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Folge 32 von 53

Schwule Symbole im Film: Die Verkehrsmittel neben dem Auto

Egal, ob man auf Motorräder abfährt oder lieber von Schiffen oder Flugzeugen träumt: Von Verkehrsmitteln lassen sich viele Parallelen zu unseren sozialen und sexuellen Kontakten aufzeigen.


Offizielles Standbild aus "Brüder der Nacht" (2016) (Bild: Epicentre Films)

Motorräder – eine moderne Form des Reitens

Ein Motorrad kann ein Symbol von Freiheit, Unabhängigkeit, Energie, Kraft, Potenz und Status sein. Im Vergleich mit dem Auto ist das Motorrad männlicher assoziiert und "die phallisch-sexuelle Symbolbedeutung noch sehr viel stärker" ausgeprägt ("Taschenbuch der Sexualsymbole", 1971). Es kommt noch ein weiterer Aspekt hinzu: Durch "den Reitsitz ist die vibrierende Energie der Kolben intensiv und unmittelbar an erogenen Zonen des Körpers zu spüren. In mancherlei Hinsicht ist es eine moderne Form des Reitens" (Symbolonline), was einzelne Filme auch visualisiert haben.

Für einen ersten Überblick zum Thema eignet sich gut die Arte-Kompilation "Das Motorrad im Film" (hier online), die das Motorrad als Symbol der "Männlichkeit" (2:20 Min.) und Freiheit (3:55 Min.) bezeichnet und die auch Szenen aus "Tropical Malady" (2004, 4:00 Min.), "Scorpio Rising" (5:05 Min.) und "My private Idaho" (6:02 Min.) zeigt.

Motorräder in den Fünfzigerjahren – "Männlichkeit" und die Geburt der Lederszene

Der (nicht homosexuelle) Film "Der Wilde" (OF "The Wilde One", 1953) hatte einen großen Einfluss auf die Motorrad- und Jugendkultur der Fünfzigerjahre und mit ihm wurde Marlon Brando zu einem Idol der "Halbstarken". Eine schwule Lederszene hatte es bis zu diesem Film nicht gegeben. 1954 wurde in Los Angeles der "Satyrs Motorcycle Club" gegründet, er ist die älteste ununterbrochen tätige Schwulenorganisation in den USA und die erste Schwulenorganisation der USA mit einer Satzung. Ein halbes Jahrhundert später erzählt die Doku "The Satyrs Motorcycle Club" (2005) die Geschichte dieses Vereins. Auf den Film "Der Wilde" bezog sich auch Allen Ginsberg mit den provozierenden Zeilen seines berühmten "Howl"-Gedichtes, in denen er von Männern schrieb, "die sich in den Arsch ficken ließen von heiligen Motorradfahrern". Die Hintergründe des Gedichtes sind u.a. in dem Film "Howl" (2010) gut beleuchtet.


Die Anfänge "The Wilde One" (1953) und die Doku über den Beginn der schwulen Motorrad- und Lederszene: "The Satyrs Motorcycle Club" (2005)

Nach dem von der Universität Kiel veröffentlichten "Lexikon der Filmbegriffe" wurden in den Fünfzigerjahren Motorradgruppen als eine Jugendkultur "am Rande der bürgerlichen Normalität" inszeniert. Vielleicht war es genau dieser Aspekt, der passende Parallelen zur Homosexualität bot und zu einer besonderen Sexualisierung des Motorrad-Kultes führte. Auch Jahrzehnte nach "Der Wilde" sind seine Spuren in anderen Filmen immer noch sichtbar: Woran sich der schwule Stricher Jimmy in "Das Ende des Regenbogens" (1979) orientiert, zeigen Poster von Motorrädern, James Dean und "The Wilde One" in seinem Zimmer. Laut Audiokommentar der DVD war auch eine Nähe zu dem deutschen Film "Die Halbstarken" (1956) beabsichtigt, der ebenfalls eine große Bedeutung erlangte.

Motorräder in den Sechziger- und Siebzigerjahren – schwuler Fetisch und Reiten

Das Motorrad als schwulen Fetisch betont Kenneth Anger in seinem Undergroundfilm "Scorpio Rising" (1964). Es ist ein passender Vergleich, wenn Hermann J. Huber ("Gewalt und Leidenschaft", 1989, S. 157) die Männer der Motorrad-Gang in Angers Film als "lebende Cowboys" beschreibt, die ihre Pferde gegen Motorräder ausgetauscht haben.

Frühe Mainstream-Filme mit schwulen Motorradfahrern zeigen die Liebe zum Bike allerdings deutlicher als die zu einem Mann. Wenn der schwule Pete in "Die Lederjungen" (1964) mit seinem geliebten Motorrad eine Spritztour macht, ist von der Freiheit auf der Straße mehr zu erleben als von der sexuellen Freiheit schwuler Männer in der Gesellschaft, die der Film nur indirekt aufgreift. Sidney J. Furie, der Regisseur von "Die Lederjungen", scheint von dem Thema begeistert gewesen zu sein und schuf mit "Stromer der Landstraße" (1970) einen weiteren Film mit Motorrädern und schwulem Subtext. In "Engel der Hölle" (1967) ist ein Zungenkuss zwischen zwei Bikern zu sehen, vollkommen losgelöst von der Handlung und als Überraschung im Film daher gelungen. Dagegen fügt es sich ohne Weiteres in den Dialog-Kontext ein, wenn in "Unter der Treppe" (1969) Witzchen über die Zündkerzen an einem Mofa gemacht werden, die einer von beiden "wieder mal nicht rein" bekomme. Wenn hier mit einem Putztuch am geliebten Motorrad hin- und hergerieben wird, erinnert dies – wie in "Scorpio Rising" und "Ich liebe dich, ich töte dich" (1971) – nicht nur an Fahrzeugpflege, sondern auch ans Wichsen.

