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Ufa-Auswertung
Queere Menschen in TV- und Filmrollen noch unterrepräsentiert
Die deutsche Film- und Fernsehindustrie muss mehr tun, um die gesellschaftliche Vielfalt abzubilden. Das geht aus dem zweiten "On-Screen Diversity Report" hervor.

Das Fernsehen bildet (noch) nicht die Vielfalt der Bevölkerung ab, so eine neue Studie (Bild: freepik.com)
- 21. August 2023, 13:42h 2 Min.
Die Ufa hatte 2020 als erstes deutsches Unterhaltungsunternehmen bekanntgegeben, die Diversität der Bevölkerung in ihren Produktionen abbilden zu wollen (queer.de berichtete). Bis Ende 2024 will die Potsdamer Bertelsmann-Tochter ihr Ziel in ihrem Gesamtportfolio erreichen.
Am Freitag veröffentlichte die Ufa ihren zweiten jährlichen "On-Screen Diversity Report 2022" (PDF), in dem die Vielfalt statistisch erfasst wird. Dabei kam heraus, dass das Unternehmen seinem Ziel der Abbildung der Diversität in Deutschland zwar in Teilen nähergekommen ist, aber dieses noch nicht erreicht hat.
Insgesamt waren für die Studie 49 Ufa-Produktionen mit 4.257 Rollen bzw. Akteur*innen aus dem Jahr 2022 untersucht worden, darunter Shows, Serien und Filme. Die Hälfte der untersuchten Beiträge war nicht gescriptet.
Das detaillierte Ergebnis: 4,6 Prozent der Rollen bei Ufa-Produktionen waren LGBTIQ+ – damit liegen die Zahlen 2022 genauso hoch wie 2021. Dabei entspreche diese Gruppe aber elf Prozent der Bevölkerung – der Anteil liegt damit mehr als doppelt so hoch. Letztere Zahl stammt aus einer internationalen Ipsos-Studie aus dem Jahr 2021 (queer.de berichtete).
Auch beim Anteil von Frauen, bei nichtweißen Menschen (People of Color, PoC) und besonders bei Menschen mit Behinderung sei der Bevölkerungsanteil in den Ufa-Filmen und -Serien nicht erreicht worden. Immerhin: Der Anteil von Frauen und PoC sei im Vergleich zum Vorjahr gestiegen.

(Bild: Ufa)
Dabei sei die Unterrepräsentanz bei Hauptfiguren nur bedingt ein Problem – hier errechnete die Ufa-Studie sogar bei Frauen, PoC und LGBTIQ+ einen Anteil leicht über dem Bevölkerungsschnitt. Nebenfiguren kommen hingegen oft "traditionell" daher.

(Bild: Ufa)
Des weiteren seien in Ufa-Produktionen jüngere Menschen überrepräsentiert. So seien 77 Prozent der Figuren zwischen zwölf und 49 Jahren alt. Der Bevölkerungsanteil dieser Gruppe liegt in Deutschland aber nur bei knapp 50 Prozent.
Das Potsdamer Unternehmen Ufa gilt gegenwärtig als eine der größten deutschen Firmen im Bereich der Film- und TV-Produktionen. "UFA Fiction" ist etwa für erfolgreiche Titel wie "Der Junge muss an die frische Luft – Meine Kindheit und ich", "Ich war noch niemals in New York" oder die Fernsehserien-Reihe "Deutschland 83 / Deutschland 86 / Deutschland 89" verantwortlich. "UFA Serial Drama" produziert unter anderem beliebte Seifenopern wie "Alles was zählt" oder "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" (beide RTL). "UFA Show & Factual" bringt Nachschub bei Unterhaltungsshows wie "Deutschland sucht den Superstar" (RTL), "Wer weiß denn sowas" (Das Erste), "Kölner Treff" (WDR) oder "Too Hot to Handle: Germany" (Netflix). (dk)
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