Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?4666
  • 19. April 2006 24 4 Min.

Für Schwule hat sich seit dem Sturz Saddams die Lage im Irak dramatisch verschlechtert: Sie werden von Banden und Behörden gejagt und ermordet.

Von Dennis Klein

"Freunde meines Bruders haben gesagt: 'Im derzeitigen Chaos kannst du riskieren, deinen Bruder zu töten, ohne dass dir etwas passiert. Werde diese Schande los!". Das berichtet der 32-jährige in Bagdad lebende Hussein der britischen BBC. Die Schande ist Homosexualität - unter religiösen Familien gilt ein schwuler Sohn als Super-GAU. Und da sich der Irak von einem Rechtstaat immer weiter zu entfernen scheint, müssen nun viele von ihnen um ihr Leben fürchten.

'Sexuelle Säuberungen' im Irak

Allerdings werden Schwule - ebenso wie Transsexuelle - nicht nur vor ihren eigenen Familien bedroht: Unter dem wachsenden Einfluss des Iran entwickelt sich die Homophobie immer mehr zur Regierungsdoktrin - und das unter den Augen von westlichen Truppen. Besonders die einflussreiche, vom Iran gelenkte schiitische Partei "Oberster Rat für die islamische Revolution im Irak" (SCIRI) steckt hinter der Ermordung von Homosexuellen, berichten Exil-Iraker wie der jetzt in London lebende Ali Hili. Der 33-Jährige hat in England eine Selbsthilfegruppe für schwule Iraker gegründet. Er beschuldigt die Badr-Brigade, den militärischen Arm der SCIRI, "sexuelle Säuberungen" durchzuführen - ganz im Stil der "ethnischen Säuberung" im Balkankrieg.

Schon unter Saddam Hussein war Homosexualität verboten, berichtet Hili. Dennoch ließ die Diktatur Schwule teilweise gewähren - zumindest bis Mitte der 90er Jahre, als Sanktionen das Land ausbluten ließen, gab es in Bagdad mehrere Schwulenclubs. Diese wurden dann aber nach und nach geschlossen und der Staat ging gegen Homosexuelle vor. Hili erzählt, er sei drei Mal verhaftet und gefoltert worden. Dann sei er aus dem Land geflohen.

Allerdings ist die religiös motivierte Verfolgung heute noch weit schlimmer und systematischer geworden. Der spirituelle Führer der SCIRI, Großajatollah Ali al-Sistani, hat erst vor einem Monat dazu aufgerufen, Schwule "auf die schlimmste, am meisten Schmerzen einflößende Weise" zu töten (queer.de berichtete). Diesem Aufruf wird nun scheinbar gefolgt: "Die Badr-Brigade hat ein Netzwerk von Informanten, die unter anderem gegen 'unmoralisches Verhalten' vorgehen", berichtet Hili. "Die töten Schwule, unverschleierte Frauen, Prostituierte, Leute, die Alkohol verkaufen oder trinken, und die, die westliche Musik hören oder westliche Kleidung tragen."

Opfer im Internet-Chat angesprochen

Dabei würden Badr-Agenten Schwule inkognito im Internet-Chat ansprechen, um sich mit ihnen zu verabreden. Beim Treffen würden sie dann ihr Opfer töten. Außerdem würden Unverheiratete über 30-Jährige und weiblich agierende Männer eine Warnung erhalten: Sie müssten entweder bald heiraten oder würden verhaftet werden. Viele Männer seien verschwunden und daraufhin tot mit verbundenen Augen und auf den Rücken gefesselten Händen gefunden worden. Sie alle seien durch einen Schuss in den Hinterkopf ermordet worden.

Die von den Vereinten Nationen unterstützte Medienagentur IRIN berichtet, dass die kleine Bagdader Homo-Gruppe "Ein Regenbogen für das Leben" in den letzten zwei Monaten bereits 70 Entführungsdrohungen aufgezeichnet hat. Zwölf Männer seien von Banden ermordet worden. "Wir wissen sicher, dass die Getöteten wegen ihrer sexuellen Orientierung ausgewählt wurden", so Mustafa Salim, Sprecher der Gruppe.

Keine Hilfe von Polizei und Koalitionstruppen

Die schwulen Opfer können sich dabei an keine Institution wenden: Die amerikanischen Truppen in Bagdad würden Beschwerden nicht annehmen. Und der stellvertretende irakische Innenminister hat auf Anfrage gesagt, er wisse nichts von Mordaktionen gegen bestimmte Gruppen. Man solle sich doch an die Polizei wenden, so seine lapidare Antwort. Allerdings trauen Schwule den von der Sadr-Brigaden unterwanderten Behörden nicht: "Die Polizei ist nicht gerade zimperlich", erzählte der als "Bagdad-Blogger" bekannt gewordene Salam Pax im queer.de-Interview bereits vor über zwei Jahren. "Die haben vor kurzem auf dem Tahrir-Platz, einer Art Cruisingpark, zwei Jungs als Abschreckung einfach so erschossen." Für den von der BBC befragte Hussein wird die Lage immer prekärer: "Saddam war ein Tyrann, aber immerhin hatten wir etwas Freiheit unter ihm. Heutzutage werden Schwule ohne jeglichen Grund getötet."

19. April 2006

-w-

#1 SvenAnonym
  • 19.04.2006, 15:36h
  • Tja, Bush hat den Irak befreit!
    Jetzt befreit er auch noch die USA von den Homos!
    Was soll man dazu noch sagen?
    Mich wundert es nicht, dass die ausländischen Truppen Schwule nicht unterstützen, schaut Euch doch die Armeen an, egal ob US-Truppe, RAF oder Bundeswehr, homophil sind die alle nicht.

    (PS: Ich weiß, dass die BW nicht im Irak ist)
  • Direktlink »
#2 seb1983
  • 19.04.2006, 15:54h
  • Man kann in genug unabhängigen Zeitungen lesen, dass der Iran massiv versucht Einfluss auf den Irak auszuüben mit nicht unerheblichem Erfolg.
    An die täglichen Attentate hat man sich in den Nachrichten ja schon fast gewöhnt. Ziel ist es einfach dass Land ins Chaos zu stürzen. Die US Truppen sind offensichtlich nahezu machtlos und die Situation wird sich auf absehbare Zeit nicht verbessern.

    Dass bei solchen Zuständen, die ja vom Ausland, besonders dem Iran, aktiv gesteuert werden, Leute reihenweise niedergemetzelt und hingerichtet werden veerwundert da kaum. Homosexuelle sind ja wie man auch hier liest in bester Gesesellschaft, unverschleierte Frauen und westliche Bürger trifft es ja genauso, der fundamentalistische Islam soll durchgesetzt werden und die Bedingungen dafür sind momentan ideal.

    Habe meine Zweifel ob das Land in diesem Jahrzehnt noch zur ruhe kommt
  • Direktlink »
#3 seb1983
  • 19.04.2006, 16:11h
  • @Sven
    Außer dass ich mal denke dass du Zivi warst und solche Leute die BW immer besonders gut beurteilen können: Was ist für dich ne "homophile Armee"??? Die BW hat kein Problem mit Schwulen, weder offiziell noch sollten es deine Kameraden haben wenn du dich ihnen gegenüber anständig verhälst (die sind eigentlich sogar verpflichtet sind dich zu respektieren).
    Die kleine Kölner Gucci Tunte mit Umhängetasche belächel ich nämlich auch
  • Direktlink »