In dem Film "Lawrence von Arabien" (1961, D: Peter O'Toole) wird Lawrences Tod bei einem Motorrad-Unfall dargestellt. Ähnlich wie beim – ebenfalls realen – Auto-Unfalltod James Deans 1955 wirkt es geradezu symbolisch, wenn Menschen mit ihrem Kraftfahrzeug ums Leben kommen, die zuvor ein Leben "auf der Überholspur" gelebt haben.

Mit dem Sozius auf Kuschelkurs

Das Anklammern von hinten während der Fahrt wird bei Männern, zwischen denen eine homoerotische Spannung besteht, manchmal als besondere Form der körperlichen Nähe inszeniert, die man als sozial akzeptierte Form der mann-männlichen Umarmung bezeichnen kann, auch wenn sich daraus alleine noch keine symbolische Bedeutung ergibt. Dass eine solche homoerotische Wirkung beabsichtigt ist, macht die Backcover-Beschreibung der DVD von "Pianese Nunzio" (1996) deutlich: "Die frühreifen Straßenjungen Neapels […] [knattern] halbnackt aneinandergeschmiegt auf ihren Vespas durch die Straßen." Eine solche Körpernähe auf einem Moped oder Motorrad sieht man auch in "Unter der Treppe" (1969), "Liebesspiele junger Mädchen" (1972), "Matrosen" (1998), "In schlechter Gesellschaft" 2000), "Das Abiturzeugnis" (2001), "Bulgarian Lovers" (2003), "Die Träumer" (2003), "Tropical Malady" (2004, 51:10 Min., hier online), "Formula 17" (2004), "Postmortem" (2005, 10:10 Min., hier online), "Landleben" (2007), "Hier und Da" (2011) und "Dicke Mädchen" (2011).


Kitsch as kitsch can: Ein schwules Paar in "Matrosen" (1998)

Manchmal ist dabei der Sozius der körperlich bzw. sozial Schwächere, der sich auch in emotionaler Hinsicht an den dominanteren und stärkeren Fahrer anlehnt. Eine symbolische Bedeutung liegt vor, wenn die Sitzposition auch das soziale Verhältnis zum Ausdruck bringt, beispielsweise in Filmszenen in "Anders als du und ich" (1957), "Bennys Jacke" (2007) und "Le Fil" (2009), auch wenn hier nicht unbedingt eine besondere körperliche Nähe zwischen Fahrer und Sozius erkennbar ist.

Motorräder und Mopeds – Geschlechterrollen und Männlichkeit

In vielen Schwulenfilmen seit den Neunzigerjahren spielen Motorräder eine bedeutende Rolle. Zu den bekannteren gehören das Roadmovie "My Private Idaho" (1991, 1:00 Min., hier Trailer), worin das Motorrad ein unverzichtbares dynamisches Element ist, und "Eating Out" (Teil 3, 2009), der romantisch mit der Motorradfahrt zweier Schwuler endet.

Die große Bedeutung des Motorrad-Motivs in einem Film kann sich daran zeigen, dass der Film mit einer entsprechenden Szene beworben wird, wie "Tropical Malady" (2004), die oben genannte Doku "The Satyrs Motorcycle Club" (2005), "Darker Secrets" (Teil 2, 2008), "Brüder der Nacht" (2016) und der Kurzfilm "Through the Fields" (aka "Passer les champs", 2015, 26:30 Min., hier online).

Drei weitere Filme möchte ich noch erwähnen: In einer Folge der Serie "21 Jump Street" (Folge 2/13, 1988) will sich ein schwuler Motorradfahrer mit dem sprechenden Namen "Harley" wegen seiner Aids-Erkrankung das Leben nehmen und verzichtet bewusst auf das Tragen eines Helms. Weil der Helm im Verkehr schützt und wegen der Aids-Thematik der Folge lässt sich hier eine Parallele zur Anwendung eines Kondoms erkennen. In Axel Ranischs Film "Ich fühl mich Disco" (2013) bekommt der schwule Florian Herbst von seinem Vater statt eines Klaviers zunächst ein Moped geschenkt, womit in unterhaltsamer Form nicht nur Fragen von väterlicher Erwartungshaltung, sondern auch von "Männlichkeit" aufgeworfen werden. Drittens möchte ich "Dirty Boots" (2014), einen interessanten Mix aus Kurzfilm und Musikvideo, erwähnen. Die hier gezeigte Bikergang erinnert nur noch vage an Kenneth Angers Motorrad-Fetisch, denn die wilde schwule Gruppensexparty, die hier als Parallelschnitt zum wilden Motorradfahren gezeigt wird, bringt den schwulen Fetisch und die Gleichsetzung mit Sex hautnah und deutlicher rüber.

