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Pforzheim
Neue Ermittlungen gegen Baptistenkirche nach Tötungswünschen
Ein Prediger der Baptist*innensekte "Zuverlässiges Wort" betete für die grausame Tötung eines konkurrierenden Gemeindeleiters. Und: Trotz des queerfeindlichen Gebahrens ließ sich der Oberbürgermeister nicht beim CSD blicken.

Untermauerte seine Gläubigkeit mal wieder mit Tötungswünschen: "Bruder Moses" (Bild: Screenshot / Youtube)
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10. August 2023, 12:56h 4 Min.
Die Baptistenkirche Zuverlässiges Wort aus Pforzheim hat sich ein weiteres Ermittlungsverfahren eingehandelt. In einer Ende Juli gehaltenen Predigt bat der als Bruder Moses bekannte Prediger Gott um die Tötung eines AfD-nahen, konkurrierenden Evangelikalen aus Pforzheim.
Und: Dass der Pforzheimer Oberbürgermeister Peter Boch nach der Aufregung um die queerfeindlichen Hetzpredigten der Gemeinde nicht am ersten Pforzheimer CSD teilnahm, erklärte er gegenüber queer.de mit einer reichlich sonderbaren Entschuldigung.
Seit Ende 2021 berichtet queer.de in einem eigenen Schwerpunkt über die radikale Baptistensekte in der baden-württembergischen Großstadt. Besonders abgestellt hat es die es nämlich immer wieder auf queerfeinliche Predigten und Mordaufrufe gegen LGBTI.
Alle Zähne und Knochen brechen
Lothar Gassmann ist ein evangelikaler Publizist und Theologe, führt in Pforzheim die Bibelgemeinde an und hatte zuletzt mit Widerstand gegen die Corona-Impfung für Aufsehen gesorgt. Ins Visier der Pforzheimer Baptist*innensekte geriet Gassmann jetzt wegen theologisch abweichender Haltungen.
Doch Prediger Moses betete im Anschluss an seine eineinhalbstündige Rede gegen Gassmann nicht nur dafür, dass die Gläubigen aus dessen Bibelgemeinde ihren Weg in die baptistische Konkurrenzsekte finden, bevor sie in die Hölle gehen müssten.
"Ich bete dafür, dass Lothar Gassmann so schnell wie möglich stirbt und in die Hölle kommt" führte der Fundi seine Abschlussgebete fort. Außerdem bete er, dass Gott Gassmann, bevor er diesen in die Hölle schicke, "alle Zähne und alle Knochen" bricht, und zwar "so schmerzhaft wie möglich". Zuerst berichtete der SWR am Donnerstag über den Vorfall. Vorher sagte Moses demnach: "Wir werden ihn wirklich hassen".
Der hasserfüllte Vortrag ist inzwischen nicht mehr auf dem Portal Youtube verfügbar, aber andernorts im Internet. Die Pforzheimer Polizei teilte mit, dass wegen der online übertragenen Rede ein Ermittlungsverfahren eröffnet und bereits an die Staatsanwaltschaft abgegeben worden sei. Gegenüber dem SWR erklärte die Polizei demnach, sie arbeite "eng mit dem angegriffenen Mitglied der Pforzheimer Bibelgemeinde, dem Theologen Lothar Gassmann, zusammen".
Die bisherigen Ermittlungen wegen Volksverhetzung dauerten zudem nach wie vor an, wie queer.de Ende Juli auch aus einer Stellungnahme des Landesinnenministeriums erfuhr (queer.de berichtete). Ermittelt werde gegen drei Personen.
Gassmann ist nicht der erste Rechte, dem die Fundikirche öffentlich einen baldigen Tod wünscht. Vor wenigen Wochen ging Sektengründer Anselm Urban auch auf die lesbische AfD-Vorsitzende Alice Weidel und den schwulen Publizisten David Berger los (queer.de berichtete).
CSD-Nichtteilnahme mit zweifelhafter Entschuldigung gerechtfertigt
Unterdessen erfuhr queer.de, dass der Pforzheimer Oberbürgermeister Peter Boch (CDU) die seit März unter Dauerangriffen stehende queere Community der baden-württembergischen Großstadt nicht durch eine Teilnahme beim CSD unterstützte. Nachdem Boch sowie der Erste Bürgermeister der Stadt, der CDU-Politiker Dirk Büscher, von Sektengründer Anselm Urban schwulenfeindlich beleidigt worden waren, hatten beide Urban im Juni angezeigt und ihre Solidarität kundgetan.
Damals bekundete Boch anlässlich der Anzeigen: "Als Politiker stehen wir in der Öffentlichkeit und halten im Zweifelsfall auch einen solchen Schund aus – für andere, um die es in diesem Video geht, gilt dies nicht. Wir sprechen also auch für sie, wenn wir jetzt Strafanzeige stellen." Die Stadt Pforzheim stehe für Frieden, Toleranz, Weltoffenheit und einen respektvollen Umgang miteinander, stellte der Politiker klar (queer.de berichtete).
Und auch jetzt lässt Boch wissen: "Als wehrhafte Demokratie müssen wir immer wachsam bleiben gegenüber den Feinden unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung. Ebenso entschlossen stellen wir uns als Stadtgesellschaft gegen jegliche Form von Diskriminierung, sei es aufgrund von Religion, Behinderung, Alter, Geschlecht oder eben sexueller Orientierung."
Doch für eine Teilnahme beim Pforzheimer Christopher Street Day, dem am 17. Juni erstmals durchgeführten queeren Straßenfest, reichte es augenscheinlich nicht. Gegenüber queer.de teilte ein Sprecher der Stadt auf die entsprechende Nachfrage mit: "Nein, die Veranstaltung wurde relativ kurzfristig bekannt gegeben."
Doch nach queer.de-Informationen war nicht nur die Bekanntgabe des CSDs, sondern auch die Einladung Bochs so kurzfristig nicht. Ganze sechs Wochen vorher will man den Oberbürgermeister eingeladen haben, erfuhr queer.de von den Organisator*innen. Statt Boch nahm dann Sozialbürgermeister Frank Fillbrunn für die Stadt am CSD teil.
Begrüßt habe man die erstmalige Ausrichtung des CSDs in Pforzheim aber, betont der Stadtsprecher – und als Zeichen der Unterstützung das Neue Rathaus in Regenbogenfarben angestrahlt. Und: "Den Veranstaltern wurde zudem ermöglicht, das Wappen in Regenbogenfarben einzufärben."
Doch auch beim Regenbogenwappen sieht die Sache aus Sicht der Veranstalter*innen etwas anders aus. Die Anfrage sei nämlich vom Dezernat Kommunikation zunächst negativ beschieden worden. Erst als nach ein paar Wochen klar gewesen sei, dass der CSD doch größer werde, habe es eine Erlaubnis gegeben – da hatten die CSD-Organisator*innen aber bereits ein eigenes, alternatives Logo entwickelt und entsprechend kein Interesse mehr an der Nutzung des Stadtwappens.











