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Hamburg
Nach sechs Monaten: Sabine Mertens entschuldigt sich für queerfeindliche Äußerung
Der von der CDU umgarnten Anti-Gender-Aktivistin tut eine Aussage zu Evolution und Homosexualität vor dem CSD Hamburg plötzlich leid – der Pride-Verein kann diese Entschuldigung allerdings nur "bedingt" annehmen.

Die in Hamburger Medien allgegenwärtige Sabine Mertens fühlt sich missverstanden (Bild: Screenshot / Sat.1 Regional)
- 1. August 2023, 09:08h 3 Min.
Sabine Mertens, die Sprecherin der Hamburger Volksinitiative "Schluss mit Gendersprache in Verwaltung und Bildung", hat sich am Montag in einer Mitteilung für eine queerfeindliche Äußerung vom Februar entschuldigt. "Es tut mir leid, dass ich mit meinen oft zitierten, missverständlichen Äußerungen den Eindruck erweckt habe, Homosexualität sei 'anormal'", sagte sie laut "Hamburger Abendblatt" (Bezahlartikel). "Nichts liegt mir ferner! Für mich ist das Gegenteil von normal nicht anormal, sondern außergewöhnlich, so wie Picasso kein normaler Maler war, die Beatles keine normale Pop-Band und der Christopher Street Day keine normale Demo ist."
Hintergrund ist eine Tirade vor sechs Monaten, als sie dem "Abendblatt" sagte, "dass sich normalerweise Männer und Frauen zum anderen Geschlecht hingezogen fühlen". Zudem malte sie die Gefahr vor zu vielen queeren Menschen an die Wand: "Wenn wir jetzt alle schwul, lesbisch und trans werden sollen, dann ist die Evolution zu Ende" (queer.de berichtete).
Die Äußerung stieß auf viel Kritik, es wurde sogar Anzeige wegen Beleidigung erstattet (queer.de berichtete). Trotzdem unterstützte die CDU Mertens' Volksinitiative gegen geschlechtergerechte Sprache nicht nur, sondern sammelte sogar selbst Unterschriften für die queerfeindliche Aktivistin (queer.de berichtete). Unter anderem diese Zusammenarbeit führte dazu, dass der CSD-Verein die CDU beim am Samstag stattfindenden Pride für "nicht willkommen" erklärte (queer.de berichtete).
"Dass ich mit meinen Äußerungen Gefühle verletzt und vielleicht sogar dazu beigetragen habe, dass die CDU vom CSD ausgeladen wurde, tut mir von Herzen leid, und dafür bitte ich um Entschuldigung", so Mertens in ihrem Schreiben vom Montag weiter. "Dem CSD wünsche ich gutes Gelingen und eine fröhliche und friedliche Feier."
Hamburg Pride: Nur eine halbe Entschuldigung
Der CSD-Verein bleibt weiterhin skeptisch gegenüber der Anti-Gender-Aktivistin: "Die Entschuldigung von Frau Mertens, die wir bereits im Februar öffentlich gefordert hatten, können wir nur bedingt annehmen", so die Pride-Organisator*innen gegenüber der "Hamburger Morgenpost" (Bezahlartikel). "Wir fordern eine offen geführte Gender-Debatte, und keine, die homo- und transfeindliche Ressentiments schürt. Weiterhin halten wir Sprachverbote für nicht zielführend."
Ferner handle es sich nur um eine "halbe" Entschuldigung, da Mertens sich nicht für ihre pauschale Aussage über queere Menschen und die Evolution entschuldigt habe. "Wer das Wort 'normal' nutzt, um Menschen zu kategorisieren, grenzt automatisch aus", so der Verein. Nicht Queersein mache Menschen "'außergewöhnlich', sondern ihr Charakter und das, was sie aus ihrem Leben machen".
Zudem war die Äußerung von Mertens kein einmaliger "Ausrutscher": So warnte sie etwa 2021 vor der "Praxis des 'Verqueerens'" und behauptete martialisch, dass sich die Queertheorie "strategisch auf weltweiten Umsturz fokussiert" (queer.de berichtete). (dk)
Update 08.04.2024: Vorermittlungen eingestellt
In einer früheren Version des Artikels hieß es, die Polizei habe nach Anzeigen Ermittlungen wegen Verdachts auf Volksverhetzung aufgenommen. Richtig ist, dass eine Person Sabine Mertens wegen Beleidigung angezeigt hatte.