Pornos – Motorräder, Leidenschaft und Energie

Schwulenpornos, in denen Motorräder eine Rolle spielen, stellen in Text und Bild unterschiedliche Aspekte in den Fokus. Mit dem englischen Verb "to ride" ("MXXX. The hardest ride", "Ride me") gibt es wie in der deutschen Sprache eine gemeinsame Bezeichnung für "fahren" und "reiten" in einem sexuell doppeldeutigen Sinne. Der Porno "Hollywood Knights" stellt über den Titel eine Nähe zwischen einem Motorradfahrer und einem Ritter her, was gut zur Symbolik des Motorradfahrens als eine neue Form des Reitens passt.

Andere Pornos betonen die Vorstellung von Unabhängigkeit und Wildheit ("Men of anarchy", "Born to be Wild", "Hog Wild"), die mit Motorrädern verbunden wird. Rote Motorräder ("Outdoor Cruising") stehen für Leidenschaft, andere Pornos betonen die Kraft, Energie und Stärke der Maschinen und Männer ("Powersurge", "Raw Speed"). Auf einigen Covern ist als Motiv bzw. als Symbol auch die Straße zu sehen ("Pacific Coast Highway 2", "Hard and fast"). Sexualisierungen einzelner Motorrad-Teile, wie ein phallisch inszeniertes Rohr ("Hot Bikes and Big Gay Pipes"), scheinen selten zu sein. Zu den wichtigen Porno-Klassikern mit Motorrad-Motiv gehören Fred Halsteds "Sex Garage" (1972) und Jean Daniel Cadinots "Stop" (1980).


Männer, Motorräder und die Straße in "Hard and fast" sowie Leidenschaft für Männer und Maschinen in "Darker Secrets" (Teil 2, 2008)

Fahrräder – Freiheit und Sportlichkeit

Zu den symbolisch einsetzbaren Verkehrsmitteln gehört auch das Fahrrad, das Unabhängigkeit, Individualität und Freiheit des Einzelnen signalisiert und mittlerweile auch für Umweltbewusstsein und Sportlichkeit steht. Mit ihm lassen sich sowohl soziale Bezüge herstellen als auch Alltagssituationen sexualisieren. So kann mit einem Tandem auch eine Aussage über Partnerschaften beabsichtigt sein. Der Traum von einem Fahrrad kann bedeuten, "dass die Weiterfahrt im Leben aus eigener Kraft erfolgen muss und man eher individuellen Wegen folgt als kollektiven" (Symbolonline).

Fahrradfahren und soziale Beziehungen

Mit Fahrrädern lassen sich soziale Bezüge herstellen. Durch drei aufeinanderfolgende Szenen mit Fahrrädern am Schluss von "Eine Liebe wie andere auch" (1983) wird gezeigt, wie sich das schwule Paar Wolf und Wieland sein zukünftiges Leben vorstellt: Beide Männer fahren zunächst auf einem Tandem und damit auf das Engste miteinander verbunden, dann sieht man sie getrennt auf zwei einzelnen Fahrrädern und schließlich fahren sie in einem Pulk von Freunden und Bekannten. Die beim Fahren zu zweit oder mit Freunden zurückgelegte Strecke wird damit zum gemeinsamen Lebensweg, wobei der Aspekt der sozialen Bezüge, wie eng oder mit wie vielen Freunden sich Wolf und Wieland ihr Leben wünschen, von Bedeutung ist.


Wie eng sollte eine Beziehung sein? Wolf und Wieland auf einem Tandem in "Eine Liebe wie andere auch" (1983)

Fahrräder spielen nur in wenigen Schwulenfilmen eine besondere Rolle, wie in dem Kurzfilm "The Red Bike" (2011, hier online), in dem durch eine Notiz auf einer Zeichnung, die ein rotes Fahrrad darstellt ("A thing should be what it is"), eine sehr vage Verbindung zwischen der Farbe des Fahrrades und der Liebe eines anderen Jungen hergestellt wird.

Fahrradfahren und sexuelle Beziehungen

Mit Fahrrädern lassen sich auch Alltagssituationen sexualisieren. Etwas plump kommt der schwule Wilhelm (D: Werner Röglin) daher, der in der Sexkomödie "Alpenglühn im Dirndlrock" (1974) seinen Freund Roberto mit dem Spruch "Komm doch auf die Stange" zum gemeinsamen Fahrradfahren einlädt. Dagegen ist das Spritzen mit einem Ölkännchen in "Far West" (2003) schon fast dezent, auch wenn es sich leicht mit einem Orgasmus assoziieren lässt. In "Morgan" (2012) ist der gleichnamige Protagonist seit einem Unfall bei einem Fahrradrennen querschnittsgelähmt, möchte aber im Rahmen von Behindertensport weiterhin Fahrrad fahren und soll sich hinsichtlich der Medikation zwischen einem möglichen Sexleben und dem Fahrradfahren entscheiden. Durch einen Unfall mit dem Fahrrad wie in "Chalk Lines" (2006) oder eine gemeinsame Fahrradfahrt wie in "Heartland" (2007) kann man sich körperlich näherkommen, jedoch ohne dass man deshalb schon von einer symbolischen Bedeutung sprechen kann.

