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Heimkino
Warum ich von "Royal Blue" enttäuscht bin
Der Roman "Royal Blue", in dem sich der Sohn der US-Präsidentin in den britischen Prinzen verliebt, wurde zum Bestseller, jetzt wurde er von Amazon verfilmt. Leider ist die RomCom nur guter Durchschnitt, viele starke Nebenfiguren fehlen.

Nicholas Galitzine als Prince Henry und Taylor Zakhar Perez als Alex Claremont-Diaz, der Sohn der US-Präsidentin: "Royal Blue" kann ab Freitag, den 11. August 2023 bei Amazon Prime Video gestreamt werden (Bild: Prime Video)
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10. August 2023, 16:02h 4 Min.
Was für eine süße Utopie: Ein britischer Prinz ist schwul, die USA regiert eine Präsidentin, deren Sohn bisexuell ist. Anfangs können die zwei Gleichaltrigen sich nicht ausstehen, doch dann verlieben sie sich ineinander. Sie treffen sich heimlich, eine diplomatisch brisante Fernbeziehung nimmt ihren Lauf. Am Ende setzen sie sich über jahrhundertealte Traditionen und Pflichten hinweg, offenbaren ihre Liebe – und werden dafür gefeiert. Hach!
Es ist diese Story, die Casey McQuiston vor wenigen Jahren als Roman aufgeschrieben hat und damit einen weltweit übersetzten und gelobten Bestseller landete. Der Roman hatte so gut wie alles, was eine romantisch-witzige Coming-of-Age-Geschichte brauchte: Sympathische Hauptfiguren, Drama zwischen ihnen sowie unterstützende, lustige Nebencharaktere mit Tiefe. Politik- und Royal-Fans waren zusätzlich happy: Die demokratische Präsidentin zittert mitten im Wahlkampf um ihre Wiederwahl, es gibt intrigante Hinterzimmertreffen, und die königliche Familie in London ist zurückhaltend, aber bestimmt auf Traditionen getrimmt (ausführliche Buchkritik).
Uma Thurman überzeugt als US-Präsidentin
Ein Plot, der geradezu nach einer filmischen Adaption schreit. Schon einen Monat, bevor der Roman überhaupt veröffentlicht wurde, sicherte sich Amazon Studios die Rechte an der Verfilmung. Dabei überbot die Filmproduktion auch Größen wie Village Roadshow, Paramount und Warner Bros.
Doch jetzt ist die Enttäuschung groß: "Red, White & Royal Blue" ist eine absolut durchschnittliche Romcom, die im riesigen Streaming-Angebot untergeht. Dem Film fehlt all das, was den Roman so besonders macht, und übrig bleibt dann eben relativ lieblose Massenware, die sich nicht abhebt.
Das hat viele Gründe, und es beginnt mit der Besetzung: Taylor Zakhar Perez als First Son Alex Claremont-Diaz und Nicholas Galitzine als Prince Henry sind nicht gerade die erste Riege Darsteller, was aber per se kein Problem ist. Insbesondere Streaminganbieter haben immer wieder bewiesen, dass es sich lohnt, Newcomer*innen zu besetzen. Doch vor allem Taylor Zakhar Perez scheint in seiner Rolle nicht angekommen zu sein. Er spielt übertrieben und unglaubwürdig. Das kann dann auch eine Uma Thurman als strenge, verständnisvolle, bestimmte, liebende – kurz: komplexe – US-Präsidentin und Mutter nicht rausreißen.

Uma Thurman als US-Präsidentin Ellen Claremont mit ihrem Sohn Alex Claremont-Diaz (Bild: Prime Video)
Den Sexszenen fehlt Leidenschaft
Dass der zweistündige Film, der mehr Drama als Komödie ist, nicht so richtig in Fahrt kommt, liegt aber noch viel mehr am Drehbuch: Für die Beziehung von Alex und Henry nimmt es sich sehr viel Zeit. Bis es zum überraschenden, dramatischen Höhepunkt dauert es sehr lange. Der Konflikt und dessen Lösung bis zum Happy End dagegen passieren viel zu schnell. Der preisgekrönte Dramatiker Matthew Lopez, der das Drehbuch gemeinsam mit Ted Malawer schrieb und mit "Red, White & Royal Blue" sein Regiedebüt gibt, hätte den Fokus besser verschoben.
Und auch sonst fehlt dem Film das gewisse Etwas. Der erste Kuss ist eher unfreiwillig komisch, die sehr unschuldigen Sexszenen sind alles andere als romantisch. Oder wie leidenschaftlich kann Sex sein, bei dem man danach noch seine Fliege trägt? Die politischen Intrigen aus der literarischen Vorlage sind auf ein Minimum reduziert. Und die langen E-Mails, die sich die zwei Liebenden über den Atlantik schicken, gespickt mit Anspielungen und Sehnsucht und Zitaten, fehlen fast völlig. Und auch so manche liebgewonnene Nebenfigur, die den Roman so bereichert hat, schaffte es nicht in den Film, etwa Alex' Schwester June.
Der Film nutzt sein Potenzial nicht
Sinnbildlich für die offenbar andere Herangehensweise an die Geschichte sind Cover und Plakat: Das pastellfarbene Romancover – je nach Auflage hellblau oder rosa – war voller Süße und Leichtigkeit. Das Filmplakat dagegen – die zwei Hauptfiguren im dunklen Anzug auf einem dunkelroten Chesterfield-Sofa vor einer Holztür – ist schwer und bieder.
Insgesamt wirkt es, als hätte Regisseur Matthew Lopez für "Red, White & Royal Blue" eine Schablone des "Unmögliche-Liebe-Films" mit all seinen bekannten Sätzen, Situationen und Bildern genutzt und möglichst altbackene Musik darübergelegt. Nicht falsch verstehen: Der Film ist keine Katastrophe und es ist bisweilen unfair, Verfilmungen an ihrer Vorlage zu messen. Bücher und Filme funktionieren unterschiedlich und verfügen über andere Möglichkeiten. Doch "Red, White & Royal Blue" nutzt sein Potenzial nicht.
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