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Klima-Aktivistin
Wie "Bild" und Co einen Trans-Frauenknast-Skandal herbeischreiben
Penelope F. ist Klima-Aktivistin und trans, könnte ins Frauengefängnis müssen. "Bild" und andere Medien machen daraus einen Skandal – und verstoßen gegen die Persönlichkeitsrechte der Frau.

Die Spendensammelseite von Penelope F. (Bild: Screenshot / Gofundme)
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11. August 2023, 14:17h 4 Min.
Im November 2022 klebten sich Aktivist*innen der Letzten Generation an das Rollfeld des Hauptstadtflughafens BER und legten so den Flugverkehr lahm. Die juristischen und finanziellen Konsequenzen, die die Klimaschützer*innen eingehen, sind enorm. Und natürlich ziehen sie damit den Zorn von Passagieren und Fluggesellschaften auf sich.
Doch im Fall der 32-jährigen Penelope F. kommen nun auch noch Anfeindungen von "Bild", rechten Trolls und anderen kruden Medien hinzu. Was in den USA oder Schottland funktioniert hat, das zieht vielleicht auch in Deutschland – dachten sich transfeindliche Redakteur*innen. Und versuchen seitdem, den nächsten Trans-Frauenknast-Skandal herbei zu schreiben. Schärfste Waffe in diesem Kampf: Aufmachungen der Artikel mit von Instagram entwendeten Bildern, die F. in aufreizender Pose zeigen. Trans Frauen, Sexualität – irgendwas wird schon hängen bleiben.
Bizarrer Brückenschlag zum Selbstbestimmungsgesetz
Hintergrund ist ein Spendensammelaufruf der transgeschlechtlichen Frau. Denn die wohnungslose F. fürchtet, nach einer Verurteilung in ein Männergefängnis zu müssen. "Doch in den Männerknast will F. nicht", schreibt "Bild" unterhalb eines Fotos, das die Frau in Strumpfhosen und auf einem Bett kniend zeigt. Eine gute anwaltliche Vertretung soll das möglichst abwenden. Und auch zur Bezahlung bisheriger Geldstrafen und zur Vermeidung einer sonst anstehenden Ersatzfreiheitsstrafe war die Sammlung bisher da.
"Bizarr" nennt die Zeitung denn auch, dass F. womöglich gar nicht in den Männerknast müsste. Denn die Hauptstadt gehört zu den wenigen Bundesländern, die die Regelungen zum Justizvollzug betreffend geschlechtliche Minderheiten bereits progressiv überarbeitet haben. In Berlin wie andernorts gilt dabei weder das bei der Geburt zugewiesene Geschlecht noch der Geschlechtseintrag, wie er amtlich hinterlegt ist. Stattdessen suchen die Verantwortlichen zusammen mit den betroffenen trans- oder intergeschlechtlichen Häftlingen nach einer möglichst guten Lösung für die Situation. Im Zweifelsfall bedeutet das aber auch, dass auch transgeschlechtliche Frauen in den Männerknast müssen.
Obwohl der Geschlechtseintrag also gar nicht entscheidend ist, schafft es die "Bild" trotzdem, einen Bogen zum geplanten Selbstbestimmungsgesetz zu schlagen, das man in der Redaktion offensichtlich nach wie vor verhindern will. Ich habe dafür Verständnis. Als Bild-Redakteur*in hat man ja sonst nicht viel im Leben. Ein bisschen Selbstwirksamkeit zu spüren, das kann zwischendurch wie eine wahre Wohltat wirken. Also behauptet die Zeitung völlig ohne Zusammenhang nach einer kurzen (natürlich falschen) Darstellung der Rechtslage bei Berliner Gefängnissen: "So will es die Ampel-Koalition bald auch für ganz Deutschland."
Kristina Schröder ist geschockt
Die "Bild"-Arbeitsanweisungen sehen in solchen Fällen nun, das ist ja allgemein bekannt, Anrufe bei Kristina Schröder und Julia Klöckner vor. Erreicht hat man die Ex-Frauen- und -Familienministerin. "Schockiert" sei die über den Fall, will transgeschlechtliche Frauen nicht im Gefängnis sehen. Jetzt nicht, weil Schröder plötzlich ihr Herz für das Wohlbefinden weiblicher Strafgefangener entdeckt hätte. Etwa, weil Gewalt, auch sexuelle Gewalt, zur bitteren Realität in Frauenknästen gehört – ausgeübt von Mitgefangenen wie auch von Personal. War da was?
Nur gefälligst von transgeschlechtlichen Frauen, von denen soll bitte nichts schlechtes gegen andere Strafgefangene ausgehen. Und deshalb dürfen sie auch gar nicht erst rein in den Frauenknast, diese Wohlfühloase weiblicher Selbstfindung, quasi das Tropical Islands unter den Schutzzonen. Denn trans Frauen sind ja, so meint es Schröder, "körperlich überlegen". Es klingt, als würde jeder Versuch cisgeschlechtlicher Frauen, sich mit einer anderen Cis-Frau zu prügeln, nach wenigen Sekunden mit einem technischen Remis entschieden. Schröder jedenfalls muss es wissen. Sie war ja mal Bundesfrauenministerin.
Und noch mehr Angriffe auf die Persönlichkeitsrechte
Nicht zwei mal bitten lässt sich da "Nius" – und nennt F. denn auch schon in der Überschrift unter dem selben gestohlenen Foto "biologischer Mann". Dabei war dem "Nius"-Vorgängerportal "Pleiteticker" beziehungsweise Chef Julian Reichelt in einem weiteren Fall bereits gerichtlich untersagt worden, die Objekte seines Hasses in dieser Form zu misgendern (queer.de berichtete).
Klar, um sich wie die damals betroffene Aktivistin Janka Kluge gegen derlei widerliche Angriffe auf die eigenen Persönlichkeitsrechte zur Wehr zu setzen, braucht es Anwält*innen, viel Kraft und Zeit und vor allem das nötige Kleingeld. Wie gut wäre da eine Spendensammlung zur Begleichung von Rechtskosten oder anderer Ausgaben?
Ach, da ist ja eine.














