der Bundespressekonferenz vorgestellt (queer.de berichtete). Erst knapp ein Jahr später, im Mai 2023, wurde ein gemeinsamer Referentenentwurf veröffentlicht (queer.de berichtete).
Der Streit um Details, Einschränkungen und Formulierungen ging jedoch weiter, zu dem versprochenen Kabinettsbeschluss vor der Sommerpause kam es nicht. Zuletzt meldete Innenministerium Nancy Faeser (SPD) überraschend Bedenken an. Das Bundeskriminalamt befürchtet, dass Straftäter*innen durch eine Änderung des Geschlechtseintrags und des Vornamens die eigene Identität etwa vor Strafverfolgungsbehörden verschleiern könnten (queer.de berichtete).
Buschmann: "Niemand schafft die Geschlechter ab"
In einem Interview mit dem Magazin "Legal Tribune Online" kritisierte der Justizminister die Diskussion um das Reformvorhaben. "In der öffentlichen Debatte um das Selbstbestimmungsgesetz treffen teilweise zwei unversöhnliche Weltanschauungen aufeinander: Ein harter Empirismus, der nach seinem Verständnis allein mit äußeren biologischen Fakten argumentiert und keinen Raum für die Identität eines Menschen anerkennt; und ein radikaler Konstruktivismus, der sagt, Biologie sei völlig unerheblich", meinte Buschmann. "Was dabei oft unter den Tisch fällt: Unser Gesetzentwurf verhält sich gar nicht zu diesem weltanschaulichen Konflikt."
Niemand schaffe die Geschlechter ab, so der FDP-Politiker. "Wir sind indes überzeugt: Der Staat muss die geschlechtliche Identität von Menschen akzeptieren; er darf ihnen das Leben nicht unnötig schwer machen; denn im liberalen Verfassungsstaat haben die Menschen Rechte, sie haben Würde. Und davon umfasst ist auch das Recht auf Achtung der geschlechtlichen Identität. Nur darum geht es beim Selbstbestimmungsgesetz."
Dass sich die öffentliche Diskussion um die Rechte von trans, inter und nichtbinären Menschen beruhigt, glaubt Buschmann jedoch nicht. Der "Rheinischen Post" sagte der Minister: "Ich rechne damit, dass die Debatte um das Selbstbestimmungsgesetz im Bundestag lebhaft wird." (mize)
Links zum Thema:
» Der Referentenentwurf als PDF