Pornos – hart im Sattel

Einige Pornos sexualisieren das Fahrradfahren auf dem Cover und versuchen die Freuden des Fahrradfahrens mit denen von Sex zu parallelisieren ("Velo", "The Bike Boys", "Biker Boyz"). Einige von ihnen bieten die erwartbaren sexuellen Wortspiele und Andeutungen, die auf eine Erektion ("Hard to come by", "Hart im Sattel") bzw. Sex ("Bicycle Tours", "Tour de Fuck", "Ride my Bike") verweisen, und verbinden die Titel mit weiteren Symbolen ("Bare[back] Bikers", "Heaven sent").


Schwuler Sex und Biker Boys in "Hard to come by" und "Bicycle Tours"

In seinem Porno "Pension complète" (1988) zeigt Jean Daniel Cadinot mehrere junge Männer bei einer Fahrradtour. Die Nahaufnahme einer Luftpumpe, deren Kolben beim Pumpen hin- und herbewegt wird, ist wohl der Versuch, einen sexuellen herzustellen.


Züge, Straßenbahnen und Busse – Geschlechts- und Nahverkehr

Züge und U-Bahnen haben eine ambivalente Symbolik. Für manche stellen U-Bahnen "die unterirdischen, pumpenden Arterien urbanen Lebens dar und ein Bewusstsein, das sich in vielen Richtungen ausdehnt" ("Das Buch der Symbole", 2011, S. 446). Öffentliche Verkehrsmittel können – im Gegensatz zum Individualverkehr – ein Gemeinschaftsgefühl erzeugen bzw. betonen. Gleichzeitig verkörpern sie auch Gefahr und Tod im modernen Leben. Sie können sogar mit archaischen Bildern wie dem von Schlangen assoziiert werden und eine Dampflok kann an einen Feuer spuckenden Drachen erinnern.

Züge und Bahnen – sozialer Anschluss und Lebensader

Von der New Yorker U-Bahn und vom Pärchen Allen und Chris handelt "Connected" (2008, hier online). Der Titel verweist darauf, dass Allen in doppelter Weise auf der Suche nach Anschluss ist, und wie sich die vielen U-Bahn-Linien kreuzen, so kreuzt sich auch sein Lebensweg mit dem von Chris. Ein verpasster Zug kann eine verpasste Chance sein und die Frage, welche Richtung man in seinem Leben einschlagen möchte, fordert Konzentration. Mit einem Ausschnitt aus dem New Yorker Liniennetz verdeutlicht der Abspann die unterschiedlichen Wege und Verbindungen zwischen den Menschen. Nicht nur zur Lebensgestaltung, sondern auch zum Sexleben stellt der Film einen Bezug her, weil er durch Parallelmontage den Geschlechtsverkehr und den Nahverkehr nebeneinanderstellt, die beide als lebenserhaltend spürbar sind.


Geschlechtsverkehr und Nahverkehr in "Connected" (2008)

In "Howl" (2010) wird in einer Animation eine Bahn zu einer sich schlängelnden Lebensader, die direkt zum Herzen führt. Beiläufig anmutend ist in "Trick" (1999) die U-Bahnhaltestelle "Christopher Street" in New York zu sehen. Sie verweist nicht auf ein öffentliches Verkehrsmittel, dafür ist der Name viel zu prominent besetzt, sondern auf die Geburtsstätte der modernen Schwulenbewegung.

Zugfahrten – Lebensweg, Gefahr und Endstation

In "Sommer wie Winter" (2000) ist am Anfang des Films ein Zug zu sehen, der Mathieu in den Sommerurlaub bringt, der sein Leben nachhaltig verändern wird. Am Anfang und am Ende des Kurzfilms "Teddy" (2009) ist ein Bahnhof zu sehen. Dazwischen wird Phil bei einem Besuch bei Neil gezeigt, wobei er sich an ihre frühere glückliche Beziehung erinnert. Damit wird die Zugfahrt als Parallele zur Lebensreise inszeniert.

Der Aufenthalt in der Nähe von Eisenbahngleisen ist mit großer Gefahr verbunden. Daher werden diese in "Der kleine Tod" (1995), "Chicken" (2001), "Wild Tigers I Have Known" (2006), "Fishbelly White" (1998, 13:10 Min., hier online) und seinem Remake "The Mudge Boy" (2003) als gefährlicher Ort inszeniert. Aber vor allem U-Bahnen sind angstbesetzt, in "Der Vorfall" (1967) und in dem Kurzfilm "Little Gay Boy ChrisT is Dead" (2012) kommt es in ihnen zur Gewalt. In "Tunnelblick" (2004) steht die S-Bahn mit Freitod in Verbindung und in "Heimliche Freundschaften" (1964) kommt der zwölfjährige Alexandre zu Tode, weil er sich vor einen fahrenden Zug wirft.

Der Bus – bescheidener Alltag, Mikrokosmos und Gemeinschaftsgefühl

In der Arte-Kompilation "Der Bus im Film" (hier online) wird betont, dass der Bus im Film oft als Mittel diene, "um den bescheidenen Alltag der bescheidenen Figuren zu verdeutlichen" (2:20 Min.). Als Beispiel dafür wird eine Szene aus dem homoerotischen Film "Asphalt-Cowboy" mit den Darstellern Dustin Hoffman und Jon Voight gezeigt. Demnach wäre der Bus – im Gegensatz zum Auto – das Verkehrsmittel für Menschen mit weniger Geld und mit ihrer sozialen Situation verknüpft. Die Kompilation schildert zudem in Bussen ausgetragene Auseinandersetzungen im Kontext von Sexismus und Rassismus (3:00 Min.), womit der Bus und die Fahrgäste zum gesellschaftlichen Mikrokosmos werden. Im Kontext von Roadmovies (3:40 Min.) wird auch das queere Roadmovie "Priscilla" (1994, 7:50 Min.) kurz erwähnt, das das Gemeinschaftsgefühl durch eine gemeinsame Reise gut veranschaulicht.


