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Bayern
LSU kritisiert homophobe Äußerung von CSU-Stadtrat
Ein CSU-Kommunalpolitiker will die Uhren für queere Rechte um Jahrzehnte zurückdrehen – die Lesben und Schwulen in der Union hoffen nun, mit Aufklärung künftig derartige Ausbrüche zu verhindern.

LSU-Chef Jakob Schneider will seine Parteifreund*innen aufklären (Bild: LSU Bayern)
- 14. August 2023, 11:15h 3 Min.
Jakob Schneider, der bayerische Landeschef der Schwulen und Lesben in der Union, hat die homophobe Äußerung des Kommunalpolitikers Markus Stigloher aus Bad Aibling-Willing kritisiert, aber dessen Rücktritt abgelehnt. Die Äußerungen seines Parteifreundes seien "außerordentlich bedauerlich und es zeigt mir, dass wir als LSU innerhalb der CSU bei manchen Menschen noch viel Aufklärungsarbeit leisten müssen", so Schneider gegenüber dem "Oberbayerischen Volksblatt" (Bezahlartikel).
Stigloher, der Dritter Bürgermeister und Stadtrat von Bad Aibling sowie CSU-Chef von Willing ist, hatte Anfang Juni auf dem Facebook-Konto der Willinger CSU ein Bild von CSD-Teilnehmenden mit einem Transparent der Grünen veröffentlicht und diese verächtlich gemacht: "Was soll daran PROUD sein wenn wer QUEER ist? Die Natur hat für die Queeren keine Fortpflanzung vorgesehen. Das ist der ultimative BIG FAIL im Leben der QUEEREN. CSU Willing meint: kein Adoptionsrecht für Homos."

Das vom CSU-Politiker geforderte Verbot der Adoption aufgrund der sexuellen Orientierung wäre für Deutschland etwas Neues, denn homosexuelle Einzelpersonen können bereits seit Jahrzehnten adoptieren. 2005 wurde gegen den erbitterten Widerstand der Union die Stiefkindadoption für eingetragene Lebenspartnerinnen und Lebenspartner eingeführt, 2017 stellte der Bundestag gleichgeschlechtliche Paare mit der Ehe-Öffnung auch im Adoptionsrecht weitgehend gleich.
Posting inzwischen gelöscht
Die verächtliche Äußerung des Stadtrats stieß auf recht wenig Gegenwehr innerhalb der CSU – als einer der wenigen Parteifreunde kritisierte Bürgermeister Stephan Schlier das Posting als "völlig unangemessen". Immerhin: Nach drei Wochen wurde der Eintrag gelöscht und Stigloher erklärte: "Der Post war unangemessen. Es tut mir leid, sollte ich jemand verletzt oder beleidigt haben." Unklar bleibt allerdings, ob er weiter Homosexuellen pauschal das Adoptionsrecht entziehen will.
Als Ortsvorsitzender der CSU-Willing übernehme ich die Verantwortung für meinen Post vom 4.Juni 2023. Ich entschuldige...
Posted by CSU Willing on Saturday, July 22, 2023
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Die Grüne Jugend Rosenheim bezweifelte deshalb die Ernsthaftigkeit, mit der die CSU in der Landesregierung gegen mit der Einführung eines Aktionsplans Queerfeindlichkeit bekämpfen will: "Wir fragen uns, wie ernst gemeint das sein kann, wenn in der eigenen Basis Posts wie diese über Monate hinweg toleriert werden", so der Vorstand der Jugendorganisation.
LSU: Viele CSU-Mitglieder haben "keine Berührungspunkte" mit queeren Themen
Die LSU, seit 2022 offizielle Parteiorganisation der CDU, kritisiert nur sehr selten Parteifreund*innen. Auch Schneider betonte, dass er nicht den Rücktritt Sitglohers fordere. "Es ist schade, dass wir innerhalb unserer Gesellschaft nach jeder Verfehlung immer gleich das Äußerste fordern", so Schneider. Vielmehr führt er derartige Äußerungen aus der CSU nicht auf Hass zurück, sondern auf schlichte Unwissenheit. Viele Mitglieder der CSU hätten bei queeren Themen nun einmal "nur wenige oder gar keine Berührungspunkte". Diese Wissenslücken wolle man schließen.
Über den Umgang mit der CSU gab es immer wieder Debatten in der queeren Community: So durfte die CSU in München in diesem Jahr nicht mit einem Truck in der CSD-Demonstration mitfahren (queer.de berichtete). Grund war unter anderem, dass CSU-Politiker*innen Stimmung gegen eine Drag-Lesung für Kinder in einer städtischen Münchner Bibliothek gemacht hatten. (dk)















