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Italien
Empörung über homophobe und rassistische Äußerungen eines Generals
In einem selbst veröffentlichten Buch beklagt der Leiter des militärgeographischen Instituts eine "Diktatur der Minderheiten" und "internationale Gay-Lobby".
- 18. August 2023, 02:30h 2 Min.
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Ein italienischer General hat mit rassistischen und homophoben Äußerungen für Empörung gesorgt. Verteidigungsminister Guido Crosetto kündigte am Donnerstag ein Disziplinarverfahren gegen den 54-jährigen Roberto Vannacci an, der ohne das Wissen der Armeeführung ein Buch im Selbstverlag veröffentlicht hatte. Vannacci habe "persönliche Meinungen geäußert, die die Armee, die Verteidigung und die republikanische Verfassung diskreditieren", erklärte der Minister.
Der General, der früher in Afghanistan und im Irak gedient hatte, leitet inzwischen Italiens militärgeographisches Institut. In seinem Buch schreibt er unter anderem, dass Homosexuelle nicht "normal" seien. Er wettert gegen die "Diktatur der Minderheiten" und eine "internationale Gay-Lobby" und teilt gegen Feministinnen, Umweltschützer*innen und Einwanderer*innen aus. Über die schwarze italienische Star-Volleyballerin Paola Egonu schreibt Vannacci, "dass ihre Gesichtszüge nicht italienisch sind".
Die Äußerungen des Generals lösten eine Welle empörter Reaktionen bei linksgerichteten Politikern aus, während Abgeordnete der Rechten und der extremen Rechten zu dem Vorfall schwiegen. Die Ansichten des Generals entsprechen teilweise der Rhetorik der Parteien. Italiens rechtsgerichtete Regierung unter Ministerpräsidentin Giorgia Meloni betont immer wieder einen Einsatz für "traditionelle Familienwerte", sie selbst ätzte gegen die "LGBT-Lobby". Verteidigungsminister Crosetto ist neben Meloni einer der Mitgründer der Partei Fratelli d'Italia.
Der General selbst wies am Donnerstag Kritik an dem Buch zurück. Medien zitierten seiner Meinung nach einzelne Stellen aus dem Kontext, um es zu skandalisieren. Zugleich würde er jedes Wort wiederholen. (cw/AFP)
Update 18.20 Uhr: General wurde gefeuert
Nach massiver Kritik an seinen rassistischen und homophoben Äußerungen ist der General laut Medienberichten gefeuert worden. Roberto Vannacci habe nach nur zwei Monaten Dienstzeit seinen Posten als Leiter von Italiens militärgeographischem Institut räumen müssen, berichteten italienische Nachrichtenagenturen am Freitag. Das Verteidigungsministerium in Rom dementierte die Informationen auf Anfrage von AFP nicht.
Im Fernsehsender Rete4 verteidigte sich Vannacci. Er habe nicht mit dem Sturm der Empörung für ein Buch gerechnet, das "meine Gedanken ausdrückt, ohne jemanden zu beleidigen". Laut der Nachrichtenagentur AGI wurde Vannacci nach seiner Entlassung zu den Streitkräften des Heeres versetzt.















