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Nürnberg
Querdenker*innen wollen gegen CSD demonstrieren
Mit einem vor allem transfeindlichen Aufruf mobilisieren Querdenker*innen dazu, am Samstag in der Nähe der Route des CSD Nürnberg zu demonstrieren. Dass Demonstrant*innen auf Queerfeinde treffen, scheint möglich.

Sehen immer gern die Finger der anderen an ihren Kindern, doch nie die eigenen: Querdenker*innen in Frankfurt am Main (Symbolbild) (Bild: conceptphoto.info / flickr)
- 4. August 2023, 14:34h 3 Min.
Die alljährliche Demonstration für die Rechte der LGBTI-Community in der zweitgrößten Stadt Bayerns steht vor der Tür. Am Samstag um 12:15 soll der CSD Nürnberg vom Berliner Platz aus in Richtung des Endpunktes Kornmarkt losziehen.
Doch Demonstrant*innen müssen sich nun auf unangenehme Begegnungen gefasst machen. Denn wie jetzt bekannt wurde, haben Nürnberger Querdenker*innen einen Gegenprotest gegen den CSD angemeldet. In einem Aufrufstext heißt es unter anderem: "Finger weg von unseren Kindern!"
Querdenker*innen gegen Aktionsplan des Landes
"Keine staatliche Förderung der Transgender-Ideologie" ist die Kundgebung der Verschwörungsideolog*innen und vormaligen Coronamaßnahmengegner*innen überschrieben. Anstoß nehmen die Rechten daran, dass der Nürnberger Christopher Street Day den von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) im März bejahten queeren Aktionsplan fordert.
In einem auf Telegram kursierenden Aufruf zur queerfeindlichen Aktion heißt es, die Veranstalter*innen forderten vom Staat, "in Kindergärten, Schulen und Jugendzentren Propaganda für die abseitige Transgender-Ideologie zu betreiben und die hierbei unterstützenden 'Aktivisten' aus Steuermitteln zu bezahlen".
Das könne "im Extremfall bedeuten, dass Kindern beispielsweise die Lüge aufgetischt wird, dass es mehr als zwei biologische Geschlechter gibt oder dass sie selbst noch gar nicht wissen können, ob sie Junge oder Mädchen sind." Ähnliches sei bereits vorgekommen, meinen die Querdenker*innen – und nehmen Bezug auf eine Draglesung für Kinder in München (queer.de berichtete).
Hetzerische Inhalte verbreitet
Die "Bürgerinitiative zur vollständigen Wiederherstellung unserer Grundrechte" behauptet, Ziel dieser Maßnahmen sei es nicht, für mehr Toleranz gegenüber "besonderen sexuellen Vorlieben und Befindlichkeiten eienr kleinen Minderheit" zu sorgen. In Wahrheit gehe es um die "flächendeckende Verwirrung unsere Jugend und die endgültige Zerstörung der Familie".
Kaum weniger falsch: Nach der Sommerpause wolle die Bundesregierung das Selbstbestimmungsgesetz "verabschieden". Das regele, dass man "dazu gezwungen werden kann, beispielsweise einen Mann, der sich als Frau identifiziert, auch als solche anzusprechen". Hohe Geldstrafen müsse dann fürchten, wer dem zuwider handele.
In Großbuchstaben fordern die Organisator*innen denn auch: "Finger weg von unseren Kindern!" Kaum weniger krude schreiben die Autor*innen: "Dieser Aufruf richtet sich nicht gegen das Recht mündiger Erwachsener, in gegenseitigem Einverständnis erotische Neigungen auszuleben." Dabei wünsche man "allen weiterhin viel Spaß und gutes Gelingen".
Die Landtagskandidatin Josephine Taucher aus Erlangen (Linke) hat wegen des Texts Anzeige wegen Volksverhetzung eingereicht, wie das Online-Medium "Wiesentbote" berichtet. Zwar rechne sie damit, dass die Anzeige im Sande verlaufe. Es sei dennoch wichtig, ein Zeichen zu setzen, um Falschbehauptungen nicht unwidersprochen zu lassen. Zuletzt hatte die Staatsanwaltschaft München ein AfD-Plakat mit vergleichbarem Inhalt nicht weiter verfolgen wollen, das jedoch auch mit dem politischen Meinungskampf begründet, in dessen Rahmen "viel hingenommen werden" müsse. Das Plakat hatte die Aufschriften "Hände weg von unseren Kindern!" sowie "Genderpropaganda verbieten!" enthalten und war von der Rechtsaußen-Partei in München verbreitet worden (queer.de berichtete).
Taucher hoffe demnach zudem, dass das Aufeinandertreffen von CSD und Querdenker*innen friedlich bleibe. Von der Community müsse jedoch auch ein starkes Signal gegen Hass gesetzt werden. Die Querdenk-Queerfeind*innen wollen sich am Samstag ab 13:30 Uhr auf dem Hallplatz am Zeughaus treffen. Der CSD soll laut Plan gegen Ende seiner Route ganz in der Nähe über die Theatergasse und die Graesergasse entlang führen.
In Nürnberg sorgte zuletzt ein Shitstorm gegen eine Ausstellung des schwulen Künstlers Rosa von Praunheim für Aufregung, in dessen Folge die in einer Kirche ausgestellten Werke wieder aus dem Gotteshaus verschwanden. Seit Mittwoch sind sie nun wieder zu sehen, allerdings in der Kreisgallerie (queer.de berichtete). Auch über einen Regenbogen-Zebrastreifen wollten sich Queerhasser*innen tagelang nicht beruhigen. (jk)