Ein bis heute beeindruckender Bus im Roadmovie "Priscilla" (1994)

Der Bus – Ort der Annäherung

In Bussen gibt es interessante Gespräche unter Schwulen, wie über den "Stoßverkehr" in "Unter der Treppe" (1969), oder Träumereien wie in "Leo's Room" (2009). In einigen schwulen Filmen ist der Bus der Ort vorsichtiger homoerotischer Annäherungen zwischen Männern wie in "On the bus" (2008) und "100 M Freestyle" (2013) bzw. zwischen Jungen wie in "Boy Meets Boy" (2008) und "Love Trip" (2009). Beeindruckend finde ich den Film "Dreamboy" (2008) nach der gleichnamigen Novelle von Jim Grimsley. Er handelt von der Liebe des 15-jährigen Nathan zu dem 17-jährigen Roy, der schon den Schulbus fährt, in dem sich die beiden näherkommen. Der Film endet mit einem Happy End: Roy fährt den Bus, schaut in den Spiegel, sieht Nathan und beide lächeln sich an.


Liebe im Schulbus: "Dreamboy" (2008)

Pornos – Passion on Rails

Einige Schwulenpornos verbinden im Titel Zugfahrten mit Leidenschaft ("Passion on Rails") oder mit dem symbolischen Ort der Wüste ("Desert Train"). Die Werbung für den Porno "Tickets Please" als "Fahrt eures Lebens" ("and prepare for the ride of your lives!") verdeutlicht gut die Parallele zwischen Zugfahrt und Lebensweg.

Einige Pornos veranschaulichen durch Titel und Covergestaltung, dass besonders die U-Bahn mit dem Gefühl von Gefahr und (hier inszenierter) sexueller Gewalt verknüpft ist ("Macho Men", "Subway Gang Bang", "The Subway", "Der U-Bahn-Fister").


Symbol der Wüste auf zwei Covern von "Desert Train"


Schiffe, Boote und Fähren – Liebesschaukeln im Wind

Wie schon die Arche Noah ist auch die reale Titanic zu einem Mythos geworden. Schiffsreisen können zu einem Symbol für den Lebensweg (Folge 28) werden, während kleine Boote eher auf romantische Erlebnisse verweisen. Wellen bzw. Sturm sind leicht verständliche Bilder für die Widrigkeiten des Lebens. Redewendungen wie "einen Schiffbruch erleiden" (= persönliche Rückschläge) und "Wir sitzen alle in einem Boot" (= Zusammengehörigkeit) verweisen auf weitere Bedeutungen.

Große Schiffe – Lebensreise und soziale Utopie

In Petr Weigls Film "Die Nacht aus Blei" (1985, hier online) nach einem homoerotischen Roman von Hans Henny Jahnn wird eine Lebensreise als eine alptraumhafte Wanderung in surrealistischer Symbolsprache erzählt. Eingerahmt wird diese Geschichte von dem Motiv eines Segelschiffs (00:30 Min.), das für den Protagonisten Matthieu unerreichbar zu sein scheint. Erst am Ende wird er von seinem Schutzengel zum Segelschiff geführt (1:01:50), das bis zur letzten Einstellung im Bild bleibt. Für Hermann J. Huber ("Gewalt und Leidenschaft", 1989, S. 128) ist das Segelschiff ein "magisches Symbol für die Überfahrt in eine andere Welt, eine bessere Zukunft" und eine "utopische Idylle". Ein großes Schiff, mit dem ebenfalls eine Lebensreise erzählt wird, ist in "No Night Is Too Long" (2002) zu sehen, worin ein starker Wind seine Parallele in den heftig aufgewühlten homoerotischen Gefühlen findet.

Es ist eher die Ausnahme, dass eine Lebensreise mit kleinen Booten erzählt wird. In "Wellen" (1998, 9:15 Min., hier online) besteigen im Abspann des Films zwei Männer ein Boot und entfernen sich langsam vom Ufer. Die "Wellen" im Filmtitel sollen wohl vorsichtig auf die Schwierigkeiten des Lebensweges verweisen. In gleicher symbolischer Bedeutung hätte man den Film auch nach den Klippen benennen können, die am Anfang dieses Kurzfilms ebenfalls zu sehen sind. In vergleichbarer symbolischer Bedeutung sitzen in "Almas perdidas" (2008, hier online) zunächst zwei Männer gemeinsam (8:00) und – nach dem Tod des Partners – ein Mann alleine in einem kleinen Boot (13:25 Min).


Eine soziale Utopie? 3.000 Schwule auf dem "Dream Boat" (2017)

Eine Erwähnung verdient noch die Dokumentation "Dream Boat" (2017) über eine Kreuzfahrt mit 3000 schwulen Männern, die im Trailer (1:02 Min., hier online) als eine "social utopia" bezeichnet wird, weil die Männer hier fernab ihrer konservativen Familien und politischer restriktiver Heimatländer unbeschwert feiern können.

