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Nürnberg
Shitstorm hat Erfolg: Kirche schließt Praunheim-Ausstellung "Jesus liebt" dauerhaft
Die Kulturkirche St. Egidien knickt ein: Eine Praunheim-Ausstellung, die das Thema Kirche und Queerness behandelt, ist endgültig gecancelt.

Zwei Bilder aus der Ausstellung: Ein Jesus, der auch queere Menschen liebt, ist vielen unerträglich (Bild: Rosa von Praunheim)
- 28. Juli 2023, 07:54h 3 Min.
- Zu Update springen: Kirchenobere loben Aus für Ausstellung (11:05h)
Der rechte Shitstorm war wohl zu viel für die Nürnberger Egididenkirche: Die Kirchengemeide wird nach heftigen Anfeindungen die "Jesus liebt"-Ausstellung des schwulen Künstlers Rosa von Praunheim (80) nicht wieder öffnen. Das hat der Kirchenvorstand von St. Egidien und St. Sebald einstimmig beschlossen, wie die evangelische Kirchengemeinde am Donnerstagabend mitteilte. Eigentlich sollten die Kunstwerke bis 12. August gezeigt werden.
Die Ausstellung zu Liebe, Sex und Queerness im Christentum war am 20. Juli eröffnet und nach wenigen Tagen wegen der erregten Reaktionen wieder geschlossen worden, die laut Gemeinde von ernstzunehmender Kritik bis Hass und Hetze reichten. "Zahlreiche Menschen fühlten sich in ihrem religiösen Empfinden verletzt", hieß es in der Mitteilung. Das bedauere der Kirchenvorstand sehr. Aus der vorläufigen Schließung ist mit dem Beschluss des Kirchenvorstands nun eine endgültige geworden.

Online gab es viele offensichtlich aus Queerfeindlichkeit motivierte Beschimpfungen gegen die Ausstellung
"Die Aufgabe der Kirche ist es, in der Kraft des Evangeliums zu einen, zu heilen und zu versöhnen", erklärte der geschäftsführende Pfarrer Martin Brons. "Wir bedauern sehr, dass die Ausstellung das Gegenteil bewirkt hat." Weiter heißt es: "Wir wollten in unserer Kulturkirche Raum für einen wichtigen Themenkomplex bieten und müssen erkennen, dass die Themen derzeit nicht angemessen kommuniziert und diskutiert werden können."
"Atmosphäre von Verunsicherung, Verletzung und Wut"
Daneben habe es ein "erhebliches Maß an Hass, Hetze, Unterstellungen und unbelegten Vorwürfen" gegeben. "Der Kirchenvorstand sieht in dieser Atmosphäre von Verunsicherung, Verletzung und Wut aktuell keine Möglichkeit mehr, einen zielführenden und versöhnenden Diskurs zu führen." Allerdings zeigte sich das Gremium überzeugt, "dass eine Diskussion über Homosexualität und Kirche, über Queerness und weiterführende Fragen zur Sexualität in der Kirche geführt werden muss".
Pressemitteilung vom 27. Juli 2023 Der Kirchenvorstand von St. Egidien und St. Sebald hat in seiner Sitzung am...
Posted by St. Egidien – Egidienkirche Nürnberg on Thursday, July 27, 2023
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Filmemacher und Künstler Rosa von Praunheim hatte seine Ausstellung trotz Schließung als Erfolg gesehen. "Ich war begeistert natürlich, dass da eine Reaktion ist. Ist doch schön, wenn Leute sich aufregen", sagte der 80-Jährige dem Bayerischen Rundfunk (queer.de berichtete). Nach Praunheims Worten soll die Ausstellung künftig in München und Hamburg zu sehen sein – aber eben außerhalb der Kirche. Im Rahmen der Nürnberger Pride-Wochen sollen zudem im Filmhaus selten gezeigte Praunheim-Filme präsentiert werden. (dpa/cw)
Update 11.05 Uhr: Kirchenobere loben Aus für Ausstellung
Leitende Köpfe der evangelischen Kirche in Bayern begrüßen das vorzeitige Ende der umstrittenen "Jesus liebt"-Ausstellung des schwulen Künstlers Rosa von Praunheim in Nürnberg. Die Nürnberger Regionalbischöfin Elisabeth Hann von Weyhern nannte die Entscheidung der Kulturkirche St. Egidien am Freitag "echt evangelisch". Allen Beteiligten sei bewusst, dass jedwede Entscheidung "irgendeine Gruppe vor den Kopf stoße", teilte der Kirchenkreis Nürnberg mit.
Die Ausstellung mit provokanten Bildern werde "dem Auftrag der Kirche nicht gerecht", teilte Hann von Weyhern mit. In einer "aufgeheizten Stimmung" könne die Debatte nicht konstruktiv geführt werden. Der Nürnberger Stadtdekan Jürgen Körnlein erklärte, "in einer Atmosphäre von Wut und Hass" könne die Ausstellung ihr Ziel nicht erreichen. Er plädierte, die evangelische Landeskirche solle ihr Verhalten gegenüber Homosexuellen aufarbeiten. (dpa)















