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"Statement für eine vielfältige Gesellschaft"

Queere Ampeln bald auch in Berlin?

Die grüne Bezirksbürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg wünscht sich gleichgeschlechtliche Ampelpärchen in der Hauptstadt. Die CDU-Verkehrssenatorin winkt nicht gleich ab und lässt erstmal prüfen. Etwas skeptisch ist die Linke.


Bald auch in der selbsternannten Regenbogenhauptstadt? Lesbische und schwule Ampelpärchen in München (Bild: Nico Kaiser / flickr)
  • 26. Juli 2023, 00:56h - 4 Min.

Der Berliner Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg würde gerne an Fußgängerampeln künftig neben Ampelmännchen auch gleichgeschlechtliche Ampelpärchen zeigen. Bezirksbürgermeisterin Clara Herrmann (Grüne) wandte sich deshalb Mitte Juni schriftlich an Verkehrssenatorin Manja Schreiner (CDU) und bat um Unterstützung. "Lassen Sie uns gemeinsam in Friedrichshain-Kreuzberg ein klares Zeichen setzen und hier die ersten gleichgeschlechtlichen Ampelpärchen von Berlin installieren", heißt es in dem Schreiben, das der dpa vorliegt. Zuvor hatte die Tageszeitung "B.Z." berichtet.

"Friedrichshain-Kreuzberg ist ein bunter Bezirk. Wir stehen für Offenheit, Toleranz und Vielfalt ein", argumentiert Herrmann. "Ich möchte für den Bezirk das erreichen, was in anderen Großstädten wie beispielsweise München oder Wien gängig ist: Diverse, gleichgeschlechtliche Ampelpärchen als klares, sichtbares Statement für eine vielfältige Gesellschaft."

Verkehrsverwaltung will "wohlwollend prüfen"

Die Sprecherin der Verkehrsverwaltung, Britta Elm, sagte dazu am Dienstag: "Wir werden das wohlwollend prüfen mit Blick auf das nächste Jahr." In Frage komme zum Beispiel der Pride Month rund um den Christopher Street Day. Aus Sicht der Senatsverwaltung ist das Projekt zumindest zeitlich befristet möglich. Die zuständigen Fachleute der Verkehrsverwaltung müssten sich dazu abstimmen und prüfen, was mit der Straßenverkehrsordnung vereinbar sei. "Und dann gucken wir, was dabei rauskommt."

Laut "B.Z." ist Schreiner offen für den Vorstoß: "Es ist eine charmante Idee, denn die Sichtbarkeit der LGBTIQ*-Community gehört in Berlin dazu", ließ die Verkehrssenatorin der Zeitung mitteilen.

Grüne wollen Vielfaltsampeln in ganz Berlin

Grünen-Fraktions-Chef Werner Graf findet die Idee so gut, dass er sich gleichgeschlechtliche Ampelpärchen nicht nur für Friedrichhain-Kreuzberg wünscht: "Queeres Leben und Lieben gehört genauso zu Berlin wie die Kult-Ampelmännchen selbst", sagte er. "Das sollte auch hier und dort durch ein queeres Ampelpärchen in der ganzen Stadt sichtbar sein."

Auch die queerpolitische Sprecherin der CDU-Fraktion, Lisa Knack, kann dem Vorstoß grundsätzlich viel abgewinnen: "Die Idee an sich finde ich gut", sagte sie am Dienstag. Eher skeptisch sieht sie die Frage, ob es notwendig wäre, das berlinweit umzusetzen. Und Knack plädiert dafür, beim Thema Vielfalt an der Ampel nicht bei queeren Paaren stehenzubleiben, sondern zum Beispiel auch Menschen im Rollstuhl darzustellen. "Es wäre schön, wenn man die komplette Bandbreite der Diversität Berlins zeigen könnte."

Linke: Regenbogenhauptstadt mehr als "Tourismus-Marketing-Slogan"

Der queerpolitische Sprecher der Linksfraktion und ehemalige Kultursenator Klaus Lederer sieht den Vorstoß mit gemischten Gefühlen: "Es ist schön zu sehen, dass große Einigkeit besteht, dass queere Sichtbarkeit zu Berlin gehört", sagte er. Das könne sich dann gern auch auf Fußverkehrsampeln zeigen. "Entscheidend ist, dass der Anspruch der Regenbogenhauptstadt nicht zum Tourismus-Marketing-Slogan verkommt und Politik sich dazu in Symbolen erschöpft", warnte er.

"Es gibt viel tun, um gegen queerfeindliche Diskriminierungen und auch institutionelle Defizite anzugehen – von der Jugendarbeit über die Antidiskriminierungs- und Bildungspolitik bis zur Wohnungslosenhilfe", so Lederer. "Das sollte angesichts all der Freude über queere Sichtbarkeit in Berlin nicht vergessen werden."

Wien machte vor acht Jahren den Anfang

Die ersten gleichgeschlechtlichen Ampelpärchen wurden 2015 im Vorfeld des Eurovision Song Contests in Wien installiert (queer.de berichtete). Das führte zu weltweiter Berichterstattung, was die österreichische Hauptstadt dazu brachte, die eigentlich zeitlich begrenzte Aktion fortzusetzen. In Folge galt die Aktion für viele weitere Städte auch als vergleichsweise günstige Werbemaßnahme, um Schlagzeilen zu generieren und queere Tourist*innen anzuziehen. Die Idee wurde seitdem von mehreren Städten in Deutschland, Europa und sogar in Australien übernommen (queer.de berichtete).

Im März sorgte die Installation von gleichgeschlechtlichen Ampelpärchen in Saarbrücken für eine Hass-Welle gegen CDU-Oberbürgermeister Uwe Conradt (queer.de berichtete). Seitdem wurden auch queere Ampeln in Bielefeld, Darmstadt und Göttingen eingeweiht. Im Juni hat sich auch ein Ausschuss in Hildesheim für die Einführung von Ampelpärchen ausgesprochen. (mize/dpa)

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