Kleine Boote als Liebesnester


Ein schwules Liebesnest in "Another Country" (1984)

Kleine Boote werden wie in "Maurice" (1987) eher als kleine schwule Liebesnester inszeniert, also als Orte, wo sich Verliebte treffen. Mit "Liebesnest" meine ich nicht sexuelle Handlungen, sondern entspanntes Rudern, eine entspannte, intime und manchmal romantische Stimmung, die von beiden Männern genossen wird und die u.a. in "Something for Everyone" (1970), "A Very Natural Thing" (1974, 24:35 Min., hier online), "Another Country" (1984), "Brille mit Goldrand" (1987), "Krámpack. Nico und Dani" (2000, 1:14:50 Min., hier online), "All you need is love. Meine Schwiegertochter ist ein Mann" (2009), "Daniël" (2012, 6:30 Min., hier online) und "Morning is broken" (2015) zu sehen ist.


Das Boot als Liebesnest im Krieg: "Open Secrets" (2004)

Etwas untypisch, aber dazugehörend, ist eine Szene in der Doku "Open Secrets" (2004, 46:55 Min., hier online), die einen Blick darauf wirft, wie die kanadischen Streitkräfte während des Zweiten Weltkrieges mit Schwulen umgegangen sind, und die mit einer homo­erotischen Zeichnung mehrerer Soldaten in einem kleinen Boot, die auch im Film vorkommt, beworben wird.

Ebenfalls untypisch ist, dass ein schwules Liebesnest, wie in "Another Gay Sequel" (2008), mit einem kleinen Schiff inszeniert wird.

Metaphern – wir sitzen alle im selben Boot

Die Wohngemeinschaft des Strichers Jimmy in "Das Ende des Regenbogens" (1979) wird im Audiokommentar der DVD als (sicherer) "Hafen" bezeichnet und seine Situation damit als behütet umschrieben. Der Filmhistoriker Vito Russo ("Die schwule Traumfabrik", 1990) betont im Zusammenhang mit dem Film "Bloodbrothers" (1978, S. 150) und später noch einmal allgemein (S. 253), dass Homo- und Heterosexuelle im "gleichen Boot" säßen und damit trotz unterschiedlicher Interessen oder Voraussetzungen zusammenhalten sollten. Mit Schiffen als Sexualmetapher lässt sich Analverkehr zum Ausdruck bringen, wie mit den Redewendungen "Schiffchen versenken" in "Mein Leben in Rosarot" (1997) und "U-Boot besteigen" in "Another Gay Sequel" (2008) – wobei es sich bei diesen Beispielen jeweils um die deutschen Fassungen handelt. Die symbolische Bedeutung bleibt, auch wenn bei der Synchronisation ein nicht übersetzbares Wortspiel durch ein anderes ersetzt wurde.

Exkurs: Bootshäuser – die Erfüllung der Sehnsucht

Bootshäuser erscheinen in einigen Filmen als Orte, die eine besondere Bedeutung bei homo­sexuellen Begegnungen haben. Das wird mit dem Film "Maurice" (1987) und dem zugrundeliegenden Roman von E. M. Forster in Verbindung gebracht, worin ein Bootshaus (hier Szene online) eine große Bedeutung als erotischer Rückzugsort hat und bewegend in Szene gesetzt wird. Eine mögliche Referenz zu "Maurice" kann man in einer Folge der "Simpsons" erkennen (Folge 5/7), in der der schwule Smithers über eine verpasste sexuelle Chance mit Mr Burns sagt: "Im Bootshaus war die Gelegenheit." Im Online-Portal Simpsonsarchive wird diese kurze Szene so kommentiert: "A boathouse is the place in many 'stories' of homosexual encounters." Smithers' Kommentar "may have been a reference to E. M. Forster's 'Maurice'." In Buch und Film sei dies schließlich der Ort, an dem sich eine Sehnsucht erfülle ("fulfilled his yearning").

Auch der Kurzfilm "Keel" (2003) spielt in einem Bootshaus und zwischen zwei Männern kommt es zu einem ihr Verhältnis verändernden Kuss, wobei der Titel "Keel" (= Schiffskiel) nicht nur ein nautischer Begriff ist, sondern auch das "Umkippen" einer psychischen Situation andeutet. Die Bootshäuser als Orte homo­erotischer Begegnungen in "Adam & Steve" (2005) und in der Serie "Die Stein" (Folge 1/4, 2008) könnten hingegen vielleicht nur zufällig sein.

Weitere Bedeutungen: "Holländische Ruder" und "Fregatte"

Weitere Bedeutungsebenen finden sich in zwei Filmen von 2008: Das "Holländische Ruder" ist eine Bezeichnung aus dem Film "Zack and Miri Make a Porno" (2008). Es handelt sich um eine indirekte Form der Selbstbefriedigung unter Männern, bei der ein Mann seinen erigierten Penis festhält und der andere Mann seinen Arm in einer Art "Ruderbewegung" bewegt und ihn dadurch sexuell erregt. Dass ein schwuler Mann zwar als Bootsverleiher tätig ist, selbst jedoch keines besitzt, kann in "Daybreak" (2008, 14:55 Min., hier online) als Parallele zu seinem Wunsch nach einer Beziehung verstanden werden.

