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Rede bei AfD-Parteitag
AfD-Politiker diffamiert queere Menschen als "staatlich geduldete Kinderfi**er"
Mit Bezug auf Drag-Lesungen forderte der AfD-Gemeinderat Peter Junker, Kinder vor "Perversitäten, vor Abartigkeiten, vor staatlich geduldeten Kinderfi**ern" zu schützen. Sven Bäring von QueerBw zeigte ihn wegen Volksverhetzung an.

Peter Junker ist seit 2020 Mitglied des Gemeinderats von Finsing in Oberbayern. Bis 2016 war er Mitglied der CSU (Bild: IMAGO / ZUMA Wire)
- 9. August 2023, 03:37h 3 Min.
Beim AfD-Parteitag am vergangenen Wochenende bewarb sich Peter Junker, stellvertretender Vorsitzender des AfD-Kreisverbands und Gemeinderat im oberbayerischen Finsing, erfolglos um einen Platz auf der Kandidat*innen-Liste der Rechtsaußenpartei für die Europawahl. Nun hat seine extrem queerfeindliche Bewerbungsrede ein juristisches Nachspiel. Sven Bäring vom Verein QueerBw, der Interessenvertretung queerer Angehöriger des Bundeswehr, erstattete Anzeige wegen Volksverhetzung.
In seiner knapp neunminütigen Vorstellung (komplette Rede auf Youtube) empörte sich Junker über die unrealistische Situation, "wenn meine vierjährige Tochter von einer Dragqueen belabert wird, sich ein Dragqueen-Märchenbuch vorlesen lassen muss und das noch für gut finden muss". Hier müsse die AfD "Aufklärung" leisten, so der 65-Jährige. "Es gibt keine 132.000 Geschlechter, es gibt nur zwei Geschlechter, Mann und Frau, ohne Wenn und Aber. Also schützen wir das Beste, was wir haben, unsere Kinder, unseren Nachwuchs. Schützen wir vor Perversitäten, vor Abartigkeiten, vor staatlich geduldeten Kinderfi**ern."
Beifall von den AfD-Delegierten
Für die schwere Entgleisung gab es aus dem Saal Jubelrufe und Applaus. "Das Wort kann ruhig in die Presse", meinte Junker, es habe es bewusst gewählt. "Denn mit dieser ganzen Schönfärberei, Gender und trans und schwul und alles Mögliche, ist ja alles recht und schön, die sollten auch machen, was sie wollen, aber nicht wie mit einer Monstranz vor uns herführen und sagen, das ist die Zukunft, das ist das Beste. Nein. Bis jetzt gilt immer noch Mann und Frau, und wir machen unsere Kinder selber."
Junkers Rede hatte der QueerBW-Vorsitzende Sven Bäring nach eigenen Angaben durch Zufall mitbekommen, einen Ausschnitt postete er am Sonntag auf dem Kurznachrichtendienst X (ehemals Twitter). "Keine Macht der Hetze", schrieb er dazu. "Herr Junker, ich habe soeben Strafanzeige erstattet. Queers als 'staatlich geduldeten Kinderf**ker' zu bezeichnen ist Volksverhetzung und sie gehören dafür zur Rechenschaft gezogen. Sie ebnen den Weg für die steigende Gewalt gegen Queers."
/ SvenBaeringKeine Macht der Hetze. Herr Junker, ich habe soeben Strafanzeige erstattet. Queers als "staatlich geduldeten Kinderf**ker" zu bezeichnen ist Volksverhetzung und sie gehören dafür zur Rechenschaft gezogen. Sie ebnen den Weg für die steigende Gewalt gegen Queers. #afdbpt23 #hass pic.twitter.com/bK6TKGovYB
Sven Mangel an charakterlicher Integrität Bäring (@SvenBaering) August 5, 2023
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Entsetzt zeigte sich Bäring auch über die Reaktion der AfD-Delegierten. "Der Applaus bei Hass und Hetze macht Angst", schrieb er in einem weiteren Post. "Ist das die Zukunft? Wie viel Gewalt gegen Homo- und Bisexuelle sowie Trans*personen müssen wir noch ertragen? Wir dürfen nicht mehr schweigen!"
Polizei bestätigt Eingang der Anzeige
Seine Anzeige erstattete der QueerBw-Vorsitzende bei der Polizei in Köln. Ein Sprecher des Kölner Polizeipräsidiums erklärte gegenüber der "Süddeutschen Zeitung", die Anzeige werde zuständigkeitshalber an die Polizei in Magdeburg abgegeben, die dann in der Sache ermitteln und sie der dortigen Staatsanwaltschaft zur Entscheidung vorlegen werde.
Peter Junker vertritt seit 2020 die AfD im Gemeinderat von Finsing. Bis 2016 war er Mitglied der CSU. Bei der Bundestagswahl 2021 trat der 65-Jährige, dessen Markenzeichen eine blaue AfD-Kappe ist, als Direktkandidat der Rechtsaußenpartei im Wahlkreis Erding-Ebersberg an und erhielt 6,9 Prozent der Erststimmen. (mize)














