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"Unser Sandmännchen"

Herr Ingeborg: CDU-Landeschef kritisiert MDR wegen queerer Figur

Zum ersten Mal nach über sechs Jahrzehnten taucht im "Sandmännchen" eine queere Figur auf. Nach extrem rechten Medien und der AfD macht nun auch Hamburgs CDU-Chef Dennis Thering Stimmung gegen den verantwortlichen Sender.


Herr Ingeborg (mi.) mit Teddynaut Teddy (li.) und Raketenflieger Timmi (Bild: Screenshot KiKa)
  • 29. Juli 2023, 04:33h 3 3 Min.

Nach extrem rechten Medien wie "Nius" oder "Junge Freiheit" und der AfD springen nun auch "Bild" und der erste CDU-Politiker auf die späte Empörungswelle gegen Herrn Ingeborg auf. "Es ist fraglich, ob eine solche Darstellung in einer Sendung für Kinder ab 3 Jahren sein muss und angemessen ist", sagte Hamburgs CDU-Chef Dennis Thering am Freitag gegenüber der Boulevardzeitung aus dem Axel Springer Verlag. "Die Verantwortlichen beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk sollten sich hinterfragen, wie sie mit ihrem Programmauftrag verantwortungsvoll umgehen."

Herr Ingeborg, eine geschminkte Figur mit Schnauzbart und Glatze sowie Perlenkette und Kleid, ist in einer einzigen Folge der Serie "Raketenflieger Timmi" zu sehen, die im Rahmen von "Unser Sandmännchen" läuft. Erstmals ausgestrahlt wurde die Episode bereits am 23. September 2021 im RBB, die rechte Empörung setzte jedoch erst nach einer Wiederholung am 22. Juli 2023 auf KiKa ein (queer.de berichtete).

Herr Ingeborg braucht eine neue Glühbirne

In der Folge "Der dunkle Planet" bittet Herr Ingeborg den Raketenflieger Timmi und seinen Freund Teddynaut Teddy um Hilfe. Der Leuchtturm der queeren Person ist kaputt, und es könnte nun jemand versehentlich gegen ihren kleinen Planeten fliegen. Herr Ingeborg bekommt eine neue Glühbirne, doch schon gibt es das nächste Problem: Es ist so dunkel, dass die nichtbinäre Figur ihren Planeten gar nicht mehr wiederfindet. Glücklicherweise hat Timmi eine Idee…

"Raketenflieger Timmi", eine Koproduktion des MDR mit dem RBB und NDR, läuft seit 2014 im Rahmen der seit 1959 produzierten Langzeitserie "Unser Sandmännchen". In der sich wiederholenden Rahmenhandlung spielt der Junge Tim mit einem selbst gebastelten Raumschiff, während im animierten Hauptteil Astronaut Timmi und sein Freund Teddynaut Teddy mit dieser Rakete durchs Weltall düsen. In jeder Episode besucht das Duo einen anderen Planeten. 2016 wurde die Serie mit dem Kinderfernsehpreis "Emil" ausgezeichnet. Die Jury lobte die "fabelhafte, sehr einfallsreiche Optik, die dazu anregt, selbst kreativ zu werden", außerdem beherrsche die Serie "die Kunst, eine kluge Message sympathisch rüberzubringen".

AfD: Herr Ingeborg "nicht nur geschmacklos, sondern auch gefährlich"

Die Empörungswelle über die erste queere Figur im "Sandmännchen" nach über sechs Jahrzehnten angestoßen hatte das Rechtsaußenportal "Nius" von Julian Reichelt. Nun habe es die "Trans-Ideologie endgültig in die Kinderzimmer der Republik geschafft", hieß es in einem Artikel. Ähnlich äußerte sich die AfD. Nun werde "auch in Kindersendungen aggressive Genderpropaganda verbreitet", kritisierte die AfD-Fraktion im Bayerischen Landtag den "Irrsinn" auf Facebook. "Wir lehnen diese steuerfinanzierte Propaganda ab, weil hier zudem die Kinder frühsexualisiert und verwirrt werden in Bezug auf ihre geschlechtliche Identität", heißt es in dem Post. "Die AfD-Fraktion im Bayerischen Landtag ist der Auffassung, dass eine derartige Darstellung im Kinderfernsehen nicht nur geschmacklos ist, sondern auch gefährlich."

Der MDR reagierte nüchtern auf die rechte Empörung. "'Raketenflieger Timmi' ist eine Erzählung von einem kleinen Jungen, der in seiner Fantasie mit seinem Teddybären ins Weltall fliegt. Dabei behalten wir uns die Freiheit vor, in diesem erfundenen Weltraumkosmos besondere oder überraschende Figuren zu erzählen", heißt es in einer Stellungnahme des Senders gegenüber der "Bild"-Zeitung. "Die Folge mit Herrn Ingeborg gibt es seit 2021. Seitdem haben uns Rückmeldungen von Eltern in einem üblichen Rahmen wie auch zu anderen Folgen erreicht."

Die Folge "Der dunkle Planet" ist am heutigen Samstag noch in der KiKa-Mediathek verfügbar. (mize)

-w-

#1 LothiAnonym
  • 29.07.2023, 07:04h
  • Herr Ingeborg. Cool. Sehr guter Ansatz. Mein Respekt an den MDR.
    An die CDU Führung Hamburg: Kleinkinder sind durchaus schon in der Lage Fragen zu stellen und diese sollten demnach dann auch richtig beantwortet werden.
    Wer nicht fragt bleibt dumm. Wenn ich Vater wäre würde ich mit meinen Kleinkindern verkleiden spielen und dabei ganz behutsam auf das Thema eingehen.
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#2 tychi
  • 29.07.2023, 07:35hIrgendwo im Nirgendwo
  • Ich frage mich bei solchen Kommentaren von Politikern immer, was diese für seltsame Phantasien haben, wenn sie so etwas als nicht angemessen titulieren.
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#3 Pride
  • 29.07.2023, 09:58h...
  • Dem Sandmännchen ist die CDU auch nicht mehr willkommen.
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