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Queere Geschichten aus Bollywood

Vom 19. bis zum 23. Juli 2023 findet in Stuttgart das 20. Indische Filmfestival statt, das größte seiner Art in Europa. Um queere Themen geht es in gleich zwei der gezeigten Spielfilme, einer Doku sowie drei Kurzfilmen.


Szene aus dem Spielfilm "Pine Cone" von Onir (Bild: Keine Autoreninfo)

"Mit dem ersten Mainstream-Hindi-Spielfilm 'Pine Cone' lässt der mit dem National Award ausgezeichnete indische Regisseur und Gay-Aktivist Onir die Regenbogenfahne über dem 20. Indischen Filmfestival Stuttgart wehen." So wirbt das Fest in der Schwaben-Metropole für den Eröffnungsfilm von Kashish, dem größten Queer-Festival von Südasien.

"Mein Film feiert die Schönheit von Regenbogen-Leben", kommentiert Regisseur Onir, der seit seinem Debüt "My Brother Nikhil" im Jahr 2005 als eine der prominenten queeren Stimmen von Indien gilt. Diesmal erzählt er die autobiografisch inspirierte Lovestory von Sid und seiner Suche nach der Liebe. Erzählt werden drei Storys im Jahr 1999, 2009 und 2019. Im ersten Teil, zugleich das Jahr des ersten Pride in Indien, erlebt Sid als Schüler seine erste schwule Liebe. Zehn Jahre später, erstmals wird in Indien die Homosexualität entkriminalisiert, erkundet der kommende Filmemacher Sid die einschlägigen Chatrooms und findet seine zweite große Liebe. Im letzten Zeil schließlich lebt Sid in einer glücklichen Beziehung und zieht Bilanz.

Die Produktion war nicht einfach, die Finanzierung kam von Freund*innen, die Crew bestand aus nur 17 Mitwirkenden. "Ich habe keine Plattform oder ein Studio gefunden, das mich unterstützt, da die meisten die Geschichte 'zu schwul' finden und nicht für ein größeres Publikum geeignet, denn die Ehe für alle ist in Indien rechtlich nicht anerkannt", berichtet Onir. Die per Petition vor dem Obersten Gerichtshof in diesem Jahr geforderte Ehe-Öffnung wird von der Zentralregierung, der rechtskonservativen BJP sowie religiösen Organisationen vehement abgelehnt. (Vorstellung am Freitag, 21. Juli, 18 Uhr, EM Kino; Onir ist dabei anwesend).

Zwei trans Frauen werden aus ihrer Wohnung geworfen

Der zweite queere Spielfilm in Stuttgart stand bereits auf dem Spielplan des renommierten BFI-Flare in London: In "A Place of Our Own" begleitet das Ektara Collective die beiden trans Frauen Laila and Roshni, die in Bophal als enge Freundinnen zusammenleben. Als sie vor ihrer Wohnung von einem Mann bedroht werden, bitten sie den Vermieter um Hilfe. Doch statt zu helfen, wirft er das Paar skrupellos aus der Wohnung.


Szene aus "A Place of Our Own"

Es folgt eine schwierige und frustrierende Suche nach einem neuen Zuhause. Was sich zugleich zu der Suche nach einem Platz in der indischen Gesellschaft entwickelt. Während die selbstbewusste Laila mit ihrem Uni-Abschluss einen guten Job als Beraterin hat und offen lebt, muss sich Köchin Roshini bei einer wohlhabenden Familie als Mann präsentieren, um ihren Job nicht zu verlieren. (Vorstellung am Freitag, 21. Juli, 14 Uhr, EM2 Kino).

Doku "Parlingi" begleitet trans Sicherheitskraft

Der Dokumentarfilm "Parlingi" von Suraj Uddhav Madhale begleitet eine trans Person, die sich als Sicherheitskraft durchschlägt. Die traurige Alternative zum Überleben wäre Sex-Arbeit oder Betteln. (Vorstellung am Freitag, 21. Juli, 14 Uhr, Cinema)

Um Diversität geht es in den drei Kurzfilmen: "Thodi Si Kushi – A bit of happniness" von Ashish Madurwar schildert einen Tag im Leben einer trans Person, die mit einem Mann mit Handicap zusammenlebt (Freitag, 21. Juli, 16 Uhr, Kurzfilm-Block, Cinema). In "Kannagi' von Ezhil Vinod Selvan durchleben zwei beste Freunde ihre Pubertät (Donnerstag, 20. Juli, 18 Uhr, Cinema).

Und in "Muhafiz – The Protector" von trans Regisseurin Pradipta Ray will Samir einen bärtigen Muslim verführen, den er vor einem wütenden Hindu-Mob bei sich in seiner Werkstatt versteckt hat. Als er keinen Erfolg hat, wirft er Rafiq hinaus. Doch der kehrt bald wieder zurück. Als Rafiq seine Sicht der Dinge erläutert, erkennen beide, dass sie mit ganz ähnlichen Problemen zu kämpfen haben. Um zu fliehen und um dessen muslimische Identität zu verbergen, rasiert Samir Rafiqs Bart ab. Beim Fluchtversuch werden sie vom Mob aufgehalten – und die Situation eskaliert. (Freitag, 21. Juli, 16 Uhr, Kurzfilm-Block, Cinema).

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