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Streit um Regenbogenuhren
Swatch klagt gegen Malaysia
Malaysia hat Pride-Uhren der Marke Swatch in Einkaufszentren beschlagnahmen lassen. Das will sich der Produzent nicht gefallen lassen.

Diese 80-Franken-Uhr ist zu heiß für Malaysia (Bild: Swatch)
- 17. Juli 2023, 15:19h 2 Min.
Die schweizerische Uhrenfirma Swatch hat nach einer offensichtlich aus Queerfeindlichkeit erfolgten Razzia die malaysischen Behörden verklagt. Wie der Nachrichtensender Al Jazeera meldet, fordert die Swatch Group die Rückgabe von 172 Pride-Armbanduhren, die im Mai wegen "LGBT-Elementen" von Beamt*innen sichergestellt wurden. Die Klage sei bereits am 24. Juni eingereicht worden.
Bei der Razzia sind Armbanduhren im Regenbogen-Design in mehreren Einkaufszentren beschlagnahmt worden (queer.de berichtete). Dabei berief sich die Polizei auf ein Gesetz aus dem Jahr 1948, nach dem Firmen bestraft werden können, wenn sie sittenwidrige Artikel verkaufen.
Die Pride-Swatch-Serie besteht aus sechs Uhren in den Farben des Regenbogens. Alle Zeitmesser enthalten außerdem am Armband eine Regenbogenfahne. Auf den Minutenzeigern sind je nach Farbe Worte abgebildet, die der Regenbogenfahne zugeordnet werden – die rote Uhr enthält etwa den Aufdruck "Life", die gelbe "Sunlight" oder die grüne "Nature". Auf ihrer deutschsprachigen Seite erklärt die Firma: "Dieses Jahr feiern wir die Pride mit einer bunten Uhrenkollektion, die von der Pride-Flagge selbst inspiriert ist."
Swatch: Uhr stört öffentliche Ordnung nicht
Swatch erklärte in seiner Klage, die Ware hätte einen Wert von rund 65.000 Ringgit (knapp 13.000 Euro). Es habe keine rechtliche Grundlage für die Beschlagnahmung gegeben. Die Uhren hätten keine direkte Verbindung zu LGBTI-Aktivismus. "Ohne Zweifel hatten und haben die beschlagnahmten Uhren nicht die Macht, die öffentliche Ordnung oder die Moral zu stören", so das Unternehmen.
In der Klage ist unter anderem das malaysische Innenministerium aufgeführt. Eine erste Anhörung soll laut AFP am Donnerstag stattfinden. Bislang hat sich die Regierung des Landes nicht öffentlich zu dem Fall geäußert.
Bereits im Mai hatte Swatch-Vorstandschef Nick Hayek die Beschlagnahmung scharf kritisiert: "Wir bestreiten nachdrücklich, dass unsere Uhrenkollektion in Regenbogenfarben und mit einer Botschaft des Friedens und der Liebe für irgendjemanden schädlich sein könnte." Er erklärte weiter: "Wir fragen uns, wie das Ministerium für innere Angelegenheiten die vielen schönen natürlichen Regenbögen beschlagnahmen will."
Auf gleichgeschlechtliche Liebe steht in Malaysia bis zu 20 Jahre Haft. Das Land vollstreckte sogar Folterstrafen gegen nach entsprechendem Scharia-Recht verurteilte Personen (queer.de berichtete). Auch trans Menschen werden verfolgt (queer.de berichtete). 60 Prozent der Bevölkerung in Malaysia sind muslimischen Glaubens. Der Islam ist Staatsreligion und viele islamische Gelehrte sehen Homosexualität als Verbrechen an, das sich gegen die Religion wende. (dk)















Sittenwidrig? Eine simple Armbanduhr! Wegen ein paar Regenbogenfarben die man kaum wahrnimmt. Diese Klage von Swatch müsste doch zu Gewinnen sein!
Die ganz zaghafte Liberalisierung des benachbarten Singapur ist leider in Malaysia noch nicht angenommen.