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Pläne der Gleichstellungsministerin

England: Müssen Lehrkräfte bald ihre trans Schüler*­innen zwangsouten?

Dass die britische Regierung ihre Mehrheit auch mit transfeindlichen Äußerungen und Maßnahmen absichert, ist bekannt. Nun will sie Lehrer*innen zwingen, transgeschlechtliche Schutzbefohlene an ihre Eltern zu verraten.


Großbritannien macht politischen Druck auf das Lehrer*innen-Schüler*innen-Verhältnis (Bild: annemcdon / pixabay)
  • 18. Juli 2023, 12:28h 6 4 Min.

Seit Längerem ist es bereits erwartet worden, in dieser Woche könnte es so weit sein. Die britische Gleichstellungsministerin Kemi Badenoch möchte Lehrer*innen in England künftig dazu verpflichten, transgeschlechtliche Schüler*innen bei ihren Eltern zu outen – und zwar bereits dann, wenn Kinder und Jugendliche ihr Geschlecht hinterfragen.

Am Sonntag sprach die Ministerin im BBC-Fernsehen mit einer Journalistin über kommende, vom Ministerium herausgegebene Leitlinien. Die würden in der Angelegenheit "Klarheit" schaffen, kündigte Badenoch an.

Gleichstellungsministerin: "Nicht zu viel spekulieren"

Was genau enthalten sei, das wollte Badenoch indes noch nicht vorab veraten. Es gebe momentan viel Verwirrung darüber, was das Gesetz vorschreibe. Es sei wichtig, dass Eltern im Bilde seien, was mit ihren Kindern los sei und was ihnen in der Schule passiere. "Also ist, was wir tun: sicherstellen, dass wir stabile Vorgaben haben, die Überprüfungen standzuhalten in der Lage sind und diese Vorgaben werden in Bälde kommen."

Die Journalistin hakte nach. Ob es möglich sei, dass es zu einer Situation komme, in der transgeschlechtliche Schüler*innen das Gefühl haben könnten, dass Lehrer*innen sie gegenüber ihren Eltern outen, sogar gegen ihren Willen? Antwort von Badenoch: Es sei am besten, nicht zu viel darüber zu spekulieren, was in den Leitlinien stehen werde. Und: Es sei besser, sie ganz und im Kontext zu lesen, so Badenoch.

Doch statt sich selbst an diese Ankündigung zu halten, auf die Leitlinien zu warten, fügte die Ministerin über Transgeschlechtlichkeit an: "Der Fakt ist: Das ist keine triviale Sache. Das ist etwas gegenüber sexueller Orientierung sehr unterschiedliches und was richtig ist, ist, dass Eltern wissen, was mit ihren Kindern in der Schule los ist." Es sei nicht Sache der Lehrer*innen, Kinder zu erziehen, sondern Sache der Eltern.

Warnungen aus den Lehrer*innenzimmern

Bereits im Frühjahr hatten Sprecher*innen von Lehrer*innengewerkschaften gewarnt, dass die Regierung einen Kulturkampf an Schulen auch deshalb anzetteln wolle, um von den tatsächlichen Problemen abzulenken, etwa der Unterfinanzierung oder der Knappheit an Lehrkräften. Die Konsequenzen für LGBTI-Schüler*innen bereiten Lehrer*innen Sorgen.

Ein*e Lehrkraft etwa sagte dem "Observer" gegenüber anonym: "Am Freitag habe ich spät noch gearbeitet, als ein Kind kam, das sehr mitgenommen war, nachdem es seinen Eltern gesagt hatte, dass es trans sei. Das College war der einzige Ort, an dem es sich sicher gefühlt hatte." Die Regierung beschuldigte die Lehrkraft, eine Atmosphäre der Angst herzustellen, in der sich junge Leute nicht mehr sicher fühlten, sich für Unterstützung an ihrer Lehrer*innen zu wenden.

"Wir hatten Androhungen von Gewalt gegenüber Schüler*innen von Eltern. Wir hatten Schüler*innen, für die es nicht sicher ist, nach Hause zu gehen und die im Haus von Freund*innen bleiben müssen, weil ihre Eltern herausgefunden haben, dass sie homosexuell sind oder sie verdächtigten, sich mit einem anderen Geschlecht zu identifizieren."

Kemi Badenoch ist seit Oktober vergangenen Jahres Ministerin für Gleichstellung im Kabinett Richi Sunak. Auch der Premier gilt als transfeindlich und macht immer wieder mit Verbalattacken Stimmung im sowieo schon erhitzten Kampf um Trans-Rechte in Großbritannien. Und als der queerfeindliche republikanische Gouverneur aus dem US-amerikanischen Florida, Ron DeSantis, im April auf der Insel zu Besuch war, erstattete er Badenoch nicht nur einen Besuch, sondern lobte sie auch öffentlich. Das, was er in Florida tue, versuche sie in Großbritannien nachzumachen, habe sie ihm gesagt.