Jean Genet verarbeitet in seinem Roman "Wunder der Rose" (2000, S. 178, 224, 225) eigene Erfahrungen mit sexuellen Abhängigkeitsverhältnissen in einer Erziehungsanstalt, die er besuchte. Dabei erwähnt er Jungen, die sich anderen sexuell hingeben müssen und als "Fregatte" (= kleines Beiboot) bezeichnet werden. Sie tragen ein Tattoo mit diesem Motiv, das damit ihre Stellung in der sozialen Hierarchie kennzeichnet. Genets Buch wurde in Teilen verfilmt als "Poison" (1991), wobei diese Hintergründe jedoch nicht berücksichtigt wurden.

Fähren, die Menschen verbinden oder in das Totenreich führen

Fähren, die Menschen an zwei Ufern miteinander verbinden, ähneln symbolisch einer Brücke (Folge 30). In dem Film "Felix" (2000) hat der gleichnamige Protagonist früher auf einer Fähre gearbeitet, auf das verwandte Brückenmotiv im gleichen Film habe ich bereits hingewiesen. Der Film "Cover Boy" (2006, 1:32:10 h., hier online) zeigt in der Schlussszene zwei sich liebende Männer auf einer Fähre. In "Hotel Paradijs" (2007) verbindet eine Fähre das in Amsterdam getrennt lebende Paar Paul und Christiaan und symbolisiert gleichermaßen eine Brücke und die Distanz zwischen ihnen.


Was die Lebenden von den Toten trennt: "Styx" (2004)

In einigen Filmen bezieht sich das Motiv der Fähre auf eine Reise ohne Wiederkehr bzw. auf den Fluss Styx, der in der griechischen Mythologie in der Unterwelt die Lebenden von den Toten trennt. Dazu gehört Luchino Viscontis "Tod in Venedig" (1971), worin Gustav Aschenbach zum Übersetzen einen Gondoliere anheuert, der ihn jedoch nicht nach San Marco, sondern gegen seinen Wunsch zum Lido bringt. Der Gondoliere lässt sich hier – auch nach der zugrundeliegenden Novelle von Thomas Mann – als Todesbote interpretieren. In "Styx" (2004) ist der Titel schon ein Verweis darauf, dass sich der Fährmann Mark ein Leben ohne seinen Freund Adrian nicht vorstellen kann und sich mit einem Sprung ins Wasser das Leben nehmen möchte. Auch der Film "Walking with a ferryman" (2014) nimmt das Motiv des Flusses Styx in einem schwulen Kontext auf, er lag mir allerdings leider nicht zur Auswertung vor. Mit der Vorstellung einer Reise ohne Wiederkehr spielt auch der Titel des schwulen Krimis "Last Ferry" (2019).

Pornos – "Vögeln & Segeln"

In Schwulenpornos wird die sexuelle Stimmung auf einem Boot eng mit Sonne und Sommer verbunden ("The Wicked Game", "The big ones", "Road Trip Lake Shasta"). Es ist viel von "Liebes-Booten" die Rede, wobei aber auch sexuelle Anspielungen fast nie fehlen ("Latino Bareback Love Boat", "Love Boat Deep Throat", "Loveboat. Vögeln & Segeln").

Mit der Größe des Fahrzeugs verändert sich die symbolische Bedeutung: Wie bei den Spielfilmen sind Liebesboote eher klein und zeigen eine intime Atmosphäre. Bei einem großen Kreuzfahrtschiff geht es eher um eine Schiffsreise als eine Lebensreise.


Ein kleines Schiff in "The Wicked Game" und ein kleines Boot in "The Big ones"


Flugzeuge und Raumschiffe – fliegen und ficken

Der Wunsch zu fliegen gehört zu den ältesten Wünschen der Menschen. Fliegen und Flugzeuge symbolisieren den Wunsch nach Freiheit. Wer fliegt, kann sich über den Alltag erheben und die bestehenden Grenzen der Fortbewegung überwinden. Fliegen ermöglicht oft ein intensives bis rauschhaftes Körpererleben, das mit einem sexuellen Erlebnis verglichen werden kann. Fliegen hat, wie bei Ikarus, der beim Fliegen der Sonne zu nahe kam, aber auch eine ambivalente Symbolik und kann mit der Gefahr des "Abhebens" und dem Verlust der "Bodenhaftung" verbunden sein.

Fliegen ist wie Ficken

In "Die Stewardessen" (1971) lässt sich der eigentlich schwule Co-Pilot auf Sex mit der attraktiven Jenny ein, die als Femme fatale dargestellt wird. Auf diese und ähnliche Szenen bezieht sich das Filmcover mit seinem überdeutlich phallischen Flugzeug.

Wie sich das sexuelle Erlebnis mit dem Erlebnis des Fliegens überschneiden kann, zeigt der Regisseur Bruce LaBruce durch das Mittel des Parallelschnitts: Das fliegende Flugzeug in der Anfangsszene von "Hustler White" (1996) verbindet er mit Szenen von zwei Männern beim Analverkehr, wobei die Flugzeuglandung hier deutlich für einen Orgasmus steht. In Pedro Almodóvars "Fliegende Liebende" (2013) hat der (eigentlich heterosexuelle) Co-Pilot beim Fliegen Sex mit einem Mann. Ein späteres Problemgespräch darüber überschneidet sich mit den Problemen der gleichzeitigen Notlandung. Auch der gemeinsame Flug zweier junger Freunde auf einem fliegenden Penis in "Mein Freund Rachid" (1998) verbindet das fliegerische mit dem sexuellen Erlebnis. Eine Folge der "Simpsons" (Folge 14/15) zeigt das Auftanken eines Flugzeugs durch ein anderes, wobei die ausfahrbare Tankeinrichtung phallisch inszeniert wird.

