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TV-Tipp
Deutsch, lustig und queer: "Ready.Daddy.Go!" ist eine Rarität
Jetzt schon in der Mediathek anschauen: Die sechsteilige ZDF-Serie "Ready.Daddy.Go!" sprintet in unter fünfzehn Minuten pro Episode durch die Turbulenzen schwuler Elternschaft.

So hat sich Michel (Fridolin Sandmeyer.) das Vatersein nicht vorgestellt. Pflegekind Getsimani (Fee Böckler-Schuster) tanzt ihm nicht nur mit dem Stoffvogel auf der Nase rum (Bild: ZDF / Ramin Morady)
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15. August 2023, 17:18h 4 Min.
"Ready.Daddy.Go!" – der (leider eher peinliche) Titel gibt Fahrtrichtung und vor allem Geschwindigkeit vor. Die sechsteilige, sich selbst als Instant-Fiction bezeichnende ZDF-Serie lässt nichts anbrennen und sprintet in unter fünfzehn Minuten pro Episode durch die Turbulenzen schwuler Elternschaft.
Naja, so ganz dann aber auch nicht. Es geht mehr darum, Vater zu werden, als einer zu sein. Der wahnsinnig niedliche Fridolin Sandmeyer spielt den vom Wunsch, Vater zu werden und eine Familie zu gründen, geradezu besessenen Michel. Sein Partner Dirk (Florian Jahr) ist auch an Bord – zumindest bis es ernst wird…
Ab Dienstag, den 22. August 2023 um 21.45 Uhr wird "Ready.Daddy.Go!" auf ZDFneo ausgestrahlt. In der ZDF-Mediathek stehen bereits jetzt alle Folgen zum Binge-Watching zur Verfügung.
Die Kürze der Serie ist Stärke und Schwäche zugleich
Um die deutsche Komik ist es nicht gut bestellt. Was im Hauptabendprogramm um die Welt reist oder mit Comedy auf Meme-Niveau über die Unterschiede zwischen den Geschlechtern oder den Nationalitäten spottet, ist so hervorragend veraltet, dass ich es nicht mal mehr anreißen möchte. Da diese Behauptung bei vielen Menschen den Impuls auszulösen scheint, mit Loriot herumzuwedeln und, wenn auch unausgesprochen, auf eine gute alte Zeit zu verweisen, ist es sehr zu begrüßen, wenn neue Formen und Formate erprobt werden. Während der Covid-19-Pandemie wurde beim ZDF die "Instant Fiction" ersonnen, ein Serienformat, das in sehr kurzer Zeit vom Konzept bis zur fertig produzierten Veröffentlichung führt und sich in besonderem Maße an eine junge, streamingaffine Zielgruppe richtet.
Die Kürze der Serie ist sowohl ihre Stärke als auch die größte Schwäche. Der knackige Schreibstil und die resultierende Kurzweil dieser schnell produzierten und ebenso erzählten Serie unterhalten gut und bringen mehrfach zum Lachen – wenn auch nicht jeder Witz landet und manch einer gar tief aus der Cringe-Schublade gezogen wurde. Doch lange darüber nachzudenken, ist weder nötig noch möglich, da es so schnell weitergeht, dass gar keine Zeit bleibt. Und zack ist die Folge auch eh schon vorbei…
Doch genau diese Schnelligkeit hat ihren Preis. Emotionale Bögen hängen in der Luft oder brechen ab, bevor sie überhaupt beginnen können. Michels Versuche, eine Frau für eine Co-Parenting-Lösung zu finden, sind als Speed-Dating inszeniert, die Frauen, die er trifft, bleiben alberne, in Eile gezeichnete Karikaturen. Hier bleibt dann doch der fade Nachgeschmack der Hast. Ein bisschen mehr Zeit, um dann doch etwas mehr in die Tiefe zu gehen, wäre ganz schön gewesen.
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Zu wenig schwules Bewusstsein?
Die Doppeldeutigkeit, die das Wort "Daddy" für viele schwule Männer hat, bleibt mit Ausnahme eines ziemlich mittelmäßigen Gags an der Bar einer Schwulenkneipe ziemlich außen vor. Einerseits ist das sehr zu begrüßen, da diese sexuelle Ebene, die im Titel mitklingt, nicht in die Stimmung der doch sehr blümchenhaft unschuldigen Serie passen würde. Andererseits unterstreicht dies doch nochmal, dass "Ready.Daddy.Go!" sich potentiell mit dem eigenen Namen selbst ein Bein stellt.

Michels (Fridolin Sandmeyer, r.) Männersuche geht gut voran: Sein Date Fabian (Max Alberti, l.) hängt an seinen Lippen (Bild: ZDF / Ramin Morady)
Es könnte jetzt spekuliert werden, ob vielleicht zu wenig schwule oder queere Menschen an Drehbuch und Produktion beteiligt waren, doch sei es drum, vermutlich gibt das Instant-Format es nicht her, sich zu viele Gedanken zu machen. (Wie Michel, freiberuflicher Autor von Bedienungsanleitungen, sich z.B. eine große Wohnung im Glockenbachviertel leisten kann, wird auch mit keinem Wort reflektiert.)
Große komödiantische Leistungen
Doch zum Kern der Serie und dem, was sie dann doch gelingen lässt: der Humor und die komödiantischen Leistungen einiger der besetzten Schauspielenden. So sind die Michels Gespräche mit seinen Eltern (Petra Berndt und Sepp Schauer) hervorragend, und Eva Karl-Faltermeier als Mitarbeiterin des Jugendamtes Frau Lehmann stiehlt jede Szene, in der sie auftaucht durch die bis in den Klamauk verzogene Trockenheit, mit der sie spielt. Zum Beispiel Michels herzerwärmende Rede über das Sehen mit dem Herzen, dass das Wesentliche für das Auge unsichtbar sei, auf die Frau Lehmann, halb zu sich selbst, antwortet: "Als Brillenträgerin sehe ich das anders." Wunderbar!
"Ready.Daddy.Go!" ist ein halbwegs gelungenes Experiment, das Humor in mundgerechten Portionen serviert, die zum Lachen bringen, und gleichzeitig Lust auf mehr Inhalt machen. Wenn der Abspann der letzten Folge läuft, keimt der Wunsch auf, doch noch etwas mehr von Michel zu sehen. Dem ganzen ist eine zweite Staffel zu wünschen, die vielleicht nicht ganz so konzeptionell "instant" daherkommt, sondern etwas mehr Spielraum für emotionale Bögen lässt. Mit insgesamt weniger als anderthalb Stunden Laufzeit in sechs kleinen Teilen ist "Ready.Daddy.Go!" genau das Richtige für zwischendurch, um ein paar E-Mails zu ignorieren.
Links zum Thema:
» "Ready.Daddy.Go!" zum Binge-Watching in der ZDF-Mediathek
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