Ron DeSantis (li.) besuchte Kemi Badenoch (re.) in Großbritannien (Bild: Government of Florida / wikipedia)

Im Frühjahr wurde bekannt, dass Sunak und Badenoch eine Revision des britischen Anti-Diskriminierungsgesetzes "Equality Act" aus 2010 planen. Grund auch hier, das längst etablierte Gesetz wieder umzuschreiben: Die Tories wollen den Diskriminierungsschutz für transgeschlechtliche Frauen zurückdrehen. Sie planen nichts geringeres als die Einführung von Verboten zur Nutzung von geschlechtsspezifischen Räumen wie Toiletten, Umkleidekabinen oder Frauenbereichen in Krankenhäusern. Das Diskriminierungsmerkmal des Geschlechts soll sich künftig nur noch auf das "biologische Geschlecht" beziehen (queer.de berichtete).

Dass die Regierung transgeschlechtliche Frauen aus Frauenbereichen von Krankenhäusern vertreiben will, könnte auch mit der Baronin Emma Nicholson zu tun haben, die einen Sitz im Oberhaus des britischen Parlaments innehat. Im März 2022 erzählte sie dort, dass bereits ein Jahr zuvor eine trans Frau eine andere Patientin in einem solchen Frauenbereich vergewaltigt, das Krankenhaus die vermeintliche Täterin jedoch gegenüber der Polizei gedeckt habe (queer.de berichtete). Doch obwohl Nicholson damals beteuerte, dass die Tat bewiesen sei, weil es Überwachungskameras gegeben habe, gibt es bis heute keine Bestätigung für den Fall. Britische Medien aber interessieren sich dafür nicht. (jk)

-w-

#1 pmzzoAnonym
  • 18.07.2023, 19:18h
  • Badenoch als Gleichstellungsbeauftragte ist halt auch eine etwas ... spezielle ... Wahl. Sie ist nicht ganz so ungeeignet wie es z.B. Beatrix von Storch wäre, aber viel fehlt nicht. Sie ist definitiv am rechtesten Rand bei den Tories.
    Diese Erosion von Transrechten ging allerdings schon lange vorher los. Als ich noch in England gewohnt habe, ging es auf der Arbeit auch mal drum, ob Transpersonen auf Arbeit sozial transitionieren dürften, und z.B. unkompliziert ihren neuen Namen auf den Betriebsausweis schreiben lassen. Die allgemeine Position war "sehr gerne, wenn sie uns ein Gender Recognition Certificate vorlegen können" (die Betroffenen hätten dann trotz offiziellem neuen Geschlechtseintrag aufs Behindertenklo gehen müssen, das im Übrigen permanent kaputt war). Das Problem: Eine der Voraussetzungen für ein GRC ist, im sozialen Leben, also auch im Beruf, im Zielgeschlecht für eine gewisse Zeit gelebt zu haben. Wenn ich mich richtig erinnere, gilt ein Betriebsausweis mit dem neuen Namen ein Nachweis für die soziale Transition. Dabei sind die Briten normalerweise, jedenfalls bei Cispersonen, sehr locker, was Namen angeht. Etliche Kollegen hatten einen Vor- oder Nachnamen im Betriebsausweis, der nicht im Pass steht, also z.B. einen Rufnamen, der nichts mit den eingetragenen Vornamen zu tun hatte, oder Verheiratete oder Geschiedene, die einen alten Nachnamen weiterverwenden oder gar den Mädchennamen der Mutter, der nicht (mehr) im Pass steht.
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#2 YutoAnonym
  • 19.07.2023, 02:31h
  • Das geht echt gar nicht und wird über kurz oder lang schaden bei den Zwangs geouteten anrichten. Man sollte sich outen, wenn man dazu bereit ist und nicht anders.
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#3 TomAteAnonym
  • 19.07.2023, 11:14h
  • "Kemi Badenoch möchte Lehrer*innen in England künftig dazu verpflichten, transgeschlechtliche Schüler*innen bei ihren Eltern zu outen und zwar bereits dann, wenn Kinder und Jugendliche ihr Geschlecht hinterfragen.

    Das ist doch das ALLERLETZTE! Wenn du dich der Lehrperson gegenüber öffnest und Fragen stellet, dann scheint zu dieser ja ein gewisses Vertrauensverhältnis zu bestehen. Dieses dadurch zu zerstören, dass Lehrpersonal dazu verpflichtet wird, das Elternhaus zu involvieren, ist doch katastrophal für die Psyche. Wem können Kinder und Jugendliche sich anvertrauen, wenn beispielsweise das Elternhaus eben nicht die Sicherheit bietet?

    Wie kann jemand mit solchen Ideen Gleichstellungsbeauftragte sein?

    Abgesehen davon: Für mich ist das Konzept des sich outens" irgendwie absurd, weil ich mich selbst einfach so gar nicht anders oder falsch fühle und das gleiche auch für andere LGBTI Menschen empfinde.
    Oute ich mich auch als hetero, wenn ich jemanden des anderen Geschlechts date? Oder wenn ich einen Penis habe, cis bin und mich als Mann identifiziere?
    Du Ole, ich muss dir etwas sagen, ich habe einen Penis und fühle mich schon lange als Mann... Ich hoffe, das belastet unsere Freundschaft nicht.
    Für mich fühlt es sich befremdlich an, wenn mir jemand sagt, ich hätte mich geoutet, nur weil ich ganz natürlich von meiner Partnerschaft rede, so wie andere in hetero Konstellationen auch.
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