Ficken, Drogen und Musik sind wie Fliegen

In der provokanten Dokumentation "When Boys Fly" (2002) gibt es zwar keine Flugzeuge zu sehen, dafür aber viele Schwule, die auf großen Partys Spaß haben. Durch den Filmtitel wird dieser Rausch aus betörender Musik, ekstatischem Sex und benebelnden Drogen mit dem Gefühl des Fliegens gleichgesetzt.


Ein schwuler Co-Pilot in "Die Stewardessen" (1971) und Drogen, mit denen man das Gefühl von Fliegen hat, in "When Boys Fly" (2002)

Flugreise als Lebensreise

Der Kurzfilm "You can't curry love" (2009, hier online) beginnt mit einer Flugreise nach Indien (2:30 Min.) und endet mit dem Rückflug nach England (19:05 Min.). In ähnlicher Form ist die Flugreise nach Los Angeles in "Seminarista" (2011, hier online) eine Klammer der Erzählung und macht in ähnlicher Form aus der Flugreise ebenfalls eine Lebensreise.

Spielzeug-Raketen von Kindern

Die Symbolik von Flugzeugen lässt sich auf Spielzeug übertragen und so kann die kleine Spielzeugrakete, an der ein kleiner Junge in "A Silent Truth" (2012, 8:35 Min., hier online) reibt, schon eine sexuelle Anspielung sein. In dem Papierflieger des 15-jährigen Felix in "HerzHaft" (2007) kann man ein Symbol für Freiheit erkennen, nämlich für die sexuelle Freiheit, mit dem älteren Ralph ein Verhältnis haben zu dürfen, der eine Gefängnisstrafe befürchtet.

Ein deutlicher sexueller Missbrauch wird in dem homophoben Lehrfilm "Die Pfütze" (1961) geschildert: Ein Junge spielt mit seiner Spielzeugrakete, nach dem Missbrauch liegt diese kaputt in einer dreckigen Pfütze. Die beschädigte Spielzeug-Rakete steht hier wohl stellvertretend für die beschädigte Psyche des Kindes. In einer anderen Version dieses Films aus dem gleichen Jahr unter dem Titel "Augen auf, Peter!" kann der sexuelle Übergriff auf den Schuljungen verhindert werden.


Die Spielzeugrakete und der Junge erleiden in "Die Pfütze" (1978) Schaden

Raketen als Phalli

In John Schlesingers "Asphalt-Cowboy" (1969) geht es im Kino um einen Funktionsfehler bei einer Rakete und in "Eh' die Fledermaus ihren Flug beendet" (1989) im Fernsehen um Raketen, die vernichtet werden sollen. Beide "Filme im Film" zeigen Parallelen zur jeweiligen Haupthandlung und sind dezente phallische Anspielungen. Deutlicher in ihrer phallischen Bedeutung ist eine abgeschossene Rakete in "Queer as Folk" (Folge 2/16), weil sie im Kontext von Sex gezeigt wird.


Die abgeschossene Rakete in "Queer as Folk" (Folge 2/16)

Das Raumschiff als Phallus und der Flug als Ejakulation

Das mit Abstand bekannteste schwule Raumschiff ist das "(T)raumschiff Surprise" (2004), das eine leicht erkennbare phallische Form hat. In dem Film ist der Flug eines Taxi-Raumschiffs (mit seinem Kapitän Til Schweiger) als Ejakulation inszeniert. Diese überdeutliche Bildsymbolik findet durch Äußerungen über den geringen Gleitfaktor, die stark pulsierenden Vibrationen und das Vorstoßen in neue Lebenswelten ihre ebenso deutliche verbale Entsprechung.

Pornos – Rocket in my pocket

Einige Schwulenpornos sexualisieren das Fliegen und zeigen neben nackten Männerkörpern auch Flugzeuge ("Fleet Week", "Flyin' solo", "Winged"), Landebahnen und Wolken ("Sex Fly. A Cum-filled Journey of Boys and cocks", "Off Duty", "Fly Boys", "Flight Club"). In Pornos wird "Fliegen" leicht erkennbar synonym für Sex verwendet. Das macht auch die mehrteilige Reihe "Cum fly with Cullin" deutlich – sprachlich unterstützt durch die Flugzeugaufschrift "Jizz (Sperma) Air" im ersten Teil.


Das phallische "(T)raumschiff Surprise" (2004) und das Fliegen im Porno "Sex Fly"

Raketen werden als Phalli dargestellt ("Handheld Rocket", "Pocket Rockets", "Rocket in my pocket") und mit "Reis-Raketen" ("Rice Rockets") sind speziell die Phalli von Asiaten gemeint. Das schwule Pornolabel "Love Rocket" hat mit einer Rakete, der Farbe Pink und Herzen in seinem Logo gleich drei Symbole aufgegriffen.

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