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Trotz Joanna Lumley: "Verrückt nach Figaro" enttäuscht

In der Komödie "Verrückt nach Figaro" spielt der "Absolutely Fabulous"-Star eine ehemalige Operndiva, die einer erfolgreichen Fondsmanagerin bei der Verwirklichung ihres Traums hilft. Leider wird die Geschichte lieblos und mit vielen Klischees erzählt.


Joanna Lumley (re.) und Danielle Macdonald in "Verrückt nach Figaro" (Bild: 24 Bilder)

Eine blendende Zukunft als Fondsmanagerin steht Millie (Danielle Macdonald) bevor: Ihre starken Ambitionen sind Freifahrschein in eine gut bezahlte Karriere in verglasten Bürogebäuden und inmitten von Personen in teuren, zu engen Sakkos. Dem Einzug in die amerikanische Bourgeoisie verwehrt sich Millie jedoch – denn sie möchte lieber Opernsängerin werden. Dieser narrative Wendepunkt ist die Prämisse der australisch-britischen Komödie "Verrückt nach Figaro": Die Protagonistin flieht aus der scheinbar dienstlichen Determinanten mit einem Versprechen nach persönlicher Neufindung.

Dieser Coup mag zwar zu einem amüsant-überraschten Schmunzeln führen, verhindert fortwährend aber die Identifikation mit Millie. Wie ihre Nebenfiguren können wir die Entscheidung nur mit einem verdutzten Blick quittieren und nach ihrem Ursprung fragen. Da der Sinneswandel jedoch nie autobiografisch aufgearbeitet und die Abruption abrupt gelassen wird, funktioniert die Intention des Films, die Liebeserklärung an den Operngesang, nicht.

Wenig Fingerspitzengefühl für de Charaktere


Poster zum Film: "Verrückt nach Figaro" startet am 27. Juli 2023 im Kino

Zu Millie bleibt der Zugang erschwert, verwehrt sie uns doch den tieferen Einblick in ihre musikalische Muse und den kompetitiven Antrieb. Dass sie sich postwendend zur Teilnahme an einem britischen Gesangswettbewerb entschließt, verschärft die emotionale Nicht-Teilhabe. Der Film besteht hauptsächlich aus losen Montagen ihres künstlerischen Fortschritts, anstatt sich die szenische Ruhe zu erlauben, hinter die Fassade der überambitionierten Londonerin zu blicken. "Verrückt nach Figaro" fehlt es an Fingerspitzengefühl für seine Charaktere – was verblüfft, ist doch das auftretende Ensemble auf eine Handvoll Figuren begrenzt.

Unterstützung in diesem "riskanten" Plan, um den Spannungsbogen des Films überzubetonen, erhält sie von der ehemaligen Operndiva Meghan. Verkörpert wird sie von Joanna Lumley, die vielen durch ihre Kultrolle der Patsy Stone aus der Sitcom "Absolutely Fabulous" ein Name sein dürfte. Sie verkörpert die Rolle der strengen Coaching-Figur, die ihre Schüler*­innen mit degradierenden Bewertungen à la "Shut up! I haven't quite finished telling you how worthless you are" zum Erfolg führt, wie sollte es auch anders sein. Dieser altbekannten Darstellung fügen weder Lumley noch das Drehbuch etwas Innovatives hinzu.

Ein Überangebot an Klischeemotiven

In der Gestalt von Millies Konkurrent, Inhaber ihrer Unterkunft und später Flirt-Gegenstand Max (Hugh Skinner) – alles Informationen, die die Bewerbung des Films schon vorwegnimmt – manifestiert sich die städtische Arroganz von "Verrückt nach Figaro" gegenüber dörflichen Gegenden. Er arbeitet in einem trostlosen wettergegerbten Pub, dem die Puste in der Bewirtung von Gästen längst ausgegangen ist. Seine Freude an der Oper fiel der Ödnis seiner ländlichen Umgebung zulasten, andere Gründe für seine pessimistische Mutlosigkeit spart der Film aus. Da braucht es schon eine Person aus London, um mal wieder Schwung in sein Leben und die gesamte Dorfdynamik zu bringen…

In der Fast-Beziehung zwischen Millie und Max und dem Anbandeln der beiden zeigt sich ein Überangebot an Klischeemotiven. Regisseur Ben Lewin zieht sämtliche Register des heterosexuellen Liebesfilms – als würde er sich durch die bloße Quantität an Stereotypen einen Unterhaltungswert versprechen. Diese Rechnung geht nicht auf. Anstatt einen kreativen Umgang mit diesen Elementen zu finden und sich ihrer schelmisch bewusst zu sein, ertrinkt der Film in seiner Lieblosigkeit und der nicht enden wollenden neoliberalen Versprechung von Selbstverwirklichung. Seiner eintönigen Fernsehoptik steht "Verrückt nach Figaro" narrativ in nichts nach.

Infos zum Film

Verrückt nach Figaro. Romantische Komödie. Australien, Großbritannien 2020. Regie: Ben Lewin. Cast: Danielle Macdonald, Hugh Skinner. Joanna Lumley. Laufzeit: 105 Minuten. Sprache: deutsche Synchronfassung. FSK 6. Verleih: 24 Bilder. Kinostart: 27. Juli 2